Peter A Bruns

Blog von Peter A Bruns

25.01.2012 | 08:10

Augstein kontra Baring bei N-tv

Arnulf Barings Petitessen bei N-tv, oder von großen und kleinen Gaunern.

Am 8. Mai In diesem Jahr, nullt Arnulf Baring, er wird dann 80 Jahre, und einen Tag später am 9.Mai nulle auch ich und werde, so Gott will, siebzig Jahre alt. Zwei alte Nullen? Nun, Genaueres weiß man nicht. Wobei ich die Gnade der späten Geburt für mich in Anspruch nehmen darf. Im Sinne Helmut Kohls.

Nicht daß ich auch für 7 Millionen mein Wort verpfändet hätte, denn dieser Versuchung war ich leider nie ausgesetzt. Aber ich war ja auch nie Bundeskanzler. Vielleicht kommt das noch, denn Adenauer wurde, obwohl schon 72, noch Präsident des parlamentarischen Rates und Bundeskanzler. Er war weder ein kleiner noch ein großer Gauner, aber ein Schlitzohr war er schon. Auch er hatte ja, noch in den zwanziger Jahren, einen Kredit „am laufen“, wie der Volksmund sagt.

Eine Seite des berühmten ehemaligen Kölner Oberbürgermeisters und späteren ersten Kanzlers der Bundesrepublik Konrad Adenauer ist geschichtlich zwar gesichert, wird jedoch in der Öffentlichkeit kaum beachtet: seine Schwäche für die persönliche Nutzung wirtschaftlicher Vorteile durch Ausnutzung seines Amtes. So erwarb er am 27. Januar 1923 neue Aktien der Rheinbraun AG, ohne den Gegenwert von 613.000 Mark bezahlen zu können. Die Stadtkasse half aus, erhielt ihr Geld von Adenauer 3 Monate später ohne Zinsen zurück. Ein Insidertip – damals noch nicht strafbar – verhalf dem spekulierenden Oberbürgermeister im Februar 1928 zu Aktien der Glanzstoff AG im Gegenwert von 2,8 Millionen Reichsmark, von denen er jedoch nur 1,8 Millionen aufbringen konnte. Adenauer – im Aufsichtsrat der Deutschen Bank – erhielt von dieser die fehlende Million als Kredit. Durch den Börsencrash in New York stürzten die Glanzstoff-Kurse von 99 auf 25 US-Dollar ab, sodass ein Freund ihm „leihweise“ mit der Kreditrückzahlung aushalf. (wie sich doch die Bilder gleichen?) Es kam aber nie zur Rückgabe, weil der „Jurist Adenauer“ der Auffassung war, dass er bei dieser Leihe nichts „zurückzugeben brauchte“. (Schön das es Wikipedia gibt)

Eine Petitesse? Ja sicher, für Adenauer schon. So gesehen, ist unser Bundespräsident mit seiner halben Million Euro Kredit, in bester Gesellschaft. Als ganz junger Mann habe ich auch mal, zu Besuch bei Leuten, in einer prekären Situation ein paar Mark stibitzt, und hinterher habe ich Zinsen zahlen müssen in Form eines schlechten Gewissens, daß ich nie wieder solche kleinen Gaunereien begangen habe.

Wenn ich mich heute frage: ob ich lieber einen großen oder einen kleinen Gauner zu Besuch habe, sage ich: keinen von beiden. Weil ich mich in Gegenwart eines kleinen Gauners, oder Filous, ebenso unwohl und unruhig fühle, wie in Gesellschaft eines großen.

Das hat seinen Grund. Denn ob großer oder kleiner Gauner ist mir gleich. Ich hatte schon Millionäre zu Besuch, die vom Wert her, kleine Dinge, Erinnerungsstücke von mir „haben mitgehen“ lassen, an denen ich sehr hing und die mit keinem Geld der Welt wieder zu beschaffen sind. Für die reichen Gauner aber sicher nur Petitessen waren.

So gesehen möchte ich den Bundespräsidenten bei mir nicht zu Besuch haben müssen. Na gut - für  „die da oben“ bin ich als „kleiner Mann“ ja auch nur eine Petitesse.

 
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Kommentare
h.yuren schrieb am 25.01.2012 um 11:35
auf die verhältnismäßigkeit kommt es an, sagt der eine und die andere. die verhältnisse, die sind so, wie du sie beschreibst. bescheiden, sagt man.
was der alte baring als petitessen bezeichnete in der causa wulff, sind natürlich keine. es ist die gaunerei der winkelzügler das negative herunterzuspielen auf die berüchtigte quantité négligeable, das bisschen positive aber aufzublasen zum heldenstück.
das duell auf n-tv hat mal wieder demonstriert, dass manche diskussion nichts bringen kann, weil die teilnehmer nichts zu bieten haben, was kompatibel wäre.
Peter A Bruns schrieb am 25.01.2012 um 12:20
Danke! Das stimmt, vonwegen kompatibel. Aber es ist manchmal auch "wunderbar" entlarvend, wie an Baring zu sehen. Sein Positivum war, sich noch in seinem Alter wild empören zu können. Obwohl mir Jakob Augstein natürlich viel besser gefällt!!! Wenn ich das sagen darf. Ich darf - denn Immerhin habe ich einst in den Siebzigern für seinen Vater im damaligen neuen SPIEGEL-Gebäude in Hamburg, die Stühle bezogen. Er machte Späße mit mir, gab mir "armen" Handwerker, wenn ich ihn traf, aber damals verständnisvoll lächelnd mehrmals 20 DM Trinkgeld - ach so ja - Pardon - eine Petitesse ich weiß! Ich grüße Sie ganz aufgeräumt...
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