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Mit dem Alter ist das so wie mit dem schlechten Wein. Wein, den man schon in seiner „Jugend“ nicht trinken konnte, wird im Alter auch nicht besser. Das weiß jeder Winzer. Warum also soll ich schlechten Wein trinken oder das Alter ehren?
Je älter man aber wird, umso jünger fühlt man sich. Nicht nur ich behaupte das. Und so hören wir schon lange nicht mehr darauf, was uns die 20-jährigen sagen. Und wenn jemand sagt: Sie sehen aber viel jünger aus! – dann hören wir das gern. Warum sollen wir da also nicht immer wieder die alten Fehler wiederholen, wie die Jungen, die auf den Rat der Alten, die einmal jung gewesen waren, verzichten?
Da fühlt sich also einer mit 4o noch zu unreif für Kinder und glaubt, es sei einfach nur spießig sich im Leben festlegen zu müssen. Und die 4ojährige Karrierefrau fühlt sich endlich jung genug ihr Kind zu bekommen. Da möchte ein Lehrling seinen 5o- jährigen Chef am liebsten ins Altersheim verbannen und dieser Chef behauptet sein Lehrling habe schon lange seine Zukunft verspielt. Da verlässt ein 30- jähriger Student nach dem Examen seine Eltern, um Geld zu verdienen. Und ein 40-jähriger wartet auf die Teilrente und vergisst darüber den Generationskonflikt. Wenn aber seine Frau dabei schon älter wurde, dann sollte sie wenigstens jünger aussehen...
Kurz, mit dem Alter ist das so eine Sache. Vor allem dann, wenn man das Alter romantisiert. Gut, einen gemütlichen Feierabend kann auch ich ertragen. Aber mit der Abendröte und dem reifen Herbst habe ich dann doch meine Probleme.
Warum also, frage ich mich, sollen Veteranen Altersflecken haben?
Nun gut, kein Mensch möchte älter werden, obwohl sich jeder an die Dinge erinnern, die es „so“ gar nicht mehr gibt. Wer also in seinen Erinnerungen schwelgt, weiß wie alt er ist.
Älter werden ist also nicht einfach. Und wer keine Kinder hat, der vermisst sie nicht erst im Alter. Wer sie aber im Alter vermisst, dem kann ich auch nicht helfen. Und im Übrigen kann man sich auch noch in meinem Alter über die Eltern aufregen. Denn sie zensieren immer noch ihre Beobachtungen und wissen: Was nicht sein kann, darf nicht sein!
Und doch, ab einem gewissen „biologischen“ Alter wird dem Menschen die Möglichkeit genommen, das auszuleben, was für ihn immer lebenswert war. Seine Erben aber wissen: Irgendwann haben wir zwar kein Königreich aufzuteilen, aber vielleicht doch ein Sparbuch.
Also fragen Sie mich bloß nicht nach meinem Alter!
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Ey Alder, das haben Sie aber schön gesagt.
wenn Altersweisheit immer so zum Ausdruck käme, brauchte sich kein Mensch vor dem Alter zu fürchten ... |
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Eine brilliante Sicht auf das Problem mit dem Alter, hat mich direkt dazu gebracht mal wieder auf meins zu sehen. Aus diesem Grunde nur eine einzige Frage. Wie alt sind Sie?
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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