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Von einer weit entfernten Sternwart'
grüßt lichtgeschwind heut' Robert Gernhardt.
Und auch von Christian Morgenstern
kommt eine Mail - und zwar von fern.
Ein' Schüttelreim schickt Hugo Ball - - -
spontan; so einfach Knall auf Fall.
Kurt Schwitters schreibt an Ringelnatz:
"Wir beide haben uns'ren Platz!"
Erich Kästner schickt Likör -
vom Urlaubsort in Wyk auf Föhr.
Der Jandl spricht ein J-Gedicht
mit Ernstem Ausdruck im Gesicht.
Nur Heinrich Heine schreibt besonnen...
von den duftend süßen Wonnen.
Schiller schickt ein Manuskript,
dass er dem Kutscher übergibt.
Die Dichter ringen um Ideen -
doch fehlen Musen und auch Feen!
Drum kommt, Erato und Kalliope -
bringt mit das Lyrik-Mikroskope.
Dann seht der Dichter große Zeilen.
[Lasst vorher noch den Goethe feilen!].
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.... und Pablo?
Die ganze Nacht hab ich geschlafen mit dir, nahe dem Meer, auf der Insel. Wild und lieblich warst du im Wechsel von Lust und Schlaf, im Wechsel von Feuer und Wasser. Vielleicht vereinten sich spät, sehr spät unsere Träume, hoch droben oder tief drunten, in der Höhe wie Zweige, vom selben Winde bewegt, in der Tiefe wie rote Wurzeln, einander berührend. Vielleicht trennte sich dein Traum von dem meinen und suchte mich auf dem dunklen Meer wie einstens, als es dich noch nicht gab, als ich, ohne dich zu gewahren, dicht an dir vorüberfuhr, und deine Augen suchten, was ich nunmehr - Brot, Wein, Liebe und Zorn - mit vollen Händen dir gebe, denn du bist der Becher, wartend auf die Gaben meines Lebens. Ich hab mit dir geschlafen die ganze Nacht, während die dunkle Erde sich drehte mit Lebenden und mit Toten, und beim Erwachen, jählings, inmitten der Dunkelheit umfaßte mein Arm deine Hüfte. Weder die Nacht noch der Traum konnten uns beide trennen. Ich hab mit dir geschlafen, und beim Erwachen gab dein Mund, eben dem Traum entkommen, mir den Geschmack von Erde, von Meereswasser, von Algen, vom Grund deines eignen Lebens, und ich erhielt deinen Kuß, benetzt von der Morgenröte, als käme er mir vom Meer, das hier uns umspült. "Die Nacht auf der Insel" Pablo Neruda 1952 |
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Sehr schön, archinaut!
Da ich dieses Gedicht von Pablo Neruda nicht kannte, wollte ich schon eine archinauten-Eloge schreiben. Schön, dass dieses wunderbare Gedicht heute, am Dienstag, beim Freitag für interessierte Userinnen und User zu lesen ist. Gibt es denn beim Freitag auch Lyrik-Fans? Oder sind wir - mit Espoir57 - und ein paar anderen... die einzigen hier? |
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HIER, ICH, ICH EIN TEIL DER PAAR ANDEREN!
Obschon mir jegliches Talent fehlt, bin ich eine dankbare Konsumentin von Lyrik jeglicher Couleur. Ich fange mal Kästners Likör ab, nach Neruda bin ich nunmehr so unruhig geworden, dass ich ein Stamperl brauche, bevor ich ins Slumberland hinübergleite. |
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.... nochmal Neruda:
Deine Blüten pochen an das Weltall, deine unterseeischen Getreide zittern, die sanften Algen lassen ihr Bedrohen niederhangen, es schwimmen die Brutschwärme und mehren sich und einzig zum Garn der Netze auf steigt der tote Blitz der Schuppe, ein Millimeter, wund in der Ferne deiner kristallenen Totalitäten. "Der Grosse Ozean" aus "Der Große Gesang" Pablo Neruda 1950 |
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Ja, ich mag Lyrik, solange sie echt ist....
