Ich weiß nicht, ob der Mensch von Natur aus „gut“ ist oder nicht. Aber dieses Wort „gut“ ist ohnehin religiös infiziert. Zumindest können wir uns darauf einigen, dass der Mensch, durch seine Umgebung geprägt wird, sowohl positiv als auch negativ. Und wer wollte die Kluft zwischen arm und reich, Hunger und Überfluss, Macht und Ohnmacht leugnen?
Natürlich wird da jeder bereit sein sich um das Wohl der Elenden zu kümmern. Denn die Allgemeinheit weiß, wenn sie sich schützen will, muss sie gut organisierten Spendenaktionen durchführen. Nicht nur in dieser Hinsicht war die Ablassidee der katholischen Kirche eine sensationelle Erfindung. Wäre Gott also ironischer gewesen, vielleicht würde er dann noch leben.
Aber, nachdem er nun tot sein soll, müssen wir allein entscheiden, was „gut“ und „schlecht“ ist. Und wer die Frage beantworten will, was „richtig“ und „falsch“ ist, kann sich als Philosoph fühlen, wenn es ihm dann hilft.
Menschen ohne akademischen Hintergrund haben da vielleicht pragmatischere Antworten parat, wenn sie sich derartige Fragen stellen. Allein deswegen, weil sich diese Menschen vermutlich schon früher der Realität aussetzen müssen ohne sich immer zu fragen, was vielleicht Herr Kant oder Herr Schopenhauer dazu gesagt hätten.
Und so habe ich von Gustav gelernt:
Es gibt Dinge, die sich von selbst verstehen. Aber es gibt auch Lebenssituationen, da hat man nicht das Recht, Recht zu behalten.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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