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Heute erhielt ich einen kleinen Umschlag, der etwas zu voluminös wirkte, um nur eine der üblichen Weihnachtskarten zu enthalten. So war meine Verblüffung auch erst einmal gar nicht so groß, als mir ein kleines, schwarzes Säckchen entgegenfiel - natürlich nebst der obligatorischen Weihnachtskarte.
Wirklich überrascht - und das meine ich jetzt absolut nicht positiv (!) - war ich dann allerdings vom Inhalt des Säckchen, das ein Paar Manschettenknöpfe enthielt ... mit rot-weiß-rotem Dekor. Absender: die Österreichische Weinwerbung.

Nun habe ich in den letzten 20 Jahren wirklich nur selten etwas Negatives über das Wiener Weinmarketing schreiben müssen, und insgesamt bin ich der Meinung, dass deren Arbeit so perfekt ist, dass sich eigentlich alle Weinwerbungen dieser Welt eine Scheibe daran abschneiden könnten.
Aber dieses "Weihnachtsgeschenk" war jetzt wirklich zuviel des Guten. Glaubt man in Wien wirklich, ich würde mich mit rot-weiß-roten Manschettenknöpfen in der Öffentlichkeit zeigen? Das würde ich, unter uns gesagt, vielleicht mit Ausnahme von Fußball-Weltmeisterschaftsmonaten, nicht mal mit schwarz-rot-goldenen. Und dann die Fragen, ob ich denn jetzt ein verkappter, extraterritorialer Haider-Fan geworden sei, mit leuchtenden Augen beantworten: Nein, diese Manschettenknöpfe hätten mir doch nur meine lieben Freunde von der ÖWM geschenkt.
Was sollen diese merkwürdigen Weihnachtsgeschenke - früher war es meist eine Sachertorte, die dann im üblichen Berg von Keksen, Dominosteinen und Zimtkipferln verschwand und zu heftiger Mehrbelastung unserer Personenwaagen führte - denn überhaupt? Glaubt jemand wirklich, wir Weinjournalisten wären ihm und den Produkten, die er vertritt, besonders wohl gesonnen, wenn er uns Manschettenknöpfe, Sachertorten oder Weinflaschen schickt?
Liebe Freunde in den Marketingabteilungen der Welt. Falls Ihr es noch nicht gemerkt habt: Wir sind Euch dann besonders wohlgesonnen, wenn Ihr eine besonders gute, besonders professionelle Arbeit macht, uns als Ansprechpartner zur Verfügung steht, und uns dabei helft, unsere Arbeit zu machen. Aber bestimmt nicht, wenn Ihr uns mit dubiosen Geschenken zumüllt, bei denen wir dann nur die Qual der Wahl haben, ob wir sie dem Postboten oder dem Mülleimer schenken.
Ich betrachte diese Geschenke schon seit langem als ausdrückliche und explizite Beleidigung meiner Person und meiner Professionalität und bitte Euch nur um Eines: Hört endlich auf mit dem Schmarrn!
Nachtrag: Viele Firmen haben diese Weihnachstgeschenke auch schon seit langem abgeschafft und spenden lieber einen Betrag für UNICEF o. Ä. Eine entsprechende Bemerkung auf der Weihnachtskarte macht sich sicher besser als ein Manschettenknopf.
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Lieber Herr Supp,
anhand der facsimilierten Unterschriften auf der Karte ist es mir möglich, ferndiagnostisch festzustellen, daß die Damen und Herren der Wien Marketing GmbH ihre eigenen Produkte wohl in ausreichenden Mengen genießen — was braucht's der Werbung also mehr? Nun sind ja Weinjournalisten in einer Branche unterwegs, die nicht eben für ihre Leibfeindlichkeit bekannt ist, wenn ich mir diese Bemerkung erlauben darf. Wie Sie etwa das zweiteilige Prädikat bis zum wirklich allerletzten Moment hinauszögern, merkt man gleich, daß hier der Connaisseur formuliert hat. Insofern böten sich statt der nun wirklich prosaischen Manschettenknöpfe tatsächlich körpernähere Werbemittel an, indes: wer verschickt in diesen unseren Tagen schon gerne zwei Kilo Heroin, eine Palette unversteuerte Zigarillos, ungarische Prostituierte oder ein paar wolhynische Leibeigene? Nicht auszudenken! Schon aus zollrechtlicher Perspektive ist die Sachertorte zweifelsohne vorzuziehen. Viele Grüße Josef Allensteyn-Puch |
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... obwohl, bei ihrer Liste möglicher Weihnachtsgeschenke könnte man dann doch wieder schwach werden :-))
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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