EmilB

Blog von EmilB

25.07.2011 | 18:16

Henryk Broders terroristischer Enkel?

 

Wie der „Tagesspiegel“ berichtet, beruft sich Anders Behring Breivik, der norwegische Attentäter, zur Rechtfertigung seiner Tat ausdrücklich auch auf Aussagen von Henryk M. Broder. Broder selbst dokumentiert dies jetzt kokett auf seiner Website „Achse des Guten“.

Selbst ohne diese unmittelbare Verbindung fällt auf: Die Ähnlichkeit der Gedankenwelt beider Männer ist erstaunlich. Für Broder ist die Zeit des finalen Kampfes zwischen dem Islam und der westlichen Kultur angebrochen. Wer das nicht begreifen will, wird Schuld sein zumindest am Tod der Kultur Europas, wenn nicht gar seiner Menschen.

In diesem Endzeitkampf muss jedes Mittel recht sein. So schreibt Broder: „Die Idee, man könnte dem Terror nur mit rechtsstaatlichen Mitteln beikommen, übersteigt die Grenze des Irrealen. Es ist, als ob man die Feuerwehr auffordern würde, sich bei ihren Einsätzen an die Straßenverkehrsordnung zu halten, und auf keinen Fall eine rote Ampel zu überfahren."

Man kann sagen, dass Breivik, Broders Enkel im Geiste, einige rote Ampeln überfahren hat. Auch in seinem Manifest liegt die Rechtfertigung für das Attentat auf den Rechtsstaat im gigantischen Ausmaß der Bedrohung, auf die er aufmerksam machen wollte.

In Deutschland ist es längst nicht Broder allein, der sich in hysterische Angstphantasien einer allgegenwärtigen islamischen Weltverschwörung hinein gesteigert hat. Insbesondere beim Springerblatt „Welt“ kann man fast täglich von der ‚Feigheit‘ der liberalen Öffentlichkeit vor dem islamischen Weltreich des Bösen lesen. Interessant war deshalb die Reaktion dieser Zeitung auf die Anschläge. Zunächst das Erwartbare: Ohne jedes Indiz gingen die ersten Artikel von islamistischem Terror aus.

Seit sich das als Irrtum zeigte, ergeht sich die „Welt“ in Spekulationen, ob es sich bei Breivik um einen Psychopathen handele. Man kann darin den Versuch sehen, von den ideologischen Grundlagen des Täters abzulenken. Sonst könnte vielleicht einem genauen Leser auffallen, dass er viele Sätze des Terroristen in den letzten Jahren schon einmal gelesen hat. In einem Kommentar der „Welt“.

 

 

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
ebertus schrieb am 25.07.2011 um 19:24
Von PI bis MI und schlußendlich der Zeitung mit den vier Buchstaben. Jedes Medium hat(te) seine Zielgruppen, gern in unterschiedlichen Größenordnungen und formale Intelligenz schützt keinesfalls vor Korpsgeist und Herdentrieb, vor der Banalität, der Normalität des Bösen, wobei sich aktuell Koalitionen bilden, weit jenseits schlichter Links/Rechts-Schemata.
schlesinger schrieb am 25.07.2011 um 21:19
Der Attentäter Breivik bezieht sich nicht nur abstrakt sondern sehr konkret auf Broder: "I fear, like Broder, that they (die Westeuropäer) have chosen submission (unter die Muslime) – just like in former days when they preferred to be red rather than dead." Es springt schon ins Auge wie sehr die Weltanschauung Breiviks der von Broder gleicht, mag der sich auch davon distanzieren. bit.ly/q0UswG
Vadis schrieb am 25.07.2011 um 21:35
Ich verstehe Broder als agent provocateur und wir sollten darauf achten, mörderische Spinner und polemisierende Satiriker nicht in einen Topf zu werfen, bzw. leztere nicht durch erstere instrumentalisieren zu lassen.
EmilB schrieb am 26.07.2011 um 00:22
Sie haben recht, Broder ist ein "agent provocateuer". Darunter versteht man (laut Wikipedia) eine Person, die "einen oder mehrere Dritte zu einer gesetzeswidrigen Handlung provozieren soll." Die Handlung war in diesem Fall der Anschlag in Oslo.
EmilB
Politikjunkie
Mitglied seit:
25.07.2011
Zuletzt aktiv:
26.07.2011
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 1
Kommentare: 1
Logbuch
20:04
DandelionWine hat gerade einen Kommentar geschrieben.
20:00
das brueckenkarma hat gerade einen Kommentar geschrieben.
19:57
Untitled hat gerade einen Kommentar geschrieben.
19:55
Wolfram Heinrich hat gerade einen Kommentar geschrieben.
19:54
Georg von Grote hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG