dr.knoll

Blog von dr.knoll

29.01.2011 | 13:46

DER FLANEUR

Für mich ist das „Schreiben“ eine andere Form der Entspannung. Dabei habe ich den Wunsch mich zu vergessen, wenn ich mich erinnere. Oft fühle ich mich dabei wie ein Schmetterlingssammler, der seine Beute aufspießt, um sie dann später in der Vitrine auszustellen.
Das ist eine seltsame Existenz oder ein Rollenspiel in immer neuen Masken. Die Rolle des  Außenseiters habe ich  schon als Kind akzeptiert. Ja, ich liebe diesen Zustand geradezu. Und trotzdem bin ich kein Mensch, der sein Leben nur dichterisch ertragen könnte.
Mein Leben umgibt sich mit einem Alltag, der für mich nicht alltäglich ist. Aus bürgerlicher Sicht führe ich eine konstruktive Existenz. Aber gleichzeitig habe ich subversive Gedanken. Dabei verfasse ich nur Breviere. Und doch liebe ich die Illegalität. Aber vor Mitwissern scheue ich mich nicht.
Dabei möchte ich Widerstand leisten, um das, was mir wichtig erscheint, zu bewahren.
„Schreiben“ also nicht nach der dümmlichen Devise: Der Klügere gibt nach. Denn sollen nur noch die Dummen bestimmen?
Ich lebe von der  Überzeugung: Alles, was einen stört, lässt sich verändern. Du musst es nur wollen. Also auch ich möchte, dass vieles  so bleibt wie es ist, nur in einer besseren Version. Nur so lässt sich die schleichende Auflösung der bürgerlichen Ordnung verhindern. Denn lebt nicht auch das, was bewiesen erscheint, durch seinen Widerspruch?
Ich verfolge das Leben also  wie ein Flaneur. Und gleichzeitig habe ich  Angst die Möglichkeiten, die mir das Leben bietet,  zu versäumen. Nicht, dass es mir an Phantasie mangelt. Aber gerade deswegen begebe ich mich jeden Tag in meinen Gedanken  auf Reisen. Allein schon der Gedanke unterwegs zu sein macht mich glücklich.     

 

 

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 29.01.2011 um 14:17
Verehrter Herr Dr. Knoll, so hat jeder Mensch seine Freude und seine Motivation, sich mitzuteilen. Ich bin zum schreiben gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Nach jahrelangen Militäreinsätzen und einigen Blessuren begannen mich im Renten - Alter die traumatischen Erlebnisse einzuholen. Nachts wenn die Dämonen kamen, lief ich durchs Haus, spielte mit dem Computer, schaute sinnentleerte Wiederholungen im Fernsehen an oder betrank mich, um dann völlig erschöpft morgens um sieben Uhr in mein Bett zurückzuwanken. Mein Hausarzt verschrieb mir alle möglichen Medikamente. Es waren lauter Psychopharmaka. Als ich die Beipackzettel las, warf ich den Mist in den Müll. Dann kam meine erste frustrierende Therapiesitzung mit einem jungen ahnungslosen Psych. Meine Frau hatte die Nase voll von all den Kosten, denn sie ist eine sparsame Schwäbin aus Tübingen. "Schreib halt den ganze Käs auf und no hehrt des Elend vielleicht amol auf", meinte sie in ihrer typischen schwäbischen Mundart. Seither habe ich über zwanzig zeitgeschichtliche Dokumentationen, Kriminalromane und Politthriller, die allesamt auf selbst erlebten Ereignissen beruhen, geschrieben. Und was soll ich Ihnen sagen? Meine Dämonen wagen sich nur sehr selten aus der Deckung. Ich lade Sie einmal auf meine homepage ein, wenn Sie etwas interressiert, schenke ich es Ihnen mit Freude.

Bien cordialement
Monsieur Rainer.
dr.knoll schrieb am 30.01.2011 um 17:48
Lieber Monsieur Rainer,
Danke für die Zeilen. Ihre kanalisierte Wut gefällt mir, denn nach der Bildergalerie Ihrer Home-page zu urteilen sind Sie nicht rot vor Wut.
Gruß M.Knoll
dr.knoll
schreibender Hausarzt
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