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Hallo,
das ist ein interessantes Thema - und genau Problem und Risiko des Netzes. Wenn es so läuft wie Sie sagen, sehe ich schwarz für den neuen Journalismus im Netz und auch für die neuen, unabhängigen Plattformen (wie zB unsere). Wir müssen auf Dauer die Bindekraft ausstrahlen, Leute bei uns zu halten, auch über einen unliebsamen Kommentar hinaus ... Wenn jeder sogleich wieder abspringt, nur mal kurz vorbeiguckt, dann zur nächsten Adresse pilgert und keine Bindung ensteht, keine Heimat, dann bleibt das Netz dem Papier immer unterlegen. Ich bin ganz zuversichtlich, dass man das schaffen kann. Ich glaube, die Communities werden kleiner sein als im herkömmlichen Printjournalismus. Aber ich glaube, sie können absolut lebensfähig und dauerhaft sein. Um es klar zu sagen: Wer nach einem einzigen Text einer Zeitung, einem InternetPortal - egal - den Rücken kehrt, war nie wirklich auf der Suche nach einer neuen publizistischen Heimat. Sondern wollte nur mal vorbeischauen und durch lautes Türenschlagen beim Rausgehen auf sich aufmerksam machen. Das ist auch OK. Aber wir haben hier etwas anderes vor und wenden uns an andere Leute. |
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Ich habe mir Sascha Lobos Kommentar durchgelesen: ----"Aber wo ist das linke, parteiunabhängige Medium, auf das wir warten, die wir Toleranz brauchen, die Freiheit lieben, die Marktwirtschaft akzeptieren, die Veränderungen der Welt bemerkt haben, die Gesellschaft nicht revolutionieren, sondern weiterentwickeln wollen und die Individualität als Wert erkennen, ohne die hohe soziale Verantwortung zu vernachlässigen?"---- Ich finde es seltsam, dass jemand, der ein so enggeführtes Anforderungsprofil formuliert, sich seinerseits über "Einseitigkeit" beschwert. Inhaltlich ist das zitierte "Profil" liberal, das Gehetze gegen Lutz Herden (und Chávez) ist nicht liberal. Zudem stört mich, dass die "Akzeptanz" der Marktwirtschaft hier quasi als linkes Essential gefordert wird, währen z.B. von "sozial" nichts da steht. Aus meiner Sicht ist das, gerade jetzt, sogar vollkommen anachronistisch. Zudem ist Lobo, wie man kürzlich (in der taz, glaube ich) lesen konnte, offenbar sowas wie ein Berater des Friedrichshain-Kreuzberger SPD-Bundestagskanditaten Björn Böhning in Sachen Twitter und Netz gegen Ströbele. Wer so tief in Parteipolitik badet, sollte auch vorsichtig sein mit Polemik gege Parteilichkeiten ... Ich hoffe und bin mir zugleich sicher, dass sich der Freitag von einer letztlich so billigen Kill-PR nicht beeinflussen lassen wird. Und das ist auch gut so.
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Ausgabe 07/12
16.02.2012
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