7
]
Ich geb, wenn's recht ist, dem Gedanken von heute früh ein wenig Raum, sich zu entfalten. Überwachen.
Lesen ist ähnlich. Manche reden davon, dass ein Computer lesen könne bzw. dass ein Text eingelesen wird. Wolln wir mal sehen. Jemand, der ein Buch liest, identifiziert den Verlauf der schwarzen Linien mit einer gewissen Automatik; das ist unterstes Level, diese Abläufe nimmt er gar nicht bewußt zur Kenntnis. Das Lesen im eigentlichen Sinne ist Nachempfinden des Inhalts, Abwägen der Bedeutung, einfühlendes Wahrnehmen usw. usf. Dass ein Computer lesen könnte - absurd. Oder dass ein Gerät einen Text einläse - aufgeblasene Wortakrobatik.
Den Gedanken weiterführend fällt auf, dass es generell schwerfällt, Worte zu finden, die die Tätigkeit von Maschinen bezeichnen. Mal sehen. Mein Herd? Der wird eingeschaltet, dann - es geschieht etwas mit ihm - wird er heiß. Er erhitzt sich? Nein, falsch. Die Platte wird eingeschaltet, damit sie heiß wird. Was tut sie? Sie tut gar nichts, oder?
Mein Auto. Es fährt? Nein, das Auto kann nicht fahren, sondern ich fahre das Auto, ich fahre bei Grün über die Kreuzung. Die Karre fährt nicht mehr, klage ich in der Werkstatt und personifiziere schon. Will aber sagen: Der Wagen lässt sich nicht mehr fahren, er springt nicht mehr an.
Und - springt nicht an - wir benutzen Metaphern. Hilfsweise. Warum? Weil die Sprache originär über keine Wörter verfügt, die Tätigkeit von Maschinen zu beschreiben?
Hm. Ist das so? Spuck endlich die Zigaretten aus, du blöder Automat!! Wieder personifiziert plus Metapher. Diese komplexe Automatik produziert 946 Nivea-Einheiten pro Stunde. Nein, produziert ist falsch. Sie produziert nicht, sie ist selbst ein Produkt: Mit dieser komplexen Automatik produzieren wir ...
Ist es richtig zu sagen, sie mischt die angelieferten Komponenten und füllt sie vollautomatisch ab in Dosen? Hm. Also doch? Ich lese auch hier wieder eine Personifizierung. Die Maschine kann nicht abfüllen. Sie ist auf eine bestimmte Menge justiert, dann wird eine Sperre geöffnet und die entsprechende Menge wird abgegeben.
Die Sprache gibt keine Wörter an die Hand, um die Tätigkeit von Maschinen zu beschreiben. Ich finde die These vielversprechend. Aber ist erstmal genug.
|
|
Wir haben für die Tätigkeit von Maschinen ein Wort, nämlich "funktionieren". Ist allerdings auch aktiv. Ich glaube, es ist eher so, dass wir mit Maschinen als solchen einfach nicht wirklich umgehen können.
;-) |
|
|
Das ist ein interessantes Problem. Linguisten haben viellicht schon eine Antwort darauf. Da müsste man sich da auskennen.
Vielleicht ist die Alltagssprache ja in erster Linie, anders als rationale Fachsprachen, eher blumig, sinnlich, animistisch auch? Da steht man also vor so einer Marmeladengläserbefüllundzudeckelmaschine, sieht weit und breit keinen Menschen, die Maschine aber doch, ja, was, na klar doch, Marmelade in Gläser füllen! :) |
|
|
Die Sprache denkt das gewusste mit. Also man sagt nicht: Die Kamera, die von X installiert wurde, um mich zu überwachen, nimmt Bilder von mir auf und sendet sie zu dem, der micht überwacht. Kurz und ergreifend: Die Überwachungskamera ... . Somit Redundanzverminderung und dadurch Erleichterung der Kommunikation. Wenn ich das hinter der Kamera stehende soziale Phänomen eingehen will, muss ich diese Betrachtungsweise oder -ebene direkt ansprechen. Ich rede ja dann auch nicht mehr über die kamera sondern über Überwachung.
|
|
|
Stimmt, Zeitleser. Diese (bequeme plus sinnvolle) Verkürzung verschleiert oft den eigentlichen Sachverhalt, dessen wir uns erst wieder bewusst werden müssen. Das ist manchmal ein Problem.
Ein Dankeschön auch an all die anderen Nachtschwärmer. |
|
|
Hat zwar überhaupt nichts mit Maschinen als Erfüllungsgehilfe zu tun, sondern nur mit Menschen, aber dann doch wieder mit Sprache: Difficult words to translate www.altalang.com/beyond-words/2008/10/12/ten-most-difficult-words-to-translate/
|
|
|
Hmmm..
Die Grammatik ist doof. Grammatikalisch kann man jedes Objekt als aktives Subjekt behandeln. (Ich koche Kaffe. Kaffee kocht mich./i>) Das ergibt zwar keinen Sinn, ist aber grammatikalisch immer möglich. Der Schwachsinn liegt im Detail. Wenn ich "Kaffe koche" (Präsens), bezieht sich der Ausdruck "Kaffee" sogar auf ein Produkt (Objekt), das noch gar nicht "fertig" ist. Er läuft ja noch, der Kaffee :o) So gesehen können sogar Objekte zu grammatikalisch handelnden Subjekten gemacht werden, die nicht einmal fundamental-theoretisch in der Lage wäre, irgendetwas zu tun. Von wegen "..und sie bewegt sich doch!!". Alles Quatsch. Sie wird bewegt, die Erde. Aber von wem oder was? An dieser Stelle wird's mir zu transzendet. Herr Katzer sagt tschüss. Tschüss sagt Herr Katzer. (Tschüss kann seine Klappe nicht halten) :o) |
|
|
Eins ist aber wahr: Hinter jedem Satz steht entweder ein guter oder ein böser Wille. Insofern ist Sprache Wille. Berühmtes Beispiel:
Tochter sagt: Papa, meine Freundin hat ein neues Rad bekommen. Papa sagt, das freut mich für deine Freundin. Tochter weint, denn sie wollte eigentlich mitteilen, dass sie auch ein neues Fahrrad haben will und ist jetzt sehr verbittert über die (geheuchelte?) Begriffsstutzigkeit ihres Papas. Somit jeder Satz ist auf seine Motivation zu bewerten, weniger auf den Inhalt. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen