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Nein, der Mensch ist nicht Eigentümer des Planeten. Nein, es ist nicht seine Aufgabe, die Natur auszubeuten, und sein Auftrag ist nicht, Leben zu zerstören - was maßt er sich an!
Das ist alles längst bekannt. Die Industrienationen gefallen sich darin , am einmal eingeschlagenen falschen Kurs festzuhalten und andere mit ins Boot zu hieven.
Der fehlerhafte Kurs zeigt sich unter anderem daran, dass ein naturwissenschaftlich geprägtes Denken in andere Disziplinen übergreift und in absolutistischem Gestus die Welterklärungskompetenz für sich vereinnahmt. "Science is the only way we know to understand the real world" (Richard Dawkins).
Das ist logischerweise kompletter Unsinn. Niemand versteht die Welt, indem er naturwissenschaftliche Methoden anwendet, also zerlegt, atomisiert, operationalisiert. Abschreckendes Beispiel für Kolonialisierung etwa der Psychologie durch naturwissenschaftliches Denken ist bzw. war der Behaviorismus.
Diese Forderung, den, wie sie selbst sagt, "imperialistischen" Geltungsanspruch naturwissenschaftlichen Denkens abzuwehren, begründet seit den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts Mary Midgley im angloamerikanischen Sprachraum. Sie formuliert ihre Gegenposition in angesehenen englischen Fachzeitschriften und diversen eigenen Publikationen.
Mary Midgley ist der interessierten deutschen Öffentlichkeit unbekannt. Während man im englischen Wikipedia einen ausführlichen, fundierten Text liest, reichhaltig mit Verweisen versehen, existiert Midgley im deutschen Wikipedia - abgesehen von einem Kurzhinweis auf eine Rezension "What Darwin got wrong" in einem Sammelband von Fodor/Katz - nicht. Ich fand kein Stichwort "Midgley" in den Archiven von Süddeutscher Zeitung und ZEIT. Beide Organe widmeten sich jedoch ausführlich den neodarwinistischen Theorien von Dawkins und sogar Thomas Gottschalk demonstrierte unlängst Belesenheit durch Dawkins-namedropping während eines SPIEGEL-Interviews.
Was soll das? Möchte "man" dem deutschsprachigen Eingeborenen lästige Lektüre ersparen? Ach, geht's um jene Frau (!) Midgley, die in der Fünfzigern (!) über ein verantwortungsbewusstes Verhältnis des Menschen zu Tieren publizierte? Der Wachtelkönig lässt grüßen bzw., seit neuestem, der Juchtenkäfer? Nun? Lernen wir daraus? Was lernen wir daraus?
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Aus gegebenem Anlass - :)) - las ich den Text eben nochmal und weiß nun auch, warum ich neulich keinen Kommentar hinterließ: Ich kann mit dem Namen Midgley so gar nichts anfangen, soll heißen, nie gehört den Namen.
Den Satz "Niemand versteht die Welt, indem er naturwissenschaftliche Methoden anwendet, also zerlegt, atomisiert, operationalisiert." unterschreibe ich aber. Die philosophische Anmaßung von Naturwissenschaftlern und gesellschaftspolitische Arroganz von Technologen sind ja sattsam bekannt. Aber da gab es doch seit langem viele Alternativen, warum muss es eine 'Geheimtip'-Autorin sein? |
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Ich blätter auch grad nochmal, weil ich einen Text weitergeben wollte, und freu mich über deinen Kommentar.
Midgley soll gar keine Geheimtip-Autorin sein. Ich wundere mich nur, dass sie so komplett ignoriert wird, dabei wär sie vermutlich exakt etwas fürs Abendblatt oder für Frauenzeitschriften, sie ist auf eine äußerst liebenswürdige Weise gesprächig. Vermutlich wird sie genau deswegen unterm Teppich gehalten. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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