Keine Zeitung und kein Magazin kommt diese Woche ohne ihn aus: Karl-Theodor mit den vielen Vornamen zu Guttenberg. Einst war er der große Strahlemann, der Liebling der Massen.
Aber der schöne Schein hat einige Kratzer bekommen. Erst gab es Stress in Afghanistan, dann die Vorfälle auf der Gorch Fock, die umstrittene Kerner-Talkshow und jetzt die Plagiatsvorwürfe bezüglich Guttenbergs Doktorarbeit.
Diese Imageschäden werden weitreichendere Auswirkungen auf die politische Kultur in Deutschland haben als die Gefährdung seines Amtes als Bunderverteidigungsminister.
Denn, völlig losgelöst von jeglicher inhaltlicher Diskussion über seine Politik, war Guttenberg zu Recht eben dieser Strahlemann, fast schon eine Ikone, so stellte er sich zumindest dar. Wo wir auch schon direkt beim Punkt sind: „Guttenberg ist ein Selbstdarsteller“ - So oder so ähnlich war es landein, landaus zu lesen und zu hören. Man sollte sich allerdings eher die Frage stellen wer auf dem großen politischen Parkett dies denn nicht ist. Oder kurz gesagt: Guttenberg definiert sich nicht durch die Tatsache allein, dass er ein Selbstdarsteller ist. Sondern vielmehr dadurch, dass er im Selbstdarstellen einfach in einer anderen Liga spielt als der Rest unserer prominenten Politiker.
Aber die Deutschen tun sich schwer mit Charismatikern, der biedere Politker hat Tradition in der Bundesrepublik.
Oder anders gesagt: Vielleicht verköpert Guttenberg die kleine Prise Populismus, die unserer Politikkultur angesichts der immer wieder gern zitierten Politikverdrossenheit, gerade unter Jugendlichen, mitunter ganz gut tun würde.
Aber in dieser Funktion wird der Freiherr auch in Zukunft ziemlich allein dastehen, denn der Prototyp Guttenberg ist eine gefährliche Position geworden. Die aktuellen Entwicklungen um seine Person werden eventuelle Nacheiferer abschrecken und damit wahrscheinlich dafür sorgen, dass unsere politische Kultur dann doch nochmal so eintönig und bieder bleibt wie sie ist.
Seine politischen „Vergehen“ sind damit nicht zu rechtfertigen, aber doch muss sich der Wähler denken: „Dumm gelaufen!“.
Es hätte noch so spannend werden können mit dem Protoypen.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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