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Bei sowas kenn ich mich nicht aus. Woher auch. Klingt eh schwer nach Verschwörungstheorie. Keine Ahnung, wo er das her hat. Angelesen, was sonst. Ich mein, ich entscheide, ob ich ins Kino gehe, oder, ich selbst.
Na sicher: Wenn du da erst sitzt, denkst du an gar nichts, du bist ganz im Film. Da hat er recht. Deswegen gehst du ins Kino. Nur sobald der Film schwerfällig wird, dich anödet, denkst du an was; das kommt vor. Normal bist du wie gefesselt, ich denk da an Stig Larsson, neulich, drei Teile, du stehst völlig im Bann des Geschehens. Auch Surely someday, nur der wieder anders.
Daß du nicht mehr bei dir selbst wärst? Ich finde, das, nicht wahr, geht ein bißchen zu weit. Der Film, sagt er, wirft sich zum Herrn auf über deine Gefühlswelt. Du erinnerst dich kaum, daß du im Kinosessel sitzt, während deine Seele da vorn auf der Leinwand durch alle Welten zwischen Himmel und Hölle gehetzt wird. Du bist willenlos, sagt er, abgeschaltet, ohne Einfluß auf deine Gefühle, sagt er, deine Seele wird von andren Mächten regiert, du hast sie ihnen ausgeliefert, bedingungslos. Du müßtest dich losreißen, aufstehn und gehn. Wer tut das schon. Eben gerade nicht, oder?
Mein Bruder ist gesprächig, er plaudert gern und voller Leidenschaft, ich bin ein höflicher Mensch.
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Zweimal gelesen.
Dann wusste ich es. Das geht auch mit Büchern, dass nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern man selbst aufgesogen wird, so als wäre es Löschpapier und man selbst die Tinte, die da zwischen den Buchdeckeln förmlich veschwindet, bis man Teil der Geschichte ist, nicht mehr liest, sondern selbst die Geschichte ist, nicht nur bloß ein Teil davon. |
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Das Buch, so geht's mir, leg ich leichter zur Seite, und wenn's nur darum geht, eben mal Tee aufzubrühen.
Der Film greift nach dir, der lässt dich nicht los, der packt dich, der knetet und presst die Seele, und anschließend brauchst du, vorausgesetzt der Film war gut, eine halbe Stunde, um wieder davon loszukommen. Rausch und Ekstase. Neuerdings seh mir einen Film auch gern zu Hause an, da drück ich mittendrin den Knopf und geh mir Tee aufbrühen, bevor ich wieder einsteige. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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