Eric Chauvistre

Keine bes. Vorkommnisse

22.03.2009 | 10:14

Bundeswehr lässt sich öfter rausbomben

Die Bundeswehr greift in Afghanistan offenbar routinemäßig auf die Unterstützung durch Luftangriffe anderer NATO-Staaten zurück. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Abgeordneten Paul Schäfer (Die Linke) hervor. Die Anforderung von Flugzeugen und Hubschraubern zur so genannten "Luftnahunterstützung" (close air support) erfolgt damit sehr viel häufiger als bislang von Beobachtern angenommen. Auffallend ist besonders der Anstieg im letzten Jahr: 11 der insgesamt 19 Einsätze seit Beginn des ISAF-Einsatzes 2002 fanden allein im Jahr 2008 statt, während in den Jahren 2005 bis 2007 nur jeweils zwei solcher Einsätze angefordert wurden. Im dritten Quartal 2008, also in der Zeit nach der Übernahme der Quick Reaction Force für Nord-Afghanistan durch die Bundeswehr, gab es mit fünf Einsätzen die bislang größte Zahl von Anforderungen nach Luftnahunterstützung.

Aus der Antwort des Bundesverteidigungsministerium geht darüber hinaus hervor, dass die Zahl der Einheiten zur Koordination solcher Einsätze verdoppelt wurde. Während Ende 2006 zwei dieser so genannten TACP-Trupps (für "Tactical Air Conntrol Party") in Afghanistan im Einsatz waren, verfügt das deutsche ISAF-Kontingent in Afghanistan nach Angaben der Bundesregierung nun über vier dieser Teams.

Keine Angaben machte die Bundesregierung darüber, aus welchen Gründen die jeweiligen Bundeswehreinheiten den Beistand der USA oder anderer Verbündeter aus der Luft anforderten. Plausibel sind solche Anfragen dann, wenn Bodentruppen während eines Gefechts in Bedrängnis geraten. Denkbar ist auch, dass die Luftnahunterstützung präventiv angefordert wird. In solchen Fällen würde die Bundeswehr vor einer Offensive etwa die US Air Force bitten, das entsprechende Gebiet zu bombardieren, um so potenziell dort anwesende bewaffnete Gegner zu töten. In beiden Fällen verringert die Luftunterstützung das Risiko eigener Verletzter oder Toter erheblich.

Über Luftunterstützungseinsätze für NATO-Truppen war in Deutschland zu Beginn des 2007 aufgenommenen Einsatzes von Tornado-Kampfflugzeugen in Afghanistan diskutiert worden. Dabei hatte die Bundesregierung stets betont, dass die Tornados nicht aktiv gegen Gegner am Boden eingesetzt würden. Über die Anforderung von Luftnahunterstützung bei Verbündeten durch die Bundeswehr wurde dabei nicht gesprochen.

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Ganz auf Luftangriffe setzte die NATO im Kosovokrieg. Dessen Beginn jährt sich an diesem Dienstag zum zehnten Mal: Am Abend des 24. März 1999 begann die NATO mit Luftangriffen auf Jugoslawien. Mit dabei waren vier Tornados der Bundesluftwaffe. Das Bündnis begann den Krieg mit der Fehleinschätzung, die Bombardements würden in wenigen Tagen ihr Ziel erreichen. Statt der erwarteten 48 Stunden, dauerten die Luftangriffe 78 Tage. Der damalige Bundesaußenminister Joschka Fischer schrieb dazu in seinen 2007 erschienenen Erinnerungen an die Zeit der rot-grünen Koalition: "Von Beginn an zeigte sich, dass das große Problem für die NATO darin bestand, dass der Feind sich nicht wie erwartet verhielt und zudem das Wetter südlich des 44. Breitengrades nicht mitspielte". Wirklich ärgerlich: Da will man sich nach langer Zeit doch einmal an einem kurzen und sauberen Krieg beteiligen – und prompt ist das Wetter schlecht. Und dann ist auch noch der militärische Gegner so unfreundlich, dass er nicht das tut, was von ihm erwartet wird.

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Auf gutes Wetter setzt auch die PR-Abteilung der Bundeswehr. Im Mai richtet sie mit Bw-Beachen '09 wieder Beachvolleyball-Turniere für 17-jährige aus. Die Schirmherrschaft hat das Trendsport-Idol Franz Josef Jung übernommen. Als Preise winken den Gewinnern nach Angaben der Abteilung "PSZ/PM (Jugendmarketing)" im Bundesverteidigungsministerium u.a. "ein Trip mit der Wehrverwaltung nach London" und "eine Segeltour mit der Marine auf der Ostsee". Ein "Trip mit der Wehrverwaltung"? Klingt aufregend. Aber warum geht es nur an die Ostsee? Die Bundeswehr hat doch mittlerweile sehr viel aufregendere Ziele zu bieten.

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Eine frische Ausgabe von "keine besonderen vorkommnisse" gibt es jeden Sonntag auf freitag.de. Vom Autor ist soeben das Buch Wir Gutkrieger. Warum die Bundeswehr im Ausland scheitern wird im Campus Verlag erschienen.

 
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Eric Chauvistre
Eric Chauvistré, geboren 1965, promovierte nach dem Studium der Politologie und der Internationalen Beziehungen in Berlin und Canberra über Nuklearrüstung und militärische Interventionen. Er arbeitete als Korrespondent und Redakteur unter anderem für Reuters, die taz sowie das ZDF.
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