Gestern beim JourFix der BUCH Wien, dem (kleinen) Pendant der Leipziger Buchmesse in der Hauptstadt Kakaniens, die im November stattfinden wird. Man erzählt sich, dass renommmierte Autoren für eine Lesung Flug- und Hotelkosten, höhere Beteiligung beim Buchverkauf nach der Lesung und schlappe € 1.800,- forderten.
Was sagt uns das?
Mit dem Geld könnte Klara is.gd/4u0Nq schon eine ordentliche Anzahl an Eiskugeln verschenken. Oder ein brotloser Dichter zwei Monate gut leben. Ich befürchte, unsereins hat zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel (so sagt man in Wien).
Bei diesem JourFix wurde es mir wieder schlagartig vor Augen geführt, wie "familiär" die Buchbranche in Österreich (Wien) ist. Man kennt sich. Fremde "Gäste" werden argwöhnisch beäugt. Da hilft es auch nicht viel, wenn man einstreut, auf der Frankfurter Buchmesse gewesen zu sein. Oder vom Suhrkamp-Verlag mit zwei Büchern beschenkt worden zu sein (und so nebenbei fallen lässt: "weil ich da jemanden kenne"). Wer seine Bücher selber produziert, der hat eine Form schwerer Krätze und muss gemieden werden. Derweil sollten die Herren und Frauen Verleger froh sein, dass ich mein eigenes Süppchen koche, womit ich ihnen nichts vom Verlagsförderungs-Kuchen wegnehme (Ja, in Österreich gibt es eine staatliche Verlagsförderung!).
Als ich mich an jenen Tisch setzte, an dem schon eine Dame alleine im Anzeiger blätterte, konnte ich nicht ahnen, dass mich diese nicht einmal ignorierte. Seltsam. Später fragte sie mich, warum ich mich denn zu ihr gesetzt hätte. Äh. Schon dachte ich, sie würde die Verlegerin des Hanser Verlages sein. Tatsächlich war es ein kleiner Burgenländischer Verlag (von dem ich ehrlicherweise noch nichts gehört habe). Um das Eis zu brechen, erzählte ich ihr, dass der Suhrkamp-Verlag nun auch Krimis im Programm hätte, woraus man ersehen könne, wie lukrativ dieses Genre geworden ist. Und dass ich bei der gestrigen Kriminacht gelesen hätte. Dann fragte ich sie, ob vielleicht einer ihrer Autoren mitgemacht hätte, bei der Kriminacht. Sie sieht mich über den Rand der Brille an: "Wir machen keine Krimis!"
Später unterhielt ich mich glänzend mit einem Verleger-Ehepaar aus der Provinz (man merkte es gleich). Auch sie kannten niemanden. Und keiner dürfte sich für sie interessieren. So läuft das. Also gut, ich laufe jetzt davon ...
Apropos davonlaufen: animierte Werbebanner töten jede Konzentration. Es steigert nur den Hass auf das Produkt, weil es einem dauernd vor die Augen geknallt wird. An und für sich hätte ich ja AdBlock installiert, aber dummerweise habe ich auf der Freitag-Seite eine Einstellung getroffen, die alles kaputt macht, wenn der Werbebanner-Blocker aktiviert ist. Somit muss ich nun all die bewegenden Bilder über mich ergehen lassen, während ich diese Zeilen hier schreibe. Dieser kickende Ball lässt meinen Adrenalinspiegel ganz schön steigen. Die Trikots sind ja recht hübsch, zugegeben, aber dieser BAAAAAALLLLL ...
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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