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Die Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union (Frontex) trägt Sorge dafür, dass die Flüchtlingsboote aus den Maghrebländern möglichst weder Lampedusa noch ein anderes rettendes Ufer erreichen. Das gilt auch dann, wenn die völlig überfüllten Boote zu kentern drohen. Das scheint unglaublich, ist aber heutige Realität. Und alle großen oder kleineren europäischen Nationen wissen davon.
Es soll mit allen Mitteln verhindert werden, dass diese Flüchtlinge den europäischen Kontinent erreichen und hier um Asyl bitten können. Und wieder wird mit dem Hinweis argumentiert, wir würden von diesen Flüchtlingen quasi "überschwemmt" werden. Kein vernunftbegabter Mensch würde sich solch einer riskanten Flucht aussetzen, wenn er nicht elementare und existenzielle Gründe hätte. Und diese Gründe sind die Furcht um das eigene und um das Leben der Familie.
Einige Deutsche werden sich noch an die amerikanischen Care-Pakete erinnern können
Den Deutschen haben die Amerikaner nach dem 2. Weltkrieg Care-Pakete geschickt - Hilfspakete an den ehemaligen Kriegsgegner! - welch eine Geste! Wir sollten uns daran erinnern und auch einen Anteil der Flüchtlinge aufnehmen oder zumindest mal ein vorläufiges Bleiberecht aussprechen, so lange die bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen in den Heimatländern andauern. Und nicht nur auf Italien schauen, weil Lampedusa italienisches Territorium ist.
Müsste nicht die Humanität über allen wirtschaftlichen Abwägungen stehen?
Und wer nicht glaubt, was Frontex macht, kann es hier in der kleinen Selbstdarstellung nachlesen. Sehr sublimiert dargestellt:
europa.eu/agencies/community_agencies/frontex/index_de.htm
Und - wie finden Sie's?
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"Damit wir ein gutes Gewissen haben können....",
ja, da muss ich leider auch zugeben, dass mein Gewissen mit jedem Totenschiff, mit jeder Internierung, mit jeder Rückführungsaktion dunkler wird..... Vielen Dank für die deutlichen Worte! |
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@ archinaut
Das Fatale ist ja, dass die Europäer - inklusive Deutschland! - schon vor der Installierung von "Frontex" dafür gesorgt haben, dass eine Flucht von der nordafrikanischen Küste kaum möglich war, indem man Potentaten, wie z.B. Gaddafi, viel Geld dafür bot, dass von ihren Küsten (vor allem der libyschen Küste) kein Flüchtlingsboot in "Richtung Europa" starten könne. www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,745666,00.html www.tagesschau.de/ausland/frontexeu100.html www.proasyl.de/de/themen/eu-recht/frontex/ |
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Müsste nicht die Humanität über allen wirtschaftlichen Abwägungen stehen?
Wo kämen wir denn da hin? Humanität? Das ist doch eine Träumerei aus dem vergangenen Jahrtausend. Damit lässt sich doch kein effizientes Wirtschaftssystem mehr betreiben, das maximale, ach, was sag ich, m a x i m a l s t e Gewinne garantiert. Ja, wenn Sozialausgaben steigen, da müsste man ein schlechtes Gewissen haben. |
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@ hardob
Da ich selbst einen Hang zum Zynismus habe, verstehe ich die Zeilen sehr gut. Allein - hier geht es ja um eine, muss man das so deutlich sagen?, "Güterabwägung". Einerseits müsste es gelten, Menschenleben auf offener See zu retten. Andererseits scheint es wieder mal darum zu gehen, der Angst vor "Überfremdung" Rechnung zu tragen. Hier müssten m.E. alle europäischen (auch die ganz neu hinzugekommenen!) solidarisch helfen - und nicht Italien mit diesem Problem allein lassen. |
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Hallo paulart,
zunächst ein Lob für diesen sehr interessanten Beitrag, der zum Schmunzeln absolut nicht einlädt und dies ist auch gut so. "Damit wir ein gutes Gewissen haben können." Sieht doch eigentlich wohl jeder gern weg, ist ja auch unheimlich bequem. "solidarisch helfen" hm, tja - da benehmen sich viele Poltiker wie die drei Affen. Und wir? Debattieren... Wir sitzen alle in keinem Flüchtlingsboot. Man müsste all jene Politiker, die für dieses Elend verantwortlich sind... vielleicht auch in solch ein Boot stecken und dann auf dem Meer... einige Tage... ohne Wasser und Brot... auf engstem Raum... Die Dialoge könnten bei solchen widrigen Verhältnissen äußerst interessant sein! Schönes Wochenende Corina |
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Vielleicht noch eine Ergänzung du dem Thema: Heute Abend behandelt der Tatort im Ersten (15. Mai, 20.15 Uhr), vielleicht nicht hauptsächlich, aber doch prägnant, diese Thematik. Die Auslandseinsätze der Polizei werden aufgedeckt und kritisch analysiert.
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Den Tatort im Ersten habe ich nicht sehen können.
Wurde dort die Thematik tatsächlich gut wiedergespiegelt? Gruß Corina |
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Corina, nur angedeutet. Es fiel allerdings sogar der Name "FRONTEX" - was mich im proporzgesalbten Fernsehangebot fast ein wenig wunderte.
Die Realität wurde weder besonders gut gespielt, noch ausreichend widergespiegelt. Leider! Eine vertane Chance, weil es diese "nordafrikanische Maginot-Linie" tatsächlich gibt; ja, sie ist sogar von den maßgeblichen EU-Ländern dort etabliert worden! Es solle niemand kommen und behaupten, "wir" hätten mit dem Flüchtlingsdrama im Mittelmeer nichts zu tun und wüssten sozusagen von "nichts". Matthias Dell vom "Freitag" hat eine Kritik über den Tatort geschrieben: www.freitag.de/kultur/1119-komplett ("Komplett"). |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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