eileen splitt

Blog von eileen splitt

28.01.2011 | 17:43

Nkosi sikelel' iMandela

Großes Aufsehen erregten die Meldungen Mitte der Woche über Nelson Mandelas wohl sehr ernsten Gesundheitszustand, ja, Verwandte hätten weinend das Krankenbett verlassen. Nun gab es Entwarnung: Südafrikas Ex-Präsident habe nur ein paar Routine-Untersuchungen aufgrund einer Atemwegserkrankung im Johannesburger Milpark Krankenhaus über sich ergehen lassen müssen. Mandelas Enkelin Ndileka Mandela sagte der südafrikanischen Tageszeitung Beeld heute: „Ich darf zwar nichts sagen, aber es ist alles in Ordnung“.

Auch der Ex-Erzbischof von Kapstadt, Desmond Tutu beruhigte: „Ich habe ihn vergangene Woche gesehen, und er war völlig in Ordnung“, allerdings sei ein 92-Jähriger „natürlich gebrechlich“. Wenn es um Madiba geht, wie er von der südafrikanischen Bevölkerung nur genannt wird, nimmt ein ganzes Land Anteil und leidet mit. Mit seiner Person verbinden die Südafrikaner den finstersten Teil ihrer Geschichte und zugleich ihren größten Erfolg. Nelson Mandela ist für sie und viele in der Welt Friedensnobelpreisträger und Freiheitskämpfer und nicht nur Vater von sechs Kindern und Großvater von 21 Enkelkindern, sondern Vater einen ganzen Nation, von 49 Millionen Südafrikanern, die er von der Apartheid befreit und miteinander versöhnt hat.

Während seiner Studienzeit kam der junge Mandela mit dem ANC (African National Congress) in Kontakt und begann 1948 seinen „Long Walk to Freedom“. Dieser Weg war lang, sehr lang. Er endete erst 46 Jahre später, als Nelson Rolihlahla Mandela zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt wurde. Er verschrieb sein Leben dem Kampf für Freiheit und Gleichberechtigung, gegen die menschenverachtende Rassentrennungspolitik der Afrikaner, die Apartheid.

Zunächst war es ein unbewaffneter Widerstand, den er führte, nach dem Vorbild Mahatma Gandhis. Als jedoch immer mehr Gewalt vom Staat aus ging und die Protestbewegungen ins Leere führten, entschied sich der ANC für den bewaffneten Widerstand. Schließlich wurde der Xhosa-stämmige Mandela erst des Hochverrats belangt und kurze Zeit später wegen Sabotage zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Er verbrachte insgesamt 27 Jahre im Gefängnis, 18 Jahre davon auf der berüchtigten Gefängnisinsel Robben Island in einer 4 Quadratmeter großen Zelle in der Sektion B, dem Hochsicherheitstrakt. Er wurde der 466. Gefangene und 1964 inhaftiert, daher trug er die Gefängnisnummer 46664.

Erniedrigungen und Ungerechtigkeiten standen für die durchweg politischen Gefangenen auf der Tagesordnung. Schwarze Gefangene bekamen schlechtere Verpflegung, mussten den Winter in kurzen Hosen und ohne Unterwäsche überstehen und Zwangsarbeit verrichten. Die Arbeit im Steinruch an hellem Kalkstein und unter der glühenden Sonne schädigten auch Mandelas Augen irreparabel. Knapp zwei Jahrzehnte später besprach er noch im Gefängnis mit Frederik Willem de Klerk, der 1989 Präsident Südafrikas wurde, die politische Zukunft des Landes. De Klerk war es, der schließlich am 11. Februar 1990 Mandelas Freilassung veranlasste, unter anderem auch aufgrund starken internationalen Drucks.

Die Faust als Zeichen des Triumphs nach oben gestreckt, verließ Manela schließlich nicht als gebrochener, sondern als glücklicher, stärkerer Mann das Gefängnis. Der Hoffnungsträger einer Protestbewegung, eines ganzen Landes, führte und besiegelte damit nicht nur seine eigene, sondern die Freiheit eines ganzen Landes. Nur ihm hat es Südafrika zu verdanken, dass ein auflodernder Bürgerkrieg abgewendet werden konnte. Von 1994 bis 1999 wurde er der erste schwarze Präsident und gab Südafrika als Vater alles, was das neugeborene Land brauchte: Liebe, Stärke, Mut und Hoffnung.

Mag sein: Die nach ihm kamen, haben seinen Mythos genutzt, ausgenutzt, auch um den ANC, um die Politik zu korrumpieren, sie schaden damit dem Land. Mag sein: Mandela hat zu wenig getan, das zu verhindern. Ob er es verhindern könnte? Ihm seine eigene Mythologisierung vorzuwerfen, wäre ungerecht. Er ist Inspiration, Vorbild und eine lebende Legende. Das Land am Kap der guten Hoffnung würde mit Nelson Mandela seine größte Stütze verlieren. Die Welt einen Helden.

