Karin L. war eine Frau von fröhlicher Ignoranz. Sie konnte auch lachen, wenn es nichts zu lachen gab. Und wenn man mit ihr sprach, dachte man unweigerlich an Pflanzen, die nur im Treibhaus gedeihen. Dabei gestikulierte Frau L. lebhaft, als beschreibe sie Luftwurzeln. Aber das, was sie sagte, entstammte einer wässrigen Nährlösung, die keinen Humus brauchte. Dabei behauptete sie ein ängstlicher Mensch zu sein. Und dann lächelte sie, als sei ihre Art von Angst nur ein Ausdruck ihrer besonderen Sensibilität. Wenn sie dann aber damit kokettierte wie gefährlich das Leben sei und was ihr alles passieren könne, erweckte sie endgültig den Beschützerinstinkt der Männer. Selbst für den schläfrigsten Pantoffelhelden war es keine Last mehr ein Mann zu sein. Und so mancher träumte von ihr als Geliebte oder wenigstens doch als Krankenschwester.
Karin aber lächelte nur gutmütig wie eine Mutter, die ihr behindertes Kind besonders liebt...
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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