Berlin ist lebendig heute Nacht. Wie in jeder Nacht im Sommer. Noch ist Sommer, auch im Regen. Auf der Ecke schräg gegenüber wird gearbeitet. Holz wird geschliffen und die Schutzfolie von dem vor ein paar Tagen installierten Firmenschild gezogen. Vielleicht macht das neue Café morgen endlich auf. Seit ich Wochen wird daran gearbeitet. Seit fast einem Monat jetzt.
Die Biertrinker sitzen auch noch draußen, auf der Biergartengarnitur vor dem Spätkauf. Unter dem Sonnenschirm. Die, die jeden Tag dort sitzen. Und jeden Abend bis in die Nacht. Immer dieselben. Sie reden in gedämpftem Ton. Immerhin. Manchmal jubeln sie auch, mitten in der Nacht. Oder sie grölen. Einer von ihnen kichert, wenn er betrunken ist. Wenn er das wüsste.
Radfahrer radeln klappernd vorbei. Hundehalsbänder klingeln leise im Trab. Hundebesitzer pfeifen von weitem ihren Kötern nach. Autos huschen vereinzelt über das Kopfsteinpflaster, jedes dritte oder vierte ein bisschen zu schnell. Etwas zu laut. Menschen wandern quatschend durch die Straßen, ihre Stimmen kommen und gehen. Manchmal wird auch gesungen.
Auf einem Balkon gegenüber glimmt ab und zu eine Zigarette auf. Gläserklirren, auch dort. Auch ich nehme noch einen Schluck. Irgendwo ist Musik.
Da drüben werden Beats gemixt, bei Nacht und offenem Fenster. Gestern bis zwei oder drei. Heute nur bis kurz vor elf. Jetzt ist das Vorglühen beendet, weiter geht es in den Clubs an den Ufern. Und das ist gut so.
Später, viel später wird es still. Dann fliegen die Fledermäuse, man kann es nur ahnen. Durch die Bäume, hoch. Und Füchse traben durch die Straßen. Ganz für sich allein.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen