Heinz war kein Mann, der sich hilflos dem Argwohn überließ. Und er glaubte nur an das, was er wusste. Und er wusste wenig. Aber dafür konnte er eine Menge.
Aus der Sicht der Phylogenese aber war er kein Mensch,der auf dem Baum sitzen geblieben wäre, um stundenlang darüber zu diskutierte, ob er nun vom Baum herunterklettern sollte oder nicht.
Heinz wäre aber auch nie auf die Idee gekommen irgendeinen Philosophen zu zitieren, um somit klarzustellen, welche Position er im Leben einnehmen wollte. Denn nur dort, wo er, Heinz, sich aufhielt, war für ihn die Realität. Für sich also wusste er immer, was richtig und falsch war.
Wenn er sich dann aber entschieden hatte, wofür auch immer, war es ihm egal, ob er möglicher Weise Erwartungshaltungen enttäuschte oder nicht. Aber selbst dann war Heinz in der Lage über alternative Möglichkeiten nachzudenken ohne im vorauseilendem Gehorsam die anstehenden Probleme lösen zu wollen.
Und selbst, wenn er gelegentlich seiner alten Mutter zur Liebe in die Kirche ging, in der christlich geprägten „Erlösung“ suchte er nicht seine Rettung.
Im Gegenteil, Heinz vertraute auf seine Vernunft ohne sich auf sie zu verlassen. Und wenn er sprach, war da nichts Geschraubtes in seinen Worten. Im Gegenteil. Sein Herkommen verleugnete er nie. Denn auch Heinz wusste, dass sich jeder Mensch aus seiner Biographie erklären lässt. Und in der Welt, aus der er kam, konnte man sich kein Pathos leisten und schon gar keine Tränen, wenn man überleben wollte. Also aus dieser Ecke drohte Heinz keine Gefahr.
Als ich ihn dann aber nach dem Rezept seiner Ausgeglichenheit fragte, nickte mir Heinz freundlich zu:
„Ich vertraue nur mir…“
Aber zwischen den Zeilen hörte ich ihn lächelnd sagte: Es ist ein Glück, dass es mich gibt.
Ironisch meinte er das nicht. Da bin ich mir sicher
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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