Gelegentlich der Urlaubsreise in Rom aufgefallen, welch niedere Motive zu später (buchstäblich:) angesehensten Sehenswürdigkeiten führen.
Die Lust, beim Töten zuzuschauen, brachte das Kolosseum hervor. Die Verwandlung eines Glaubens in eine Bereicherungsmaschine führte zu den unermesslichen Kunstschätzen des Vatikans und den Sammlungen seiner Kardinäle.
Wir bestaunen die Wucherungen der Gier.
Vernunft und Bescheidenheit lassen eher selten Sehenswürdigkeiten entstehen.
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Besondere Verwirrung des norwegischen Orientierungsgestörten.
Doch wie viel hat die auch auf ihn angewandte Bezeichnung "Fundamentalist" eine Berechtigung? Ich frage mich das jedes Mal, wenn ich diesen Begriff höre oder lese.
Was haben zum Beispiel religiöse Fundamentalisten mit den Fundamenten ihres Glaubens zu tun?
Hat der Fundamentalist nicht (wenn der Glauben löblich) eben jene Fundamente verlassen?
Oder hat jedes Anschauungssystem wie eine Religion oder Ideologie die Potenz des Hasses und der Wut, sobald sie eifrig genug verfolgt wird?
Im ersten Fall sollte man den Täter begrifflich nicht mit Fundamenten in Verbindung bringen.
Der zweite Fall mag lehren, von Anschauungssystemen immer ein Mindestmaß Distanz zu halten.
Warum sonst heißen die Friedfertigen immer "die Gemäßigten"?
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Die Jugend-Proteste, besonders entflammt jüngst (und gelöscht?) in England. erscheinen blind, weil sie keine Theorie haben.
Es gibt keine Ideologie mehr, kein Weltveränderungskonzept.
Der Mangel an solchen geistigen Fackeln resultiert daraus, dass alle Erlösungs-Theorien widerlegt sind oder gescheitert, salonunfähig (auch gemacht).
Tausende Spaß-Angebote haben zudem den Ernst längst für uncool erklärt.
Es bleibt bei Bedarf der Empörung nur noch Fenster einzuschlagen oder Autos anzuzünden.
Es ist die Ohnmacht der Orientierungslosen.