Sie war auf dem Land groß geworden. Das hat eigentlich nichts zu sagen. Aber da sie nie nach der Mode ging und in dem Dorf, in dem sie lebte, nicht einmal ein Textilgeschäft war, sah sie aus, als käme sie aus einer anderen Zeit.So lief sie also auf ihren klosterfreundlichen Sandalen durch ihr Leben. Dabei sah sie mit ihrem breiten Gesäß und der schmalen Oberweite kleiner aus, als sie war.
„Ich fand mich nie attraktiv…,“ sagte die Frau und lächelte. „…aber immerhin beherrschte ich schon früh den aufrechten Gang. Das kann nicht jede Frau von sich behaupten.“ Ja, ihr Lächeln war anziehend. „Gut…,“ sagte sie dann. „…gelegentlich kam ich ins stolpern. Aber leider war da niemand, der mich auffangen wollte.
Aber trotzdem kam ich nicht auf die Idee mein Leben gegen das Glück der Nachbarn eintauschen zu wollen. Ich wusste zu genau, was ich nicht wollte. Selbst als meine pflegebedürftige Mutter starb, ließ ich mich nicht unter das Dach der Kirche treiben. Und ich hatte auch keine Lust dem Küster zu helfen, obwohl… nun ja, er gefiel mir schon. Aber leider konnte ich mit ihm nie reden. Er war so unnahbar und irgendwie nüchtern.
Da musste ich mir schon selber Geschichten erzählen, die ich für mein Leben hielt. Als ich also dem Küster das nächste Mal im Pfarrgarten begegnete, lächelte ich und streckte ihm meinen Oberkörper entgegen. Auch meine Birnen brauchen Wärme, dachte ich.
Der Küster aber sah mich nur unfreundlich an und brummte:
„Ich bin hier nicht der Gärtner…“
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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