paulart

"Was ich noch sagen wollte..."

05.09.2011 | 14:52

Das Sozialliberale ist unter die Räder des Guidomobils gekommen

 

Mecklenburg-Vorpommern hat gewählt. Die Wahl schien schon vor der Wahl entschieden. Und doch fallen einem bei genauerer Betrachtung ein paar Aspekte auf, die so vielleicht nicht vorhersehbar waren. Die SPD hat sich auf 35,7% verbessert, die CDU hingegen ist auf 23,1% zurückgefallen. Obwohl doch beide Parteien gemeinsam in einer großen Koalition die Verantwortung im nordöstlichen Bundesland trugen.

Die FDP hat nur noch ein Drittel ihrer Stimmen, exakt 2,7%, behalten können und flog damit im hohen Bogen aus dem Landtag. Was erklärte Rösler nach der Ablösung Westerwelles als FDP-Chef noch vollmundig: "Jetzt müssen wir liefern!" Was sich die Blaugelben geliefert haben, waren hingegen Diadochenkämpfe und dann Westerwelle'sche Westernparodien! Diese Partei, die ja nun eigentlich gar keine Partei mehr ist, sondern eher ein Grüppchen banken- und wirtschaftstreuer Lemminge, wird sich selbst überflüssig machen, wenn sie nicht begreift, dass eine ausschliesslich neoliberale Ausrichtung bei vielen Wählerinnen und Wählern als zu einseitig und ungerecht empfunden wird. Das, was diese Partei unter Baum, Hirsch, Mischnik, Flach und Hamm-Brücher auch einmal ausgemacht hat, nämlich das Sozialliberale, ist unter die Räder des Guidomobils gekommen.

Sowohl Die Linke als auch die Grünen haben leicht zugelegt (Die Linke 18,4%; Grüne 8,4%). Bedauerlich ist, dass die rechtsradikale NPD 6,0% Wählerstimmen bekommen hat. Dafür verantwortlich scheinen in Mecklenburg-Vorpommern in erster Linie ein paar Wahlkreise zu sein, in denen viele Vertreter dieser Partei "zu Hause" sind.

Die Wahlbeteiligung war erschreckend niedrig: 51,9% - so wenig Menschen gingen im Nordosten noch nie wählen.

 

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
GEBE schrieb am 05.09.2011 um 15:50
Wie wäre es mit:
Das Sozialliberale ist unter die Guidotine gekommen?

:-)
paulart schrieb am 05.09.2011 um 16:12
So könnte man es - und manche können's ja [ ;-) ] - ausdrücken! ;-)

Guido, der Pudu, hat sich immer wie ein Elch gefühlt. Und manchmal, gegenüber Wolfgang Gerhardt z.B., hat er sich auch so größen-wahnsinnig benommen. Jetzt aber findet er langsam wieder zu seiner eigentlichen Größe zurück.

Und Rösler, der lustige Tierpfleger, braucht nur noch 2,7% des eigentlichen Waldes in Mecklenburg-Vorpommern. Und sein Bonsai-Elchlein ist jetzt sogar handzahm geworden.
KalleWirsch schrieb am 05.09.2011 um 15:56
Naja, es war ja nicht nur das Guidomobil, das den Sozialiberalen in der FDP den gar ausgemacht hat. Das kam ja auch nicht aus dem Nichts das Guidomobil. Genscher hat es sanft begonnen mit der unsäglichen Wende (ja auch damals schon wurde dieser Begriff benutzt) zu Kohl. Es war der Anfang von Ende der Sozialiberalen, der sich aber in seiner vollen Blüte erst im Guidomobil materialisieren sollte. Und vergessen wir Möllemann nicht. Hamm-Brücher handelte konsequent und trat vor Jahren aus der Partei aus.
Jetzt, wo nur noch Frau Leuthheuser Schnarrenberger als letzte Alibi Sozialiberale mit auf der Brücke ist, frage ich mich immer wieder: Wo kommen diese ganzen Konfirmanden her?
paulart schrieb am 05.09.2011 um 16:23
"Wo kommen diese ganzen Konfirmanden her?"

KalleWirsch,
das sind die blaugelben Romspatzen. Mit ihnen probt Matthias Matussek den "Gefangenenchor". M.M. will dem Papst während des Heimatbesuchs schliesslich "etwas bieten".
Übrigens:
So viel Stimmen wie der Romspatzen-Chor hat, bekam die FDP in Mecklenburg-Vorpommern nicht...
Corina Wagner schrieb am 05.09.2011 um 22:36
Ich muss da leider vehement widersprechen. Du glaubst doch nicht wirklich, dass das Sozialliberale, also dieses gelbe Rundumpaket auf zwei Beinen ohne Blindenhund auf die Straße gegangen ist.
Böse Zungen behaupten ja, man hätte einen Maderschaden vertuschen wollen.

Grüße aus Bayern
paulart schrieb am 06.09.2011 um 14:05
Begründeter Widerspruch ist ein konstruktives Element unserer Demokratie. Insofern danke ich Dir erstmal, Corina!

Impetus des Aufbruchs
Aber nun nähern wir uns mal den Inhalten Deines Kommentars. Sozialliberale Politik, wie es sie dereinst in der sozialliberalen Koalition unter Brandt und Scheel gab, habe ich nie als Rundumpaket begriffen. Ganz im Gegenteil! Hier hat sich Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre eine Koalition aufgemacht, die "mehr Demokratie" und "mehr Freiheit" versprach. Eine Regierung, die an den mündigen Bürger glaubte und mit verstaubten Paragraphen nicht mehr viel anzufangen wusste. Diesen Impetus des Aufbruchs vermisse ich sowohl bei Merkel als auch bei Westerwelle bzw. Rösler. Sie wägen nach wie vor zwischen "vielleicht" und "eventuell" ab. Und zwar tage-, wochen- und monatelang.

In Mecklenburg-Vorpommern gab's dafür die Quittung. Ich bin sehr gespannt, was denn Rösler nun zu "liefern" gedenkt. Er steht mit seiner Partei zumindest in diesem Bundesland 2,8 Prozentpunkte vor der Bedeutungslosigkeit... vor dem Nichts!

Nachfrage:
War jetzt der Madenschaden gemeint? www.youtube.com/watch?v=iQkp6FG07gg
Oder etwa der Marder? ;-)
paulart schrieb am 06.09.2011 um 14:05
Begründeter Widerspruch ist ein konstruktives Element unserer Demokratie. Insofern danke ich Dir erstmal, Corina!

Impetus des Aufbruchs
Aber nun nähern wir uns mal den Inhalten Deines Kommentars. Sozialliberale Politik, wie es sie dereinst in der sozialliberalen Koalition unter Brandt und Scheel gab, habe ich nie als Rundumpaket begriffen. Ganz im Gegenteil! Hier hat sich Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre eine Koalition aufgemacht, die "mehr Demokratie" und "mehr Freiheit" versprach. Eine Regierung, die an den mündigen Bürger glaubte und mit verstaubten Paragraphen nicht mehr viel anzufangen wusste. Diesen Impetus des Aufbruchs vermisse ich sowohl bei Merkel als auch bei Westerwelle bzw. Rösler. Sie wägen nach wie vor zwischen "vielleicht" und "eventuell" ab. Und zwar tage-, wochen- und monatelang.

In Mecklenburg-Vorpommern gab's dafür die Quittung. Ich bin sehr gespannt, was denn Rösler nun zu "liefern" gedenkt. Er steht mit seiner Partei zumindest in diesem Bundesland 2,8 Prozentpunkte vor der Bedeutungslosigkeit... vor dem Nichts!

Nachfrage:
War jetzt der Madenschaden gemeint? www.youtube.com/watch?v=iQkp6FG07gg
Oder etwa der Marder? ;-)
Corina Wagner schrieb am 07.09.2011 um 15:10
Hallo Paulart,

politische Beiträge lassen immer viel Spielraum.

„Aber nun nähern wir uns mal den Inhalten Deines Kommentars.“
„Annähern“ liest sich immer gut, auch im Bezug auf das Empfinden im Blick auf sozialliberale Politik inklusive Versprechungen. ;-)
Noch "mehr Demokratie" und "mehr Freiheit“ wohlmöglich ein Wunschdenken vieler Politiker/innen, die heute agieren und schnell an ihre Grenzen stoßen, wenn es darum geht, z.B. Gesetzeslücken zu schließen und an der bereits „gelebten“ Demokratie Verbesserungen vorzunehmen.
Wie wäre es mit einem virtuellen Experiment?
Wenn ja, dann lies bitte weiter.
Wir blicken gemeinsam kurz in die politische Vergangenheit zurück und nun wieder ins Jahr 2011. Während dieser kleinen politischen Zeitreise denken wir wahrscheinlich spontan an die vielen Versprecher, auch Versprechungen bzw. Aussagen der Politiker/innen, die die letzten Jahrzehnte agierten bzw. heute noch aktiv am politischen Geschehen teilhaben.
Rein rhetorisch betrachtet, müssten doch mittlerweile alle Menschen wie im Paradies leben. Stimmts?
Was wurde dem einfachen Volk nicht schon alles versprochen und Augenwischerei folgte.

„Diesen Impetus des Aufbruchs“, den Du u.a. bei der Bundeskanzlerin vermisst, diesen „Dornröschenschlaf in der Führungsriege“ empfinden wahrscheinlich viele Menschen in Deutschland als unangemessen. Es wird tatsächlich Zeit, dass jemand diese Damen und Herren, die unser Land vertreten, wach küssen. Leider fällt mir auf die Schnelle keine passende Märchenfigur, die dies tun könnte. Dir etwa?
Bezüglich Deiner Nachfrage muss ich Dir mitteilen, dass mir da ein Tippfehler unterlaufen ist. Ich dachte in jenem Augenblick, als ich den Kommentar verfasste, spontan an einen Marderschaden und nicht an Maden, die sich überall breit machen, obwohl…
www.nachhaltigleben.de/images/stories/News/Marderschaden300x200.jpg

Liebe Grüße
Corina
Corina Wagner schrieb am 07.09.2011 um 15:13
Korrektur

Leider fällt mir auf die Schnelle keine passende Märchenfigurein, die dies tun könnte. Dir etwa?
Corina Wagner schrieb am 07.09.2011 um 15:14
Korrektur
Leider fällt mir auf die Schnelle keine passende Märchenfigur ein, die dies tun könnte. Dir etwa?
paulart schrieb am 07.09.2011 um 18:43
Ja! Der Westerwelle.
Er könnte sich in unnachahmlicher Manier über die Kanzlerin beugen und sie, Clarke Gable nachahmend, wachküssen. Und Gesundheitsminister Bahr könnte auf der Pressekonferenz verkünden, das Küssen sei in dieser schwarzgelben Koalition an der Tagesordnung und es sei auch sehr gesund. Und Westerwelle kann dann voller Überzeugung auf der PK verkünden, es solle bitte niemand denken, er würde nun einfach jede Frau auf der Straße so einfach "anküssen".

Philipp Rösler kann schliesslich verkünden: "Wir haben geliefert!" Und der Boulevard steht Kopf!
Corina Wagner schrieb am 08.09.2011 um 22:02
Da möchte man doch sofort ein kleines Bundestagmäuschen sein oder eine Berliner Schmeißfliege, vielleicht auch ein gut genährter Politikerfloh sein, der in so manchem Ohr haust, um diese Szenerie beobachten zu können.

;-)
paulart
"Humor ist der Knopf, der verhindert, daß uns der Kragen platzt." (Joachim Ringelnatz)
Mitglied seit:
1 Jahr 5 Wochen
Zuletzt aktiv:
02.05.2012
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 51
Kommentare: 1459
Logbuch
19:27
tlacuache hat gerade einen Kommentar geschrieben.
19:27
DandelionWine hat gerade einen Kommentar geschrieben.
19:26
doimlinque hat gerade einen Kommentar geschrieben.
19:20
Rosa Sconto hat gerade einen Kommentar geschrieben.
19:13
tlacuache hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG