Ich sage hier: ICH, denn ich heiße nicht Wulff. Ich habe mich an meine individuelle, osmologische Duftarbeit gemacht. Über die Nase nehmen wir sie zuerst wahr, keiner kann sich den Gerüchen dieser Welt entziehen. Daher sagen wir ja auch: „Den, oder die, kann ich nicht riechen.
Unbeirrbare Bürgerinnen und Bürger und einige Medien halten an Christian Wulff trotzig und treu, fest. Und sie meinen damit auch den Bundespräsidenten Wulff. Ich hatte diesen Stallgeruch lange nicht in der Nase und wohl zeitweise meinen Geruchssinn verloren. Doch jetzt rieche ich es auch, wie es weitergehen wird mit uns und Wulff unserem "merkelwürdigen" Präsidenten.
Christian Wulff will und wird bleiben, und wir werden uns nicht dafür schämen. Schon gar nicht fremd. Ich finde, wir alle machen einfach so weiter. So wie wir ihn bis jetzt kennengelernt haben in seinem persönlichen „Stahlgewitter“, oder englisch gesagt „Shit hit the Fan“.
Wulff sagt er tritt nicht ab, egal, wie viel diabolisches Mailboxengepöbel und Geerkensbeziehungen noch aus seiner Vergangenheit auftauchen werden. Das kann aber unserer Gesellschaft auch guttun, weil es die demokratische Spreu vom Weizen trennt. Wir werden uns wohl auf mindestens dreieinhalb quälend Jahre einstellen müssen, in denen Wulff und sein "Popanz-Ich" immer nur „man“ sagen wird.
Es wird also noch viel Wasser die Spree hinunter fließen, bevor seine Amtszeit rum ist und wer weiß – vielleicht schließt sich eine zweite an? Davor sollten wir nicht erschrecken, sondern beginnen, das Positive im Wesen von Wulff zu suchen. Also die Stecknadel in „Wulffs Haufen“. Ich will es mal so sagen: Christian hat uns geweckt, denn Staatsoberhäupter strahlen ja oft eine moralische Autorität und Unbeirrbarkeit aus, die auf uns einschläfernd wirkt, weil sie uns vergessen macht, dass es „auch nur Menschen“ sind.
Wulff gibt uns sein schlechtes Vorbild, und wir sind schlagartig alle besser, denn keiner will mehr so sein wie er und nur wulffen. So könnten wir Deutschen im Umkehrschluss vorbildlich werden. Keine kleinen Bestechungen mehr annehmen, stattdessen sagen wir cool: „Ach, lassen Sie's stecken, ich will hier nicht den Wulff machen! Ich zahl' lieber den vollen Preis!“ Ein negativ geprägtes Staatsoberhaupt könnte also uns Staatsbürger positiv verwandeln.
Gemeint ist dies: Erst das betäubte Misstrauen der anderen, macht ihn zum Präsidenten. Millionen schauten gebannt auf das Bellevue, nur um zu hören: „Man kann ja mal ins Straucheln kommen, man“ muss nur wieder aufstehen“. Er meinte: „Es komme darauf an, wie „man“ am Ende seiner Amtszeit über ihn urteilen werde“. Ach ja? - und bis dahin möchte „man“ seine Ruhe haben? Das wird „man“. Nur anders als „man“ denkt!
Fein, dann stelle „ich“ mir zukünftig vor, was der BP mutmaßlich täte, und tu das Gegenteil. So kann „man“ zum Moralapostel werden. Leute hier im Forum - ab heute macht „man“ mit. Jeder baue sich den Wulff, der zu ihm paßt.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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