 

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
Nietzsche 2011 schrieb am 28.01.2011 um 20:07
Es gibt nur wenig Menschen in unserer Zeit, die meine uneingeschränkte Hochachtung genießen - Nelson Mandela gehört dazu. Wie erbärmlich wirken doch im Vergleich mit ihm hochgejubelte "Superstars" und andere vergängliche Größen.
koslowski schrieb am 28.01.2011 um 20:59
"Von 1994 bis 1999 wurde er der erste schwarze Präsident und gab Südafrika als Vater alles, was das neugeborene Land brauchte: Liebe, Stärke, Mut und Hoffnung." - Na gut. Aber ist das nicht doch ein wenig zu viel an Heiligenverehrung?
Willkommen in der Community!
Magda schrieb am 28.01.2011 um 21:26
Eine ganz starke Persönlichkeit - Nelson Mandela.
luggi schrieb am 28.01.2011 um 22:43
Ähm, hätte Mandela in Gemany West Asyl erhalten? Als Mitglied des ANC? Und beteiligen sich deutsche Unternehmen an der Wiedergutmachung durch von ihnen verursachte Menschenrechtsverletzungen? Waren die geklopften Steine von Mandela und Co. vielleicht Ramschware bei OBI, hagebau and so on? Noch mehr Fragen? sry, ich wollt' nicht so aufdringlich wirken; war mehr als ... naja... Hinweis gedacht, sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Zu meiner Beunruhigung muss ich schreiben, dass ich außer Protestkartenscheiben (mehrmals) nichts weiter tun konnte. Außer vielleicht Mitgliedern des "Umkhonto we sizwe" etwas über Militärpolitik beizubringen (theoretisch).

Mandela ist Teil des Rückgrats der fortschrittlichen Welt. Und er wird es bleiben. (das ist keine Perle sondern Wahrheit und Hoffnung)
Tedfell schrieb am 29.01.2011 um 12:41
Der Beitrag klingt ein wenig wie ein Nachruf. Noch zu frueh, oder nicht? Nelson R. Mandela ist eine der ganz grossen Persoenlichkeiten des 20. Jahrhunderts, zweifelsohne. Er ist sich und seiner Sache treu geblieben, hat sich nicht brechen lassen, trotz alledem. Ein Heiliger ist er nicht, auch wenn ihn manche gern aufs Podest stellen und damit unerreichbar machen moechten. Nein, er ist ein Mann, den man anfassen und (be)ruehren kann. Gerade das macht ihn, Madiba, so liebenswuerdig.

@luggi
In Germany West haette Mandela kein Asyl bekommen. Er galt dort als Terrorist, weil der ANC in der NATO als Terror-Organisation eingestuft wurde, so wie die SWAPO, die PLO, der 'Vietcong'... Das wird heute allzu gerne verdraengt...
Vergessen auch, dass der ANC in den 60er Jahren erst in den westlichen Demokratien - England, USA - um Hilfe bat fuer seinen Kampf gegen den Apartheidterror und stets vor verschlossenen Tueren stand. Die weissen Rassisten in Pretoria waren der NATO mehr Wert als schwarze Demokraten, weil erstere die suedliche Hemisphaere fuer den Nordatlantik-Pakt absicherten. Dafuer wurde Pretoria hochgeruestet bis hin zur Atombombe. Parallelen zum Nahen Osten - Saudi-Arabien, Israel? Honi soi qui mal y pense....
eileen splitt schrieb am 30.01.2011 um 17:51
Also ich finde, es muss nicht immer erst jemand sterben bevor man die Person und ihre Errungenschaften mal erwähnt. Als "Heiligenverehrung" würde ich es aber absolut nicht bezeichnen, aber als Inspiration. Und bei einem Menschen wie Nelson Mandela zu sagen, naja war ja auch nicht alles richtig was er gemacht hat, dass halte ich für unangemessen und ein Zeichen dafür, dass sich derjenige wohl nicht ausreichend mit ihm beschäftigt hat...
eileen splitt
Praktikantin
Mitglied seit:
1 Jahr 18 Wochen
Zuletzt aktiv:
30.01.2011
Status:
Bloggerin
Aktivität:
Beiträge: 1
Kommentare: 1
Logbuch
19:20
Rosa Sconto hat gerade einen Kommentar geschrieben.
19:13
tlacuache hat gerade einen Kommentar geschrieben.
19:09
musica hat gerade einen Kommentar geschrieben.
19:05
Morayma hat gerade einen Kommentar geschrieben.
19:02
bertamberg hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG