"Könnte ich mich doch darüber beschweren das Opfer eines Publikumerfolges zu sein," sagte mein Freund, ein Autor, der unter seiner Erfolglosigkeit litt. " Dann würde ich darüber räsonieren, ob ich noch die Fäden meines Lebens in den Händen halte... Oder soll ich mir gleich Marotten zulegen, die nur schwer verständlich sind? Wie schön ist es einer Illusion nachzujagen?" lächelte er glasig und betrachte sein Weinglas.
"Ich werde die Spuren meines Lebens nicht verwischen,“ sagte er, als müsse er mich überzeugen. Im Gegenteil, ich werde wie ein Parasit über mein Leben herfallen und mich auf meine Kosten ernähren."
Er sah mich erwartungsvoll an. Aber bei dem Wein, den er mir voraus war, zog ich es vor zu schweigen. Aber mein Freund, der Autor, konnte nie schweigen. Und schon herrschte er mich an, als ich nicht reagierte:
"Wen interessiert schon, was ich schreibe? Ich bin doch nicht erfolgloser als andere Autoren, nur weil die besser sind. Und ich bin auch nicht erfolglos, weil mich der Erfolg nicht interessieren würde. Im Gegenteil. Ich bin erfolgsorientiert. Das weißt Du am besten. Zum Verlierer eigne ich mich nicht. Obwohl, vielleicht wäre ich dann den Menschen sympathischer..."
Ich sah ihn nur an und lächelte.
"Immerhin," sagte mein Freund, " auch ich kann freundlich sein. Aber es wird gefährlich, wenn man mich unterschätzt. Auch wenn ich ein Außenseiter bin, so lebe ich doch nicht in der Vergangenheit. Dafür hat mich die Wirklichkeit schon zu lange eingeholt. Ich träume also nicht vom Erfolg, um den Alltag zu ertragen..."
Mein Freund, der Autor, füllte sein Glas nach und sog an seiner Zigarette:
"...aber ich kann warten. Ich bin geduldig wie ein Vieh. Aber jeden Tag auf die Post zu warten ohne dass sich eine Redaktion meldet, das kann zermürben. Doch irgendwann bin auch ich an der Reihe. Da bin ich mir sicher. Wer kennt nicht die Wahrscheinlichkeit der Lotterie? Oder?"
Ich nickte nur, denn mein Freund, der Autor, ließ sich nur ungern unterbrechen. Und schon holte er tief Luft und versuchte sich an einem versöhnlicheren Tonfall:
"In meinem Berufsleben bin ich ja erfolgreich. Warum sollte ich da unzufrieden sein? Der Alltag bietet mir soviel angenehme Stunden, in denen ich nicht denken muss. Wer würde es da wagen meine Gutmütigkeit zu missbrauchen?
Ich appelliere ja auch nicht an den Verstand meiner Kunden. So bilden wir eine große Schnittmenge. Damit können wir leben..."
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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