Dreizehn

Blog von Dreizehn

24.01.2012 | 10:25

Kameras überwachen die Stadt

..weil es jetzt ja so oft um Sprache geht, um unsere eigene und einen aufmerksamen Blick darauf. 10.ooo Videokameras überwachen die Stadt, so titelt heute Springers Abendblatt.

Kameras filmen, und noch nicht mal das, weil auch filmen immer das filmende Subjekt hinter der Kamera, die bewusste Absicht fordert. Der Kameramann filmt, der Regisseur filmt. Unsere Sprache hat eigentlich kein Wort für die Tätigkeit von Kameras und wir benutzen Metaphern: aufnehmen, aufzeichnen. Kann man lange drüber nachdenken, weshalb. Vermutlich, weil die Kamera eben nichts tut, sie ist kein aktiv handelndes Subjekt. Der Titel vom Abendblatt erweckt jedoch genau diesen Eindruck, fälschlicherweise. Oh wie so trügerisch ..

Überwachen schließt Kontrolle ein und die Möglichkeit, einzugreifen und zu verhindern, dass ein Schaden eintritt. Der Wächter steht vor der Tür und schützt. Sinn und Ziel von Überwachung liegen darin, Schaden zu verhindern. Kameras würden überwachen? Ein kompletter Unsinn. Diese sonderbare Formulierung entsteht aus Marketingstrategien, die der Bezug von Sprache und Realität nicht kümmert.

Nichts gegen Kapitalismus. Er macht die Menschen nur dumm und hässlich. (SZ, gestern)

 
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Kommentare
Ismene schrieb am 24.01.2012 um 10:35
Das ist das Problem mit unserer Sprache, in der ein kompletter Satz immer ein Verb verlangt.

Es ist gut, sich immer wieder klar zu machen, was alles mitschwingt bei bestimmten Wörten. Und auch, was damit verschleiert wird. Denn die Stadt wird überwacht, aber von wem? Die Frage kommt ja gar nicht mehr auf.

Danke für's Thema.
Zeitleser schrieb am 24.01.2012 um 12:30
London scheint ja Weltmeister zu sein im Überwachen - und das bei den Engländern, die sich rühmen individualistisch zu sein. Erfreulich ist das nirgendwo mit der Ausnahme, wenn es um Technik und Vorsicht geht. In Japan hatten die Busse schon vor 30 Jahren Kameras die beim Rückwärtsfahren aktiv wurden. Man kann das Thema natürlich ökonomisch nehmen (es wird zu viel geklaut) oder politisch (es gibt terroristische Spinner) und was kommt heraus wenn man es philosophisch nimmt? 1. nach Hegel: wir leben im unglücklichen Bewusstsein - d.h. im Misstrauen - und dies trotz oder wegen des materiellen Wohlstands und 2. nach Epikur: Ich muss nicht dorthin gehen, wo viele Menschen und neuerdings Kameras sind.
Dreizehn schrieb am 24.01.2012 um 13:14
Grundsätzlich geht es darum, ob man bereit ist, den Menschen vertrauensvoll zu begegnen, oder? Nicht nur im privaten Bereich, sondern auch öffentlich: "Je mehr Gesetz und Weisung man erlässt, desto mehr Räuber gibt's und Diebe." [Lao-tse, Tao-te-king, 57]
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