EtienneRheindahlen

Problem-Baer hebt Augenbraue

08.02.2009 | 22:59

Fürsorge-Opfer Glos: Chronik eines öffentlich erlittenen Burn-Outs?

Der traurige Glos will oder kann nicht mehr. Dann darf er nicht resignieren - und jetzt doch. Für mich stellt sich die Frage: hat denn niemand im Kreis der "Regierenden" gemerkelt, dass der Mann schon lange ausgebrannt und leer ist ? Abgesehen von der Fürsorge- und Treuepflicht der höchsten Wahl-Beamtin für uns, den (eigentlichen) Souverän dieses Staats - wie wird eigentlich die Fürsorgepflicht für den "Staatsbediensteten auf Zeit" Glos wahrgenommen...?

Flashback in time. Frau Merkel sitzt in der Berliner Elefantenrunde und nimmt wie viele andere die merk- und denkwürdigen Machtansprüche des Gerhard Sch. zur Kenntnis. Kopfschüttelnd und äh-schnaubend neben ihr: der Bayern überqualifiziertester Landesvater aller Zeiten, Edmund St. .
 
Nur Stunden später stehen folgende Absichtsbekundungen fest: die CDU/CSU will mit der SPD in Form einer grossen Koalition regieren. Mit dabei als prominenter "Super-Minister": Edmund St., der unter anderem als Wirtschaftsminister den Deutschen deren Wohlstand durch eine neue, digital blühende und global wegweisende Wirtschaft zu sichern und vermehren verspricht. Nun hat er sich ja oft versprochen, der Bayern-Edi - und auch hier erweist sich sein Versprechen als ... ja...äh, Missver...sprechen...? Er zieht seine Zusage als Doppel-Minister zurück. Und der einstige Müller und in Sachen parlamentarischer Gestaltungsarbeit eher mehlbleich gebliebene Michael Glos muss als ranghöchster, als christlich-sozialer Ober-Bayer für seinen Landesvater in die Bresche springen.

Von Anbeginn an blieb Glos blass. Presse-Auftritte und TV-Statements klangen sonor, ruhig und in jeder Hinsicht unaufgeregt. Was in anderer Konstellation ja als nicht unangenehm gewertet werden mag, führte im Bezug auf Glos bald zu der Annahme, dass der Christsoziale entweder mit jeder Menge Gottvertrauen - oder im Bewußtsein, die "heilenden Eigenkräfte der Wirtschaft" würden es schon richten, sein Amt wahrnahm.

Zeit-*Schnipp*: Die Immobilien-Krise in den USA wird zur Banken-Krise, die Lehman-Insolvenz löst eine Lawine aus. Und es ist nicht nur Hardcore-Ökonomen aufgrund der hinreichend bekannten Verflechtungen des globalen und virtualisierten Finanzsystems klar, dass die Lawine nicht im Nordatlantik versinken wird. Doch selbst mitten im Blizzard, als Merkel und ihr Finanzminister die ersten Schirme aufspannen - steht Glos unbeteiligt daneben. Äussert sich in Interviews fast einsilbig, wird immer stiller.

Wer die Bilder aus den letzten Wochen, die einen auf der Regierungsbank in sich zusammen gesunkenen Michael Glos zeigten, vor Augen hat: der Mann ist völlig ausgebrannt. Schon länger. Vielleicht sogar traumatisiert. Da mag oder da kann einer nicht mehr.

Die Merkel - nur wenige Armbreit daneben...hat die sich fürsorglich gerierende Bundeskanzlerin den waidwunden Glos an ihrer Seite (oder am Bein) nie wahrgenommen ?

Was ist oder war denn eigentlich mit des Müller-Michels einstigem Bank-Kollegen und nunmehrigen Doppel-Boß ? War Seehofer mit seinem eigenen Karriere-Management zu sehr beschäftigt ? Er, der doch selbst vor noch nicht allzu langer Zeit nach massivem Zusammenbruch dem "Boandlkramer" nur knapp entkam ? Wie gehen "die da oben" eigentlich mit "ihresgleichen" um ?

Abgesehen davon, dass weder CSU noch CDU für den durchaus absehbaren Fall des zusammenbrechenden Wirtschaftsministers einen personellen "Plan B" auf dem Schirm hatte. Wie man für so viele - zum Teil schon wesentlich länger absehbare Szenarien - keinen Notfall-Plan hatte. Von einer Strategie ganz zu schweigen. Man mag über politische Inhalte oder Schwerpunkte ja trefflich debattieren und disputieren - die Minima für professionelles Staats-Management sollten aber allgemein für alle verbindlich sein.

Ich meine, die Affäre um den ausgemahlenen Müllermeister lässt bedenkliche und deprimierende Rückschlüsse darauf zu, mit welcher Geisteshaltung unsere ranghöchsten Repräsentanten erst Menschen und Schicksalen, die nicht zu ihrer Polit-Kaste gehören, umgehen.

       
 
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Kommentare
S.E. schrieb am 08.02.2009 um 23:12
Es stimmt schon, das Abservieren von MG ist zirkusreif und ein Beispiel für die aktuelle bundespolitische Szene und lässt uns (als entmündigte Öffentlichkeit) tief blicken Aber: das Ressort des Wirtschaftsministers ist nicht das Ressort des Ministers für Senfeier und Müllers Lust, sondern in der Wirtschaftkrise, in der wir uns (ja leider!) bereits befinden, eines der zentralen Entscheidungsbereiche dieses Landes. Ein mutloses, nichtsagendes Gelaber, wie es von MG bislang nur kam, hilft uns nicht. Also, vielleicht kommt ja jemand mit mehr Durchschlagskraft? Nur wer, wer, wer? An Durchschlagskraft (im positiven Sinne) hapert es ja gerade unter den grauen Eminenzen im Bundesstadl.
EtienneRheindahlen schrieb am 08.02.2009 um 23:28
Absolut d'accord. Allerdings wollte ich jetzt die - zumindest von mir zu keinem Zeitpunkt geortete - Kompetenz des offenbar nach dem Motto "nix anfassen - nur gucken und brav sein" ins Amt befohlenen Michael Glos nicht explizit erörtern. Es ging mir lediglich um den Umgang im Berliner "inner circle".

Das seit Jahren seit Jahren schon fehlende Handeln in der Wirtschaftspolitik ist ein separates und wohl gigantisches Thema, für das wir und unsere Kinder noch sehr teuer zahlen werden.
S.E. schrieb am 08.02.2009 um 23:42
Ja, das wäre zu groß. Also, ich denke, dass der Umgang der Silberfischchen untereinander der von denjenigen ist, die sich nicht an die Macht gestritten haben (sprich politische Alphatiere) sondern sich erbarmungslos an die Macht gewartet und dabei nach allen Seiten geellenbogt haben: Steini, Angie und die ganze Gang. Die kamen von einem Tag auf den anderen aus dem nichts ohne dass jemand je vorher von ihnen gehört hätte. Leute wie Glos oder Beck, die noch eine soziale, integre weniger wadenbeißerische Komponente haben, haben da sichtbar keinen Platz in "der Mitte".
EtienneRheindahlen
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