Feilong

Die Erde ist rund basta!

15.11.2009 | 20:45

Eine Brise von rechts...

http://www.insidetalk.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/11/piraten1.png
Eine Brise von rechts...

Am 09.11.09 fand der 20. Jahrestag des Mauerfalls statt. Viele ehm. und heutige Staatschefs trafen sich zur “Dominoparty” in Berlin, um den 20. Jahrestag der Freiheit zu zelebrieren, wie es aus verschiedensten Medien hieß.
Doch eine Partei – die unter Gamern so beliebt ist – hat wohl ins Fettnämpfchen getreten.
In der Pressemitteilung der Piratenpartei vom 9. November hieß es <<Lehren aus zwei Unrechtsregimen nicht vergessen – Bürgerrechte stärken statt aushöhlen [...] Die Piratenpartei ruft anläßlich der Bedeutung des historischen Tages vor 20 Jahren dazu auf, die Lehren aus zwei Unrechtsregimen nicht zu vergessen und die unmenschlichen Taten von Organisationen wie der Gestapo oder der Staatssicherheit auf deutschem Boden nicht zu verharmlosen. >>
Das Problem an dieser Mitteilung ist, die Generalisierung der deutschen Geschichte. Anscheinend brauchen die Piraten Nachhilfe im Geschichtsunterricht, denn eine Gleichstellung des NS-Regimes und der DDR ist nichts weiteres, als eine Relativierung des Dritten Reiches.
Beide Systeme waren diktatorisch, doch agierte das Dritte Reich in einer ganz anderen Dimension, als die DDR. Zwar ging die Staatssicherheit undemokratisch und einschüchternd gegen Kritiker vor, aber das NS-Regime bzw. Gestapo beseitigte diese ohne Hemmungen. Auch die Zusammenlegung dieser zwei Daten ist eine Verharmlosung der Nazionalsozialisten, denn die Reichspogromnacht war ein Vernichtungsfeldzug gegen die jüdischen Gemeinden in Deutschland, etwas vergleichbares gab es in der DDR nicht. Die Beschneidung der Bürgerrechte unter den beiden Systemen ist ebenfalls nicht vergleichbar. Im Dritten Reich gab es überhaupt keine Rechte mehr, frei nach dem Prinzip, <<Wer nicht für mich ist, ist gegen mich>> wurden Kritker getötet oder anderweitig beseitigt.

Die DDR war ein diktatorischer Staat, ein Produkt des Kalten Krieges und des Stalinismus, doch ein Vergleich mit dem Dritten Reich ist einfach nicht möglich, denn dies würde bedeuten, dass die DDR gleich mit einem Regime wäre, dass verantwortlich für sechs Millionen tote Juden, für ca. 60 Millionen Kriegstote und der Ausrottung jeglicher politischer Kräfte außerhalb der NSDAP waren. Nach solchen Beiträgen, kriegt die Zurückhaltung der PIRATEN zu politischen Themen, eine ganz neue Bedeutung, anscheinend will man sich offen in jede politische Richtung zeigen.
Besser hätte die NPD keinen Vergleich zweier Systeme hinkriegen können.


*Quelle : insidetalk.de
* Matthäus 12,30 <<Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.>>
*der ganze Artikel : www.piratenpartei.de/Piratenpartei-zum-Jahrestag-des-Mauerfalls

 
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Kommentare
Lago schrieb am 15.11.2009 um 21:10
Ich möchte hier heftigst widersprechen! Ich finde die nummerische Zusammenfassung "zwei Unrechtsregime" nicht als Gleichsetzung auf irgendeiner anderen Ebene als eben der, dass es sich um Unrechtsregime handelte. Und das kann meines Erachtens weder beim Regime der SED noch dem der NSDAP bestritten werden.

Aus Sicht eines Bürgerrechtlers sind beide Regime derart weit von der Akzeptabilität entfernt, dass sich eine solch nummerische Zusammenfassung geradezu aufdrängt. Das mag außerhalb des reinen Bürgerrechts-Blickwinkels ungerechtfertigt oder pauschal scheinen.

Aber daraus einen solchen Vorwurf wie den der Verharmlosung, ja sogar einen tendenziösen Untertitel "eine Brise von Rechts" aufzubauen, erscheint mir arg konstruiert.

Ich selbst finde viel kritisierenswertes an der Piratenpartei oder an idiotischen SED/NSDAP-Vergleichen, aber hier wird eine Gedankenreinheitskontrolle gefordert, die nun wirklich jedes vernünftige Maß übersteigt ...
Feilong schrieb am 15.11.2009 um 21:24
Zur Akzeptabilität stimme ich dir zu, denn aus bürgerrechtlicher Sicht, sind beide Regime Unrechtsstaaten, allerdings ist die Ignoranz des nummerischen Aspekts ebenfalls nicht zu aktzeptieren.

Übrigens haben es so einige auf der Seite der PIRATEN, ähnlich verstanden mit der Gleichsetzung der Regime, dass können Sie gerne nachlesen.

Mit freundlichen Grüßen
jayne schrieb am 15.11.2009 um 21:22
ich finde die kritik an den äußerungen der piratenpartei berechtigt - was deren vertreter hier von sich geben, hat sehr wohl etwas mit relativierung des ns-regimes zu tun, wenn man so unreflektiert einer totalitarismus-theorie folgt, die in unserer republik fast selbst schon so etwas wie eine doktrin darstellt. Zudem wird gerade auch in diesem jahr die rückschau auf die ddr als unrechtsregime derart politisch gegen alles linke und linksverdächtige instrumentalisiert, daß es beinahe schon unerträglich ist ...
Lago schrieb am 16.11.2009 um 00:22
Was die Piraten an anderer Stelle machen, weiß ich nicht, ich habe sie seit längerer Zeit nicht mehr auch nur periphär verfolgt.

Das hier gezeigte Beispiel allerdings ist meines Erachtens nicht verdammenswert. Selbst sprachlich werden SED- und NSDAP-Regime nicht gleichgesetzt - "die Lehren aus zwei Unrechtsregimen nicht zu vergessen" macht nämlich gar keine Aussage zur genauen Beziehung der beiden Regime. Stünde da "... aus _den_ beiden Unrechtsregimen ..." könnten Überempfindliche wegen der darin enthaltenen Abgrenzung vielleicht noch aufschreien. So aber ...

Ich finde diese vorsichtige Zusammenfassung völlig harmlos, genauso könnte man von "nach zwei Weltkriegen" sprechen, ohne unmittelbar dadurch die qualitativen Unterschiede von 1. und 2.Weltkrieg zu leugnen.

Dazu kommt, dass sich ja die Zusammenfassung ins Nummerische - so vermute ich - auf die individuell-bürgerrechtliche Komponente bezieht. Diese wurde in beidem Regimen sehr ähnlich behandelt: Sie wurden vollständig unterdrückt. Dass das NSDAP-Regime darüber hinaus noch die Juden, Zigeuner, Kommunisten, Behinderten usw. usf. vernichten wollte bzw. dies tat, spielt doch in diesem Blickpunkt zunächst einmal gar keine Rolle. Und hier zumindest räume ich sogar der Piratenpartei ein, über das Aspekte des NSDAP-Regime reden zu dürfen, ohne jedesmal diesen ohnehin jedem bekannten Fakt anhängen zu müssen.

Natürlich suggeriert der Satz einen Vergleich zwischen den beiden Unrechtsregimen - meiner Einschätzung nach, ohne den genaueren Kontext zu kennen, wohl den im Bezug auf den Umgang mit individuellen Freiheitsrechten - und in diesem Punkt ist der Vergleich weitestgehend zulässig. Ein Vergleich ist ja immer "schief" insofern er Dinge, die sich unterscheiden, vergleichen muss. Sonst wäre er ja eine Tautologie.
luggi schrieb am 16.11.2009 um 00:36
Die Stasi war besonders unmenschlich, wenn sie Nazis und Kriegsverbrecher aufspürte.
Feilong
Viel ist passiert und ich schreibe mal wieder ein wenig ;)
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luggi hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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DandelionWine hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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