25.11.2011 | 15:24

(K)Eine einflussreiche Bewegung

Was verbindet das Bundesverfassungsgericht mit Bürgerkrieg in Deutschland?

Der Ausgangspunkt meiner Recherche war eindeutig. Gerade hatte ich gehört, dass der ehemalige Ministerpräsident des Saarlandes Peter Müller zum Richter am Bundesverfassungsgericht gewählt worden ist. Angesichts der Armut an juristischen Bekundungen des Mannes ein gutes Thema: Ob und inwieweit auch nach dem fait accompli der routinierte politische Machtmensch als geeignet wahrgenommen wird. Für ein Amt wohlgemerkt, das nicht kongenial sein dürfte. Deren Inhaber sollen über Grundsätzliches entscheiden, überwiegend in Richtung prinzipieller Schutz der Bevölkerung gegenüber dem Staat und seinen Funktionsträgern. Ein CDU/SPD-Thema um Proporz, bei dem die FDP ebenso routiniert nichts mehr zu melden hat.

Wikipedia hilf“, also, und dann natürlich die Standardsuchmaschinensuche nach Informationsfrischfleisch, das sich mundgerecht verhackstücken lässt. Bloggen eben. Der erste Link, den mir Google anbot, war um 12:40 Uhr die Berliner Morgenpost. Ich folge dem Link und traue meinen Augen nicht:

 

Unter der Überschrift „Peter Müller wird neuer Verfassungsrichter“ prangt der Suchmaschine eigenes Weberinsert in titelähnlicher Ornamentik „Bald Bürgerkrieg in BRD?“. Dazu zwei Links auf die Seiten des Kopp-Verlages, davon einer auf den tag, den sich der Verlag eigens zugelegt hat, eben den vom „buergerkrieg“, der damit in Bezug auf Deutschland nun auch in einer URL offizialisiert ist.

Der Kopp-Verlag ist mir nicht erst seit einer Lektüre bei esowatch bekannt. Eine seiner Autorinnen meinte, im Anschluss an die Tragödie der Duisburger Loveparade höhere, insbesondere jenseitige Mächte als Erklärung für Tod und Elend ins Feld führen zu können. Das hatte mich veranlasst, über „(christlichen) Fundamentalismus reloaded“ zu schreiben. Einer der Einwände auf den Text lautete: „Ich sehe in dieser Dame keine große Gefahr für unsere Demokratie, da sie keine einflussreiche Bewegung vertritt.“

Einiges von dem, was ein paar Klicks jetzt auf meinem Rechner bewirkt haben, beunruhigt mich dennoch ein wenig. Da ist zum einen die Tatsache, dass ich seit jenem Artikel über den schlecht aufgelegten Kopf-Verband dessen Seiten nicht mehr aufgesucht habe und auch die MoPo nicht zu meinen Standardlektüren gehört. Außerdem habe ich seitdem den Computer gewechselt und lösche nach jeder Sitzung die Temporary Internet Files.

Kann es sein, dass Google per psychologisierten Algorithmenratschlag meine bisherigen Präferenzen in ein uneingestandenes Sehnen nach dem rechten Weg umgedeutet hat? Und wie ist das Unternehmen trotz allem an meine Daten herangekommen, um ein derartiges Profil zu erstellen? Kann es ferner sein, dass Eva Hermann, das Gesicht der Kopp-Nachrichten und ihrem Ruf nach Predigt folgend, outgesourctes Kompetenzzentrum der Morgenpost geworden ist, Ulfkotte im Schlepp? Wäre es schließlich möglich, dass ein weltumspannender Suchdienst eigene Weisheit entwickelt hat, Bürgerkrieg und die Wahl zu den Hütern der Verfassung auf einer Seite prophetisch zu kombinieren? Ein Hal 9000 +1?

Nach einem Refresh der online-Seiten um 14:00 Uhr bin ich wieder beruhigt. Angeboten werden jetzt Focus und als Insert irgendwas mit „mehr als 5% Rendite“. Alles wieder im Lot, bekannt und bewährt. Sowas wie Einfluss oder Bewegung gibt es gar nicht. e2m

(Zuerst veröffentlicht bei die Ausrufer)

 
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