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Wie der „Tagesspiegel“ berichtet, beruft sich Anders Behring Breivik, der norwegische Attentäter, zur Rechtfertigung seiner Tat ausdrücklich auch auf Aussagen von Henryk M. Broder. Broder selbst dokumentiert dies jetzt kokett auf seiner Website „Achse des Guten“.
Selbst ohne diese unmittelbare Verbindung fällt auf: Die Ähnlichkeit der Gedankenwelt beider Männer ist erstaunlich. Für Broder ist die Zeit des finalen Kampfes zwischen dem Islam und der westlichen Kultur angebrochen. Wer das nicht begreifen will, wird Schuld sein zumindest am Tod der Kultur Europas, wenn nicht gar seiner Menschen.
In diesem Endzeitkampf muss jedes Mittel recht sein. So schreibt Broder: „Die Idee, man könnte dem Terror nur mit rechtsstaatlichen Mitteln beikommen, übersteigt die Grenze des Irrealen. Es ist, als ob man die Feuerwehr auffordern würde, sich bei ihren Einsätzen an die Straßenverkehrsordnung zu halten, und auf keinen Fall eine rote Ampel zu überfahren."
Man kann sagen, dass Breivik, Broders Enkel im Geiste, einige rote Ampeln überfahren hat. Auch in seinem Manifest liegt die Rechtfertigung für das Attentat auf den Rechtsstaat im gigantischen Ausmaß der Bedrohung, auf die er aufmerksam machen wollte.
In Deutschland ist es längst nicht Broder allein, der sich in hysterische Angstphantasien einer allgegenwärtigen islamischen Weltverschwörung hinein gesteigert hat. Insbesondere beim Springerblatt „Welt“ kann man fast täglich von der ‚Feigheit‘ der liberalen Öffentlichkeit vor dem islamischen Weltreich des Bösen lesen. Interessant war deshalb die Reaktion dieser Zeitung auf die Anschläge. Zunächst das Erwartbare: Ohne jedes Indiz gingen die ersten Artikel von islamistischem Terror aus.
Seit sich das als Irrtum zeigte, ergeht sich die „Welt“ in Spekulationen, ob es sich bei Breivik um einen Psychopathen handele. Man kann darin den Versuch sehen, von den ideologischen Grundlagen des Täters abzulenken. Sonst könnte vielleicht einem genauen Leser auffallen, dass er viele Sätze des Terroristen in den letzten Jahren schon einmal gelesen hat. In einem Kommentar der „Welt“.
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Von PI bis MI und schlußendlich der Zeitung mit den vier Buchstaben. Jedes Medium hat(te) seine Zielgruppen, gern in unterschiedlichen Größenordnungen und formale Intelligenz schützt keinesfalls vor Korpsgeist und Herdentrieb, vor der Banalität, der Normalität des Bösen, wobei sich aktuell Koalitionen bilden, weit jenseits schlichter Links/Rechts-Schemata.
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Der Attentäter Breivik bezieht sich nicht nur abstrakt sondern sehr konkret auf Broder: "I fear, like Broder, that they (die Westeuropäer) have chosen submission (unter die Muslime) – just like in former days when they preferred to be red rather than dead." Es springt schon ins Auge wie sehr die Weltanschauung Breiviks der von Broder gleicht, mag der sich auch davon distanzieren. bit.ly/q0UswG
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Ich verstehe Broder als agent provocateur und wir sollten darauf achten, mörderische Spinner und polemisierende Satiriker nicht in einen Topf zu werfen, bzw. leztere nicht durch erstere instrumentalisieren zu lassen.
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Sie haben recht, Broder ist ein "agent provocateuer". Darunter versteht man (laut Wikipedia) eine Person, die "einen oder mehrere Dritte zu einer gesetzeswidrigen Handlung provozieren soll." Die Handlung war in diesem Fall der Anschlag in Oslo.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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