
Die Ausgangslage
Chile steht zum ersten Mal seit dem Ende der Pinochet-Diktatur vor 20 Jahren, vor einem Regierungswechsel, Umfragen zufolge liegt der rechtskonservative Milliardär Sebastián Piñera vorne - gewänne Piñera, dürfte Chile einen deutlichen Rechtsruck erwarten. Die Amtsinhaberin Michelle Bachelet kann nicht mehr kandidieren, da laut der chilenischen Verfassung eine direkte Wiederwahl nicht möglich ist. Dies ist schlecht für die Concertación de Partidos por la Democracia (Koalition der Parteien für die Demokratie), da Michelle Bachelet ein Sympathieträger im Land ist, die sich schon 2006 bei den Wahlen gegen den Milliardär Piñera durchgesetzten konnte. Für die Mitte-Links-Koalition geht der Christdemokrat Eduardo Frei Ruiz-Tagle - der Sohn des ehemaligen Präsidenten von Chile Eduardo Frei Montalva und Pinochet-Unterstützer -, ins Rennen, der bereits von 1994 bis 2000 Staatspräsident war.
Allgemeines zu Sebastián Piñera
Miguel Juan Sebastián Piñera Echeñique ist am 1. Dezember 1949 geboren und studierte Wirtschaftswissenschaften an der Pontificia Universidad Católica de Chile (PUC), der römisch-katholischen Universität des päpstlichen Rechtes in Santiago de Chile. Für sein erfolgreiches Studium erhielt er einen Preis, der es ihm ermöglichte an der renommierten Harvard University einen Master zu erlangen.
Heute ist er Mitglied des Vorstandes der Latin-America Network-Airlines und besitzt einen Privatsender (Chilevision). Im Jahre 2006 stelle er sich zum ersten Mal zur Wahl, scheiterte jedoch an Bachelet.
Man geht davon aus, dass Piñera sich den USA und Kolumbien annähert, um ein Rechtes-Bündnis gegen das Anti-Yankee-Bündnis - wie es der venezolanische Staatspräsident Hugo Chavez nennt -, zu stärken. Chile ist eines der Wohlhabendsten Länder Lateinamerikas, durch eine gute Wirtschafts- und Sozialpolitik in der Post-Pinochet-Zeit. Zu erwarten ist, dass Piñera vor allem in der Sozialpolitik wenig für die Armen in der Bevölkerung machen wird und stattdessen die Interessen der Wirtschaftselite vertreten wird, der er selbst angehört.
Allgemeines
Nach einschätzung von Chile-Experten wird sich aber nichts drastisches ändern in der Wirtschafts- und Sozialpolitik.
Auch die Concertación (Mitte-Links-Bündnis) hatte ein sehr guten Draht zur Wirtschaft und Industrie, die heutigen Linken in Chile sind auf gar keinen Fall gleichzusetzten mit denen in Bolivien oder Venezuela, sie unterscheiden sich massiv in ihrer wirtschaftlichen und sozialpolitischen Ausrichtung. Das einzige was sich massiv ändern wird - und da sind sich fast alle Experten einig -, ist die Außenpolitik, die sich gegen die Bolivarianische Allianz für Amerika (span. ALBA) stellen wird, dies war aber auch kein allzu großer Unterschied unter Bachelet, die kein Mitglied dieser Organisation war, aufgrund starker Zwänge der Wirtschaftselite, doch hegte sie im Gegensatz zu Piñera Sympathien für die ALBA.
Deshalb kann man von Not oder Elend sprechen, denn die Chilenen haben die Wahl zwischen einem Milliardär, Medienmogul und einem Mann der ein guten Draht zu Menschen aus der alten Diktatur hat, oder einem Konservativen, der eine ähnliche Politik vor Augen hat und dessen Vater sogar ein Befürworter Pinochets war.
Quelle : insidetalk.de
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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