Eric Chauvistre

Keine bes. Vorkommnisse

15.03.2009 | 09:01

Der Minister im herrlichen Afghanistan

"Ich habe den Eindruck, dass die Dinge gut vorangehen." Diese Erkenntnis war das Ergebnis eines dreitägigen Besuchs des deutschen Verteidigungsministers Anfang vergangener Woche in Afghanistan. US-Präsident Barack Obama sieht die Lage in Afghanistan bekanntlich ein wenig anders. Auf die Frage, ob die USA derzeit dabei seien, den Krieg in Afghanistan zu gewinnen, hatte der Präsident mit einem klaren Nein geantwortet. Aber der deutsche Minister hat gegenüber Obama einen Vorteil: Für Jung stellt sich die Frage nicht. Schließlich besteht die Bundesregierung weiterhin darauf, dass die Bundeswehr in Afghanistan keinen Krieg führt. Und wo man keinen Krieg sieht, da kann man auch keinen verlieren. Nicht nur in Washington, auch in New York ist man pessimistisch. An diesem Samstag legte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon dem Sicherheitsrat einen Bericht vor, in dem auf die deutliche Verschlechterung der Lage in Afghanistan verwiesen wird. Wie gut, dass sich wenigstens unser Wehrminister die gute Laune nicht verderben lässt. "Ich kann nur sagen", so der Minister bei einem Treffen mit Soldaten und Stammesältesten in Kundus, "ich finde Afghanistan ein herrliches Land."

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Wie vor drei Wochen an dieser Stelle berichtet, will auch die NATO bei der Piraten-Jagd dabei sein. Letzten Freitag beschlossen der Rat der NATO-Botschafter in Brüssel nun ganz offiziell den Einsatz mit Schiffen aus Portugal, Kanada, den Niederlanden, Spanien und den USA. Deutschland will mit der Fregatte "Emden" und dem Versorger "Spessart" an dem am 24. März beginnenden Einsatz teilnehmen. Da die Bundesregierung für einen NATO-Einsatz gegen Piraten aber nicht das notwendige Mandat des Bundestages hat, hissen die beiden Schiffe der Bundesmarine für die Zeit des Einsatzes die EU-Flagge. Und die Parlamentarier lassen es sich gefallen.

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Die Bundesmarine hat erfolgreich das Abendprogramm des ZDF verteidigt: Ende letzter Woche war die deutsche Fregatte "Rheinland-Pfalz" im Rahmen der Anti-Piraten-Mission ATALANTA dazu abgestellt, die als ZDF-Traumschiff bekannte "Deutschland" durch die Gewässer am Horn von Afrika zu begleiten. Als Dank für die Mühe posierte der Kapitän des Kreuzfahrtschiffs, Andreas Jungblut, gemeinsam mit seinem Fernsehkollegen Siegfried Rauch mit der "Rheinland-Pfalz" im Hintergrund an der Reling. kann es einen schöneren Beleg für den Erfolg der Mission geben? Und was für ein Glück für Besatzung und Passagiere, dass die Piraten zu der Zeit noch nicht an die kenianische Polizei übergeben worden waren. So konnten sie sich zwischen Kapitänsdinner und Wellness-Anwendungen mal ein paar Schnappschüssen von richtigen Seeräuber machen. Da werden die Enkel zu Hause aber staunen.
 
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Eric Chauvistre
Eric Chauvistré, geboren 1965, promovierte nach dem Studium der Politologie und der Internationalen Beziehungen in Berlin und Canberra über Nuklearrüstung und militärische Interventionen. Er arbeitete als Korrespondent und Redakteur unter anderem für Reuters, die taz sowie das ZDF.
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