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Als ich mich bei ihm vorstellte, spielte er schon den Chef.„Schürwald…“ nickte er flüchtig und machte seine Notizen. Der hat ein Fischgesicht, dachte ich nur, als ich mich setzte. Ein Fischgesicht mit langer Nase. Wo er die wohl lässt, wenn er auf dem Bauch schläft?
„So…,“ sagte Schürwald und schob seine Akten zur Seite. Er begutachtete mich wohlwollend über seine bi - fokale Brille und sagte:
„Dann erzählen Sie mal…“
Der benimmt sich wie früher mein verdammter Lehrer, dachte ich nur. Dieser K., mein Lehrer, war ein ehemaliger Offizier, der im Krieg seinen rechten Arm verlor hatte. Und solange ich mich erinnern konnte, trug er eigentlich immer einen Schillerkragen und Sandalen. Jeden Morgen also fuhr dieser K. auf seinem alten Fahrrad zur Schule. Dabei verrutschten seine Hosenklammern nie. Und ich, der ich damals schon ein Moped besaß, achtete jeden Morgen peinlich darauf, dass ich diesem Menschen nicht über den Weg knatterte.Da aber Herr K. mein Klassenlehrer war, rannte ich vor jeder Unterrichtsstunde, die wir bei ihm hatten, noch einmal zum Klo. Ich hasste die Pausenglocke und diesen K. Durch diesen Lehrer lernte ich: Das Leben war ein Kampf. Und da gab es nur eine Frage zu beantworten: Wer blieb auf der Strecke?Wenn ich also nicht aufzeigte, blickte mir dieser K. tief in die Augen und ich, das Kind, sollte glauben, dass er es gut mit mir meinte. Aber das Kind fühlte sich nur durchschaut, obwohl es gar nichts verbrochen hatte.
Dieser Griechischlehrer war für mich Richter und Henker zugleich. Dabei lag sein Notizbuch mit den Noten immer neben seinem Pult. Nur, dieser K. fragte mich nicht, um mein Wissen zu prüfen. Er fragte, um mich bloßzustellen. Denn bevor ich überhaupt noch antworten konnte, sagte er:„Wollen wir es mal versuchen?“
Was habe ich diesen Lehrer für diesen Satz gehasst. So blieb für mich zum Schluss keine richtige Antwort mehr übrig. Er war kein Lehrer, der mich erlöste. Im Gegenteil. Er machte die Klasse zum Tribunal. Hier herrschte die Macht der Konkurrenten und Verschwörer.Natürlich hatte der K. seine Lieblingsschüler. Aber gab einer dieser Schüler eine falsche Antwort, war das nicht so schlimm. K. lächelte dann nur, als hätte er soeben mit einem Genie gesprochen.Ein naiver Mensch konnte glauben, K. sei gutmütig. Dann neigte er lächelnd seinen Kopf, als umgebe ihn der Chor der Erinnyen.Selbst beim Elternsprechtag belog er meine Mutter. Angeblich lag ihm mein Schicksal besonders am Herzen.„Hat er sich nicht nett entwickelt?“ sagte dann meine Mutter, als müsse sie sich für mich entschuldigen.Nachdem mich dieser Kramer endgültig zur Strecke gebracht hatte, schenkte er mir ein kleines Buch: „Mit Goethe durch den Tag...“
Meine Mutter fand das natürlich „ganz reizend“.
Kurz, ich musste die Klasse wiederholen, während sich zur gleichen Zeit zwei Mitschüler erhängten.
„ Und…?! “ sagte Schürwald, mein Chef, der niemals mein Chef werden sollte.
„Es gibt Menschen, an die gewöhne ich mich nie,“ antwortete ich und stand auf.
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Keine schöne Geschichte......
aber gut. Danke! |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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