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Es ist interessant, was die gesellschaftliche „Schicht“ (darf man das so sagen?) in Deutschland denkt, über die am wenigsten berichtet wird: Angestellte oder Beamte mit mittlerem Einkommen, der „wahre Mittelständler“, wie manche glauben, diejenigen, die nicht studiert haben, die, die sich nicht über die Anhebung des Beitragsbemessungssatzes der gesetzlichen Rentenversicherung monieren, diejenigen, die stündlich die Weltnachrichten in Form von Überschriften aus dem Internet einatmen, diejenigen, die ständig diskutieren, diejenigen, die sich politisch meist nicht vertreten sehen.
Es ist interessant, wie sich der Glaube an die Lüge und das Misstrauen gegenüber Politikern, ernannten „Weisen“, „Experten“ oder leider auch Reportern im „wahren“ Mittelstand verbreitet hat. Der Durchschnittsverdiener ist deshalb die breiteste Masse, weil er hohe und niedrige Einkommen kompensiert. Die breite Masse sollte in ihren Meinungen nicht unterschätzt werden, denn auch wenn ein einzelner von ihnen nicht genug Zeit hat, sich umfangreiches Wissen anzulesen, so kann er jedoch äußerst schnell Wissen verbreiten und anderes aufnehmen. Im Resultat entstehen verschiedene Bilder, die sich aus einer Vielzahl von Puzzleteilen und Fortsetzungsgeschichten geformt haben.
Eines dieser Bilder, welches mir (als Durchschnittsverdiener) besonders schlüssig erscheint, stelle ich nachstehend dar:
Libyen war der erste NATO Einsatz, der offensichtlich "out of aeria" war, ohne angriffen worden zu sein und ganz ohne der Zustimmung des Weltsicherheitsrats. Die NATO hatte völkerrechtlich keinen zu rechtfertigenden Grund militärisch das Land anzugreifen, denn scheinbar lag keine unmittelbare Bedrohung für Ressourcen oder für das eigene Territorium vor. Das Verteidigungsbündnis versucht nicht einmal einen Verteidigungsfall als Rechtfertigung darzulegen. Im Gegenteil, Berichte nach denen Fotos und Filmaufnahmen gestellt sind, werden nicht dementiert, sondern indirekt bestätigt, indem Fragenden nach manipulierten Darstellungen des Libyen-Krieges sogar das Gefühl vermittelt wurde, man sei naiv. Hat die NATO also einen Angriffskrieg geführt? Und wenn dem so war, wo war der Weltsicherheitsrat? Sollte eine spätere geschichtliche Betrachtung zu dem Ergebnis kommen, dass es ein Angriffskrieg der NATO war, so wird die Betrachtung auch zu dem Schluss kommen, dass der Weltsicherheitsrat bedeutungslos war. Die NATO legitimierte sich selbst und schloss sich so den amerikanischen Gepflogenheiten an. Abstimmungen sind nun nicht mehr erforderlich, allenfalls unter den Partnern.
Und die europäische Bevölkerung? Sie hat geklatscht und gejubelt, nur der rechte Arm war noch zu schwer. Warum?
Nun, die meisten von ihnen, von uns allen, bekleiden sich normal bis fein, sind mehr oder minder gebildet, gehen ihren minderen oder höher stehenden Jobs nach, leben in einer sauberen und geordneten Welt und bejammern ihren Luxus. Ihr schlechtes Gewissen lässt sie keinen Krieg erkennen, den sie alle zu verantworten haben, sie, jeder persönlich! Denn ihr Kapital lässt ihre Führer erst mächtig werden, vom Volk gelenkte Führer, ohne die geringste Chance auf echte Unabhängigkeit. Folgen die Führer nicht ihren "Stimmen", waren sie die längste Zeit "Führer", folgen sie nicht dem Geld, ertrinken sie mit einem schmähenden Nachwort in den Geschichtsbüchern. Folgen sie nicht stärkeren Führern, die ihnen die Hand reichen, drohen sie vernichtet zu werden.
Einerseits verlangt das Volk Frieden, saubere Umwelt und finanzielle Sicherheit. Die finanzielle Sicherheit verlangt jedoch andererseits Rohstoffe bereitzustellen, um jeden Preis. Natürlich dürfen dabei die Partner nicht außer Acht bleiben, die übermächtig sind, weil sie über eine gigantische Militärapparatur herrschen und u. a. dadurch sehr durstig nach Rohstoffen sind, wie die USA. Gleichzeitig ist die deutsche Bevölkerung mit diesem Partner eng verwoben, weil der Gigant wie ein überdimensionaler Staubsauger Waren von seinen Partnern einsaugt, importiert, von uns produziert. Da der Gigant all diese Waren nur schwerlich finanzieren kann, bietet er militärische Sicherheit. Droht der Gigant zu verdursten, reißt dies auch die europäischen „Parasitenstaaten“ in den Abgrund. Die USA sind durchaus in vielerlei Hinsicht vergleichbar mit dem späten Rom! Die Europäer sind Vasallen und Parasiten, die am Rockzipfel des amerikanischen Schicksals hängen. Gehen die USA unter, zunächst langsam und dann, vom Sog gezogen immer schneller sinkend, wie ein riesiges Schiff, hängen auch wir im Sog.
Libyen war ein Geschenk für die Europäer, da der "arabische Frühling" (Herbst" wäre angebrachter) gerade im Gang war und nun etliche arabische Führer ins Zwielicht gerieten. Zumindest diejenigen, die sich in den vergangenen 20 Jahren nicht aktiv in die "New World Order" eingebracht haben.
Da waren ...
- Mubarak, der sich einerseits bestechen ließ Israel zu beschützen, um dafür ein ansehnliches Waffenarsenal und regelmäßig Nahrungsmittel aus Europa und den USA zu erhalten. Doch hat er sich erdreistet, seine Partner um Milliarden zu erpressen und ließ zum Zeichen seiner Ernsthaftigkeit auch noch europäische Touristen massakrieren, so lautete der offizielle Vorwurf gegen Mubaraks ehemaligen Geheimdienstchef. Dies alles diente dazu, den Europäern ihre Angst vor vermeintlichen „Islamisten“ vor Augen zu halten. War das mehr als Erpressung? War dies bereits eine Drohung? Drohungen sind Todesurteile, zur rechten Zeit vollstreckt, wenn es gerade passt. Kann ein Partner loyal sein, der versucht, den "gerechten Handel" auszubeuten? Wurde er dadurch zur Bedrohung für Saudi-Arabien und Israel, die zwei ungleichen Brüder? Alleine der Zweifel rechtfertigt für uns die Mittel, die wir einsetzen.
- Ben Ali, der Unscheinbare! Fett, korrupt, gewalttätig, unterwürfig, dumm und egoistisch. Ein Mann mit einem scheinbar leichten Job, dennoch nicht glaubhaft in der Loyalität, weil eben korrupt. Der Mann war also gefährlich für die USA und Europa, weil Israel und Saudi-Arabien mit ihm einen weiteren unsicheren Partner hatten.
- Gaddafi, der einzige der Drei, der wirkliche Macht besaß. Er hatte Öl in beträchtlichem Maß und war Mitglied der OPEC. Er war der einzige der Drei, der sich nicht offensichtlich zu unserem Partner machen ließ. Darüber hinaus stand er bereits im Kalten Krieg nicht Eindeutig auf der Seite der Westmächte. Er war der einzige, der sich offen gegen die USA stellte, unserem Rom, unserem Kaiserreich, unserer zentralen Macht! Vermutlich war er der einzige der auf unserer Abschussliste stand! Gründe hat Gaddafi den „Westmächten“ scheinbar oft geboten.
Die Aufstände in Tunesien und Ägypten könnten durchaus gesteuert gewesen sein und dienten dann nur dem Zweck Libyen so unauffällig wie nur möglich anzugreifen. Es hat ja auch alles gepasst, zufälligerweise wurde Libyen von aufständischen Ländern umringt, wie in einer Zange ... . Das Ziel wäre in jedem Fall gewesen, das Öl zu sichern und möglichst schnell einen Verbündeten einzusetzen, der den USA und der NATO einiges schuldig ist. Man kann gespannt sein, wer nach Afghanistan und dem Irak nun in Libyen eingesetzt wird. Er wird von Haus aus bei weitem kein Menschenfreund sein!
Aber wozu dieser unermessliche Drang Israel und Saudi-Arabien um jeden Preis zu schützen? Nun, ich denke, die Antwort ist einfach und nicht religiös zu betrachten. Israel ist bedingungslos loyal den USA gegenüber, es stellt einen zentralen Platz mitten in Ölfeldern, der beliebig genutzt werden kann. Dafür erhält es, ganz im römischen Brauch, die größte Sicherheit. Die Erläuterung der Situation und Geschichte Israels erübrigt sich an dieser Stelle. Saudi-Arabien ist der mächtigste OPEC Partner und braucht einen Leibwächter, um sein Öl vor gierigen Nachbarn zu schützen. Im Gegenzug erhalten die USA Öl zum Vorzugspreis und Platz für militärische Präsenz.
Ich gehe davon aus, dass die vor zwanzig Jahren verkündete "New World Order" so gemeint war, dass die Rohstoffversorgung oberste Priorität hat. Ziel wird es sein, das iranische Öl unter Herrschaft der USA und der Europäer zu bringen. Das war möglicherweise schon immer das Ziel und alles im Nahen Osten spielt scheinbar seit Langem darauf ab. Der Irak sollte Plattform für die USA werden, damit diese über den kurzen Weg in den Iran vordringen können. Zusätzlich wurde Öl im Irak durch das Einsetzen Talabanis gesichert. Afghanistan sollte die Logistik und Rohstoffversorgung sichern, Israel sollte den Iran flankieren, Saudi-Arabien den Krieg finanzieren. Da darf es in solchen Zeiten keinen Ärger mit lästigen Partnern wie Mubarak und Ben Ali geben, die sich möglicherweise nicht genug in den großen kommenden Krieg einbringen. Gaddafi ist selbstredend, dieser war zu gefährlich in Zeiten, in denen unbedingt die Rohstoffversorgung funktionieren muss. Demnach müssen erst die eigenen Lager aufgeräumt werden und wenn alles gut aufgestellt ist, kann es losgehen zur Schlacht um die kommenden 100 Jahre, denn in dieser Zeit könnte vor allen für die USA das Öl gefährlich knapp werden.
Das Problem bei solchen Vorbereitungen sind auch die Märkte. Sie können überempfindlich auf aufkommende, langsam zu erahnende Veränderungen reagieren. Ein Krieg würde den Handel zunächst schwächen und Milliarden Euro und Dollar vernichten. Im Allgemeinen kann man sagen, dass Kursstürze oft den Verlust widerspiegeln, der entstehen wird. Man baut hier auf dünnem Eis, denn eines Tages werden die Kosten scheinbar ertragreicher Kriege einfach nicht mehr getragen werden können.
Der „arabische Frühling“ könnte sich tatsächlich zum „Herbst“ entwickeln. Denn anders als in einem Frühling sehen wir keiner Entspannung der „kalten“ Zeit entgegen, sondern so wie eben der „Herbst“ den Winter ankündigt, könnten wir in einer politischen Eiszeit landen. Wäre dieser pathetisch bejubelte „arabische Frühling“ die Vorbereitung auf einen Krieg zwischen den Westmächten und dem Iran, um endlich und endgültig die Vormachtstellung auf dieser Welt zu klären, dann würde dies gravierende Veränderung nach sich ziehen, wie auch immer diese aussehen werden.
Es ist eben nur ein Bild und wir wollen nicht hoffen, dass sich dieses, ebenso wie dass des 11. Septembers 2001, für immer in unser Gedächtnis einbrennt.
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>>Der arabische Herbst, der Iran und eine Bildbeschreibung<<
Ein langer Blogbeitrag. Er könnte viel kürzer sein. Weil es keinen arabischen Frühling gibt, sondern Scharia anstatt Demokratie! Gut, dass es dafür keinen Blutzoll deutscher Soldaten bei NATO-Beiträgen gab! |
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Wahrscheinlich sprichst Du von Libyen, in Afghanistan wurde "Blutzoll" bereits bezahlt, leider.
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schrieb am
08.11.2011 um 07:26
elbarto22 schrieb am 07.11.2011 um 23:52
>>..., in Afghanistan wurde "Blutzoll" bereits bezahlt, leider.<< Stimmt leider, sofern man Afghanistan mit zur "Arabellion" rechnen würde. Schließlich wollen die Taliban auch die Scharia und keine Demokratie. |
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schrieb am
09.11.2011 um 18:28
...vielleicht sollte man die Bewegung auch nicht "Arabellion", sondern "Panislamisierung" nennen.
Sie zöge sich dann von Pakistan üder den Iran, der Türkei und über Nordafrika bis nach Marokko. Überall das Gleiche: Demokratiefaselnde Westpolitiker, NATO-Einsätze, Öl-Geschangel aber nirgendwo eine Chance zur Demokratisierung! |
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Ein sehr gut, recherchierter Blog, der einem Angst und Bange macht.
Wenn ich nicht wüsste das er auf Tatsachen beruht, würde ich denken es ist eine Geschichte aus einem SiFi Film. Schade das es so wenig Kommentare gibt. Ich denke der Blog ist so gut geschrieben das er keine weiteren Kommentare von anderen Mitglieder benötigt. Da wirklich alles gesagt ist. |
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Ganz nett.
Aber die arabischen Jahreszeiten als gesteuert, am Ende gar vom Westen, zu bezeichnen ist nicht richtig. Der Westen hat ja Mubarak & Co gehalten, um Israel zu schützen und die Wirtschaftsbedingungen diktieren zu können. Das waren genuine Volksaufstände. Was da jetzt noch kommt ist nicht klar, auf keinen Fall Demokratie und Religionsfreiheit. Die alten Garden haben nur ihre Gallionsfiguren verloren, sind aber weiter an der Macht. Wahrscheinlich werden sie dem Volk eine höhere Religionsdosis zugestehen, dann sind sie wieder zufriedener, wenn Not & Elend dazu ein bischen gemildert werden. Die USA ist isreaelfreundlich, weil ziemlich viel Geld in jüdischer Hand dort ist. Israel sitzt zwar zwischen den Ölfeldern, hat selber aber keine und kompliziert die Lage nur. Ohne Israel täten sich die USA viel leichter. Ach ja, von wegen die Mittleständler hätten die finanzielle Macht, um die sich die Regierung kümmer muß: das ist allerdings ein Wunschtraum. Die Statistiken sollten bekannt sein: 7% der Bevölkerung besitzen 90% des Vermögens, und das sind die Unberührbaren, die spielen in ihrer eigenen Liga und die schaffen wirklich an, nicht die Politkasperl, die der Mittelstand wählen kann. Ansonsten flotte Statements, aber nicht sehr wesentlich. Aber wem es gefällt.... Gruss rdh |
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Danke für Deinen Kommentar!
Zu Mubarak: Kurz nach dem Ende des Aufstands in Ägypten ging in verschiedenen Medien die Meldung durch, dass der Geheimdienst Chef das Massaker an den (auch vielen deutschen) Touristen angeordnet haben soll. Er wollte damit Fundamentalisten aus dem Hut zaubern, um sie als Schreckgespenstden europüäischen Regierungen vorzuhalten. Anschließend forderte Mubarak sehr hohe finanzielle Unterstützung im "Kampf gegen den Terrorismus". Ich bezweifele, dass er es auf ein gutes "Miteinander auskommen" angelegt hatte. Vielmehr hat er sich offensichtlich überschätzt, wie man Jahre später, im März 2011, sehen konnte. Zu den "Mittelständlern": es soll wohl so sein, wie Du sagst, dennoch kompensiert die Masse die Extreme. Und diese Masse (also wir) wird (wohl aus den Gründen, die Du genannt hast) in der Politik kaum aktiv wahrgenommen. Dabei ist sie es, die Wahlergebnisse bestimmt, vorausgesetzt sie gehen alle brav wählen. Und es ist deren Wohlstand, der Politiker stürzen lassen kann, wenn dieser nicht mehr gesichert ist. Ein Dilemma für alle luxusverwöhnten Pazifisten, denn ihr Streben nach Bestand fordert unter Umständen hier und da auch Krieg (im schlimmsten Fall). Viele Grüße |
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Sorry, hab vergessen zu sagen von welchem Massaker ich hier eigentlich schreibe: dem Massaker 1997 in Luxor.
hier ein Link: www.berliner-zeitung.de/archiv/aegyptische-fundamentalisten-feuern-mit-maschinenpistolen-in-die-menge-mindestens-vier-deutsche-getoetet---schweizer-und-japaner-unter-den-opfern-massaker-vor-tempel-in-luxor--mindestens-56-touristen-erschossen,10810590,9364510.html |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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