dr.knoll

Blog von dr.knoll

07.02.2011 | 20:55

E R F O L G

Was die Marktgesetze betrifft kann ich nicht behaupten erfolgreich zu sein. Und manchmal fehlt mir einfach die Eitelkeit mich als der darzustellen, für den ich mich halte. Das ist schon ein Programm.

Abgeschieden in meinem Zimmer schreibe ich so, als lebte ich in einem anderen Land. Irgendwo nachts in Paris sitze ich in einem Bistro, um morgens in New York zu frühstücken.
Aber vielleicht bin ich auch nur traurig wie ein Kinobesucher, der sich nach der Vorstellung auf regennasser Straße wiederfindet. Wie als  Kind, wenn ich geradewegs aus dem wilden Westen kam. Der einsame Cowboy jedoch ritt der untergehenden Sonne entgegen, während der Platzanweiser an der Ausgangstür rüttelte:
Ein schales Gefühl, wenn Du in Deinem Klappsitz zurückbleibst. Wer wollte da nicht die gesicherte Existenz aufgeben? So schnell  gibt es da keine Rückkehr auf der Reise nach Utopia.

Irgendwann jedoch wird die Entdeckung überraschen, daß es auch meine Manuskripte gibt. Das kann trösten. Dabei habe ich meine Worte so liebevoll bearbeitet wie ein Tier, das seine Jungen leckt.
Wie schön ist es da die Welt für ihr Desinteresse zu verachten?!

 
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Kommentare
lausemädchen schrieb am 07.02.2011 um 21:21
"Irgendwann jedoch wird die Entdeckung überraschen, daß es auch meine Manuskripte gibt. Das kann trösten. Dabei habe ich meine Worte so liebevoll bearbeitet wie ein Tier, das seine Jungen leckt."

ich denk mal!!!
da ist die redaktion gefragt!
lausemädchen schrieb am 07.02.2011 um 21:25
macht was!
lausemädchen schrieb am 07.02.2011 um 21:34
@redaktion
auch wenn ich mich hier zum affen mache,
macht was!
wahr schrieb am 08.02.2011 um 08:33
Na, welche missliebige Person wird denn hinter Dr. Knoll vermutet, dass schnappatmig nach der Ordnungsmacht der Redaktion gerufen werden muss? Der Klabautermann in Form diverser gesperrter User? Dabei ist Dr. Knoll Dr. Knoll. Lesern des Zeit-Forums seit langem bekannt. Schreibender Hausarzt, steht doch so auch in seinem Profil. Ich bin sicher, es stimmt.
Joachim Petrick schrieb am 07.02.2011 um 21:36
"Wie schön ist es da die Welt für ihr Desinteresse zu verachten?!"

Ich ahne, es geht hier nicht um Verachtung des Desinteresses, sondern um die Bonarparte Frage
"Ihr Idioten aus dem Lande tumber Quoten ich greife mir selber die Kaiser Krone von der Starsse aus dem launigen Publikum, sitzend auf dem Throne"

als Gegenstück zu dem Satire- Movie
"Willkommen Mr. Chance"
mit Peter Sellers als Hauptdarsteller 1979
siehe:

de.wikipedia.org/wiki/Willkommen_Mr._Chance

Willkommen Mr. Chance
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
hardob schrieb am 07.02.2011 um 21:38
Kommunikationsgesetze. Ich will mal so schreiben: Ich lese Ihre Texte hier oder auf Zeit-Online. Manchmal habe ich eine Bemerkung dazu geschrieben. Da ich von Ihnen keine Reaktion bekam, schloss ich messerscharf, dass Ihnen diese Kommentare nicht wichtig oder zu banal seien. Auch ein gefühltes Desinteresse muss man sich hart erarbeiten. Viele Grüße
Ehemaliger Nutzer schrieb am 07.02.2011 um 21:43
Ich finde, Ihre Texte strahlen so eine...Gelassenheit aus und eine Leichtigkeit, eine Enthobenheit...Ich lese sie gerne.
weinsztein schrieb am 08.02.2011 um 00:29
Leif Miles, mir geht es oft ähnlich, wenn ich die Beiträge von Dr. Knoll lese.
lausemädchen schrieb am 07.02.2011 um 22:00
@dr. knoll
@leif miles

zum kotzen,
da beginnt das abkratzen
auf meinem bildschirm.

lm
weinsztein schrieb am 08.02.2011 um 00:38
Wie wortgewaltig und robust.
Da könnten Sie Ihren Monitor auch ablecken, lausemädchen.
koslowski schrieb am 07.02.2011 um 22:06
"Wie schön ist es da die Welt für ihr Desinteresse zu verachten?!" -
Das Gefühl kenne ich. Es ist aber nur ein kleiner Trost für die Verletzung, die die Gleichgültigkeit der Umwelt zufügt, und der hält nicht lange, weil ich den Verdacht nicht los werde, dass die Umwelt Recht haben könnte, wenn sie meine Texte ignoriert. Was tun? Mir hilft das wirkliche Leben, der Alltag, der mir zeigt, dass seine Anforderungen mehr Gewicht haben als mein Schreiben. Aber was ist, wenn das Schreiben wichtiger wird als das Leben? Wie kann man dann das Schweigen der anderen aushalten? Ich bin ratlos und hoffe, dass Ihre Traurigkeit, Ihre Einsamkeit, Ihr kreatürliches Verhältnis zu Ihren Texten eine literarische Fiktion sind. Aber auf jeden Fall weiterschreiben. Ich lese mit.
lausemädchen schrieb am 07.02.2011 um 22:21
lieber koslowski,
dank dir
sehr.
hatte ich doch für eine kurze zeit
wahrlich angst
un einen
großkotzertzen doktor ...

alles gute
lausemädchen
dr.knoll schrieb am 07.02.2011 um 22:07
Lieber Hardob
Meine Art von Kommunikation ist keine reflektierte Verneinung usw, sondern (noch) der Mangel an Zeit. Denn zwischen "Dionysos" und "Krampfadern" ( frei nach Benn ) siegen bisher immer noch die Kompressionsstrümpfe.
Gruß M.Knoll
j-ap schrieb am 07.02.2011 um 22:27
Caro Dottore,

auch ich kenne Sie, wie hardob, noch aus der ZEIT-Zeit. Man kann nicht behaupten, daß Sie ein Foren-Partylöwe seien. Das macht aber nichts, denn auch, wenn ich Sie das bislang nicht wissen ließ, so gehöre ich zu Ihren regelmäßigen Lesern.

Schon deshalb, weil Ihr Konterfei aus einiger Entfernung so aussieht wie George Soros.

Viele Grüße
Josef Allensteyn-Puch
lausemädchen schrieb am 07.02.2011 um 22:28
"Irgendwann jedoch wird die Entdeckung überraschen, daß es auch meine Manuskripte gibt. Das kann trösten. Dabei habe ich meine Worte so liebevoll bearbeitet wie ein Tier, das seine Jungen leckt.!

ihre sprache verrät sie,
ich mag sie nicht!
Emma in Uniform schrieb am 07.02.2011 um 23:22
:)

Hundebautz nochmal -

Richtig bzw.
tiefscharf beobachtet.

Sprache verrät.
Magda schrieb am 07.02.2011 um 22:38
"Wie schön ist es da die Welt für ihr Desinteresse zu verachten?!"

Auf solche Ideen kommt man immer nur bei Kummer oder Selbstüberschätzung, ehrlich.
Magda schrieb am 07.02.2011 um 22:40
Wie schön ist es da die Welt für ihr Desinteresse zu verachten?!

Heiliger Bimbam, ich kenne andere Lustbarkeiten. Ich freue mich, wenn ich wem was sagen konnte, wenn nicht...naja, dann hatten die halt was Besseres vor.
ed2murrow schrieb am 07.02.2011 um 22:57
Sehr geehrter Herr Dr. Knoll,

es gäbe wohl zwei Lesarten zu Ihrem "Erfolg": Die modernisierte Parodie zu Spitzwegs parodistischen (sic) "Der arme Poet" bezogen auf eine Anonymität durch Überfluss gepaart mit Unvermögen.
Oder Sie wörtlich nehmen. Was weitaus schlimmer wäre.

Denn zur Parodie fehlte das notwendige Quantum Humor, der, sofern überhaupt mit gutem Willen herauslesbar, mit dem Bild im letzten Satz buchstäblich und endgültig auf den Hund gebracht ist. Wäre es hingegen tatsächliche Selbstbeschreibung, wäre ich geneigt, eine Sinnkrise anzunehmen: Für ein Tagebuch geeignet, aber für eines mit dickem Schloß daran, nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Ich glaube eher, das Dilemma liegt irgendwo zwischen Skylla und Charybdis, gelegentliche Medusa nicht ausgeschlossen.

Mit freundlichen Grüßen, e2m

P.S. Ich finde das Photo frei nach Ephraim Kishon ganz gut gelungen :)
Magda schrieb am 07.02.2011 um 23:00
"Denn zur Parodie fehlte das notwendige Quantum Humor,"

yepp :-))
Ehemaliger Nutzer schrieb am 07.02.2011 um 23:14
@ed2murrow schrieb am 07.02.2011 um 22:57

"Wäre es hingegen tatsächliche Selbstbeschreibung, wäre ich geneigt, eine Sinnkrise anzunehmen: Für ein Tagebuch geeignet, aber für eines mit dickem Schloß daran, nicht für die Öffentlichkeit bestimmt."

********************************

Wenn jede seelische Bewegung aus der Privatsphäre und jedes Gefühl, das nicht glatt gekämmt und nicht wunderhübsch ist, hinter den dicken Schloß gehören, dann kann man 9/10 der Weltliteratur und auch der Weltkunst sofort verschließen... oder direkt verbrennen.
ed2murrow schrieb am 07.02.2011 um 23:22
Sie empfinden also Herrn Dr. Knolls "Erfolg" gelungen, Krem-Browning? Das ist ok, jede(r) wie er/sie es mag.

Allerdings verwahre ich mich ganz klar dagegen, ich würde "jede seelische Bewegung" und "jedes Gefühl" als Sinnkrise bezeichnen - Die Leiden des jungen Werthers und dessen Pendant Die neuen Leiden des jungen W. sind hochpolitische Bücher, ersteres bedauerlicherweise von vielen Jungs aus der Generation Schiller als Anleitung zum Freitod mißverstanden. Wie Sie die Bedeutung von Bücherverbrennungen ganz gewaltig relativieren.

Aber wie gesagt, alles .... irgendwie.
ed2murrow schrieb am 07.02.2011 um 23:23
P.S: Ich halte Herrn Dr. Knoll nicht für Wiedergänger von Schiller oder Plentzdorf. Nur um allen Mißverständnissen vorzubeugen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 07.02.2011 um 23:42
@ed2murrow schrieb am 07.02.2011 um 23:22

Was meinen Sie unter gelungen?

Ein Mensch befindet sich im Zweifel und beschreibt ganz ehrlich, was er dabei fühlt, ohne sich mit Zuckerglasur zu schmücken. Und da braucht mir keiner zu erzählen, dass er nie im Leben so was Ähnliches empfunden hat und dass seine eigene Gefühle immer hübsch wie Blumenstrauß sind. Das mit dem dicken Schloß... wieso eigentlich? Ich finde es mutig, vor der Welt so zu stehen, wie man wirklich ist, ohne etwas aus sich zu basteln, was gut ankommen sollte.
Emma in Uniform schrieb am 07.02.2011 um 23:55
"ohne etwas aus sich zu basteln, was gut ankommen sollte."

absolut,..und dies so zu, dass selbst vordergründig als Eitelkeit empfundene Selbstzweifel dann raffiniert serviert werden..eine Kunst und ein Können, damit
das schwere Schnitzel leicht wie eine Fee über den Teller schwebt..

österreich-ungarische Grüße - e.rothschild
Ehemaliger Nutzer schrieb am 08.02.2011 um 00:20
Oh... österreich-ungarisch klingt nach einer romantischen Mischung aus Strauss und Brahms... :)
Emma in Uniform schrieb am 08.02.2011 um 01:16
Wo Sie es sagen..stimmt.

Oder aus Peter Altenberg und Ferenc Molnár,
es vernachlässigt etwas sehr leger das Ganzheitsprinzip;

und wenn ich es so näher betrachte, wirkt es wie eine nach oben seufzende Geste, dabei ist es nur nachgemachte Gewohnheit - ich will damit gar nicht auf höheres verweisen,
aber es zeigt sich in der Absplitterung ein Stück weit auch der Problemkreis bezüglich meiner Identität

...:)
KalleWirsch schrieb am 07.02.2011 um 23:08
"Und manchmal fehlt mir einfach die Eitelkeit mich als der darzustellen, für den ich mich halte."

Sorry, aber da habe ich herzlich gelacht. Bei mir kommt dieser Satz doch sehr eitel an.
j-ap schrieb am 07.02.2011 um 23:32
Eben, Kalle. Außerdem ist mir der hier vorgestellte Grad an Verschrobenheit schlichtweg sympathisch.
KalleWirsch schrieb am 07.02.2011 um 23:37
Dann solltest du unbedingt am Theater arbeiten. Die Basisqualifikation hast du jedenfalls ;)))

Ich glaube, ich mach mir ein T-Shirt mit dem Spruch.
j-ap schrieb am 08.02.2011 um 00:01
Du trägst T-Shirts? Ich bin enttäuscht!
Dreizehn schrieb am 08.02.2011 um 00:09
Bitte: ...mich als den darzustellen, für den ich mich halte - als den!
j-ap schrieb am 08.02.2011 um 00:12
Auch das noch. Na jetzt schlägt's aber, Dreizehn!
GeroSteiner schrieb am 08.02.2011 um 00:22
Eitelkeit liegt dann vor, wenn das Brett vor dem Kopf als Spiegel verwandt wird.
philoron schrieb am 08.02.2011 um 13:01
>>Wie schön ist es da die Welt für ihr Desinteresse zu verachten?! <<

Ich musste bei dem Satz spontan an M. Montaigne denken, der in seinen Essay schrieb: "Beklagt sich die Welt darüber, dass ich zu viel rede, so beklage ich, dass diese zu wenig an sich selbst denkt." Und das ist schon ein paar Tage alt.

Wie kann obiger Satz soviel an Diskussion, Urteilen und Vorurteilen auslösen? Worte
sind Worte und Interpretationen sind Interpretationen, nicht mehr als das. Alles lässt sich drehen und verbiegen, so dass das eigentlich gesagte am Ende völlig verklärt ist. Wer weiß schon genau, was der Schreiber wirklich hat sagen wollen? Gewährte er einen Einblick in seine Seele oder will er den Leser lediglich zum Nachdenken anregen? Hier Kummer zu vermuten oder Eitelkeit zu entdecken- nun jeder sehe was er will und schlage sich auf die Seite, die ihm am Nächsten komme. Novalis schrieb in seinen Hymnen an die Nacht: „Unverständlichkeit käme von Unverstand. Dieser suche, was er habe und also niemals weiter finden könnte.“ Das kann ich hier, wie in anderen Foren immer wieder finden. Da lernt man, die letzte Utopie für eine bessere Welt im Grunde begraben zu können! Menschen können sich einander einfach nicht vorurteilsfrei annähern. Das ist wirklich schade.

Also ich lese gerne zwischen den Zeilen, auch wenn das wieder eitel rüberkommen mag. Aber hier tut sich oft ein anderes Bild auf…..
Dreizehn schrieb am 08.02.2011 um 14:41
Hölderlin äußert über "Menschenbeifall", was auch hier passen mag: Ach! der Menge gefällt, was auf den Marktplatz taugt,/ Und es ehret der Knecht nur den Gewaltsamen.
dr.knoll
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