oder gut abgehangen, aber virulent. Wie singt Pablo Neruda: Ich bin nur ein Dichter: ich liebe euch alle, umherirrend geh ich durch die Welt, die ich liebe: n meinem Vaterland kerkern sie die Kumpel ein, und Soldaten befehlen den Richtern. Aber ich liebe die Wurzeln sogar meines kleinen kalten Landes. Müßte ich tausendmal sterben, immer dort wollte ich sterben: würd ich tausendmal geboren, immer dort wollt ich geboren sein, nah der wilden Andentanne, dem Toben des Südwinds nah und den kürzlich gekauften Glocken. Niemand denke an mich. An die ganze Erde wollen wir denken, auf den Tisch voll Liebe hämmernd..... "In Nerudas Dichtung ist ganz Chile gegenwärtig, mit seinen Flüssen und Bergen, dem ewigen Schnee und den glutheißen Wüsten. Über alle Dinge aber stellt er denb Menschen, den Mann und die Frau. Darum ist in seiner Dichtung die Liebe und der soziale Kampf." Salvador Allende |
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Das freut mich, LeVernis!
Übrigens: Nie ist man ein Teil. Man ist immer ganz - (Neusprech: Frau ist immer ganz) es sei denn, man käme aus dem Krieg zurück... Talent braucht man nicht, aber Begeisterung und vielleicht ein Gläschen Likör oder ein Kölsch (gibt's bei GeroSteiner!). * * * Die Mondziege (Eine Parodie auf das Christian Morgenstern-Mondschaf) Der Mondziege Blick ging zum Mond in der Nacht - ist denn der Bauer noch gar nicht erwacht? - - - - - Mäh. Der Mondziege Euter war prall und voll. Sie pries die Milch in Dur und Moll. - - - - - Määh. Der Mondziege Euter wurde zu schwer. Sie stürzte ins Gras und verletzte sich sehr. - - - - - Määäh. Der Mondziege Bauer eilte herbei - von weitem hörte er laut das Geschrei. - - - - - Määääh. Der Mondziege Milch ergoss sich in Strömen. Passiert ist's vor 80 Jahren in Böhmen. - - - - - Nachwort: Das ganze Dorf ist darin ersoffen. Das, meine Freunde, macht mich heut' noch betroffen! - - - - - Mmh. |
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Ein Kölsch? Du willst einer Bayerin dieses Kinderbier aufschwatzen? ;-) Ich bleib beim Likörchen.
Ist das mit dem GanzSein-TeilSein nicht eine unendlich schöne Sache? Und ich bestehe darauf, dass man ein Teil sein kann, stets, immer, ohne Unterlass, jawohl! Es zeigt doch die herrliche Ambivalenz, die in sämtlichen Dingen steckt. Und die finden wir sogar in Deinem wundervollen Gedicht (Du verfasst die tatsächlich selbst?); in jedem Vers, an jeder Ferse, am Euter und zuletzt in der Milchlache. |
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a r c h i n a u t
- - - - - Mir scheint, wir haben hier unter uns einen großen Pablo Neruda-Fan. Das ist ja wunderbar! Mein Motto (siehe oben rechts): "Humor ist der Knopf, der verhindert, daß uns der Kragen platzt." (Joachim Ringelnatz) |
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LeVernis, aus dem fernen Bajuwarenland zu uns gekommen, um das Sein vom bloßen Design zu separieren.
Ja, ich gebe mich geschlagen. Zum Teil hast Du recht. Man kann. Frau kann. Mann heim. Frau kann nicht. [Alle Gedichte ohne Namen sind von mir. + Alle guten Gedichte mit einem bekannten Namen, wie z.B. Rilke, Heine, Ringelnatz etc. sind nicht von mir. Wirklich nicht!] |
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Lieber paulart,
als Ringelnatz-Afficionado interessiert Dich vielleicht auch www.freitag.de/community/blogs/titta/ein-gedicht |
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Hans Bötticher ist fabelhaft! Mindestens so gut wie ringelNatz!
Aber ich finde schon, dass man auch nach einem eigenen ausDruck im Leben suchen sollte. Fan-Sein ist das eine! Selbst spielen ist viel schöner! - Aber ein jeder, wie er möchte! Chacun à son goût! JOACHIM RINGELNATZ Der Stein Ein kleines Steinchen rollte munter Von einem hohen Berg herunter. Und als es durch den Schnee so rollte, Ward es viel größer als es wollte. Da sprach der Stein mit stolzer Miene: „Jetzt bin ich eine Schneelawine.” Er riß im Rollen noch ein Haus Und sieben große Bäume aus. Dann rollte er ins Meer hinein, Und dort versank der kleine Stein. - - - Zwei Heuballen Zwei Heuballen auf einem Feld, strohdumm, aber verbindlich, rollten in die weite Welt... und froren nachts empfindlich. Der eine rief: "Ich mache Feuer - Prost! Lass uns einen heben!" Doch die idee, sie wurde teuer... und kostete das Leben. (paulart) |
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Paul kann. Ringelnatz kann. Frau kann. Achmatova kann. Rilke kann. Paul kann. Archinaut kann. Man kann.
LaVernis kann nun ins Bett. Gehabet euch wohl, die Herren, bis demnächst erneut in diesem Theater! |
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ruhe sanft....
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Levernis + archinaut
+ Gute Nacht! + Oder muss ich etwa schon guten Morgen sagen? + Wie auch immer... + Aber bitte nicht: Ruhe sanft - dazu ist später noch Zeit. ;-) + |
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ach lyrik ach kästner:
Traurigkeit die jeder kennt Man weiß von vornherein, wie es verläuft. Vor morgen früh wird man bestimmt nicht munter. Und wenn man sich auch noch so sehr besäuft: die Bitterkeit, die spült man nicht hinunter. Die Trauer kommt und geht ganz ohne Grund. Und angefüllt ist man mit nichts als Leere. Man ist nicht krank. Und ist auch nicht gesund. Es ist, als ob die Seele unwohl wäre. Man will allein sein. Und auch wieder nicht. Man hebt die Hand und möchte sich verprügeln. Vorm Spiegel denkt man: "Das ist dein Gesicht?" Ach, solche Falten kann kein Schneider bügeln. Vielleicht hat man sich das Gemüt verrenkt? Die Sterne ähneln plötzlich Sommersprossen. Man ist nicht krank. Man fühlt sich nur gekränkt. Und hält, was es auch sei, für ausgeschlossen. Man möchte fort und findet kein Versteck. Es wäre denn, man ließe sich begraben. Wohin man blickt, entsteht ein dunkler Fleck. Man möchte tot sein. Oder Gründe haben. Man weiß, die Trauer ist sehr bald behoben. Sie schwand noch jedes Mal, so oft sie kam. Mal ist man unten, und mal ist man oben. Die Seelen werden immer wieder zahm. Der Eine nickt und sagt: "So ist das Leben." Der andre schüttelt seinen Kopf und weint. Wer traurig ist, sei's ohne Widerstreben! Soll das ein Trost sein? So war's nicht gemeint. |
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indyjane,
ja, Erich Kästner hat 'was! Kleine, unscheinbare Themen verwandelte er in großartige Verse! NEUES VOM TAGE Da hilft kein Zorn. Da hilft kein Spott. Da hilft kein Weinen, hilft kein Beten. Die Nachricht stimmt! Der Liebe Gott ist aus der Kirche ausgetreten. (Erich Kästner) |
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Schöne junge Möhrchen
bevorzugte die Lyrikerin anstatt diversen Likörchen und dachte dabei an so manchen bedeuteten Vers. STOPP Anstatt zuvielen Likörchen bevorzugte die Lyrikerin schöne knackige Möhrchen und dachte dabei an so manchen grandiosen Vers. HALT Knackig, frisch servierte sie die Worte, zuckersüß wie eine feine Möhrentorte. Auch Möhren können in Reimen betören. Den Leser wird es letztendlich nicht stören, denn ein Gedicht muss mit Inhalten überzeugen. FRAGEN Wäre Goethe heute in Nöte, wenn er noch lebte und intensiv nach neuen Worten im Versmaß strebte? Was wäre wenn? Wenn zum Beispiel all die bekannten toten Dichter einen Tag lang - wieder leben dürften? Welche Botschaft würden sie am Ende dieses Tages für die Nachwelt hinterlassen und diese vielleicht in Reime fassen? Wie würden diese reagieren, wenn man sie mit Interpretationen ihrer Werke konfrontieren würde, die Pädagogen und Psychologen veröffentlichten? Liebe Grüße Corina |
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schrieb am
27.04.2011 um 14:29
Liebe und geschätzte Corina, ich denke da an Kurt Tucholsky, wenn er noch leben würde, nach Moabit zurückkehren und die deutschen Richter sehen würde. Er würde entsetzt ausrufen: "Sie sind alle noch da!"
"Im Hakenkreuz erzogen, was damals Mode war. Vom Rektor angelogen, so wurd das Referendar. Du warst im tiefen Flandern, Etappenkommandant. Wo sich Dir Rechte beugen, da ist dein Vaterland!" (Kurt Tucholsky, Richter von 1940, stark gekürzt) Dieses Gedicht habe ich in voller Länge zum 65. Geburtstag meines Vater vorgetragen. Anwesend waren: Hans-Karl Filbinger, Hans-Martin Schleyer, Kurg Georg Kiesinger, Innenminister Karl Spiess, Walter Schellenberg. Das Ergebnis war durchschlagend! Ich hatte drei Wochen blaue Augen und einige Zähne verloren! Liebe Grüsse Monsieur Rainer |
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Monsieur Rainer, das glaube ich jetzt nicht. Sind Sie vom alten Filbinger verdroschen worden? Wie muss man sich das denn vorzustellen? Schleyer und Kiesinger haben Sie links und rechts festgehalten und der ehemalige Marinerichter hat quasi die Gorch Fock-Skandale antizipiert?
Wie heißen Sie? Wo wohnen Sie? Ich bin auf dem Weg zum Oberlandesgericht... |
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Interessante Fragen, die Du - Corina - oben stellst. Traust Du Dir denn eine Teilbeantwortung zu? Das wäre doch zumindest schon mal ein guter Anfang.
- Ein komischer Vogel Der schönste Finck sitzt, wie ich finde, hoch... vor mir - in einer Linde. Er kann nicht singen, aber sprechen - und badet nie in kalten Bächen. Ganz oben in des Baumes Krone sitzt dieser Finck vor'm Mikrofone. Er scherzt und huldigt der Satire, damit - parterre - der Mensch nicht friere. Von nah und auch von sehr viel ferner erweist das Publikum dem Werner seine Gunst, ruft: "Weitermachen!" Ein Finck mit "c" bringt sie zum Lachen. |
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D i c h t u n g
Das Zebra wird jetzt eingeseift, es hat ganz schwarze Streifen. Den Vogel, der seit Tagen pfeift, will sich der Förster greifen. Der Waschbär sucht sich seine Nahrung - im Wald und auf der Lichtung. Er stört die Rehe bei der Paarung, doch keinesfalls die Dichtung. |
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Angst vor dem Morgen
Der 9. Juni ist gegangen. Der 10. ist gekommen. Ich bin im Gestern noch gefangen. Und daher leicht beklommen. Wie wird's am 11. Juni sein? Was wird wohl dann passieren? Bin ich an diesem Tag allein? Das ging' mir auf die Nieren. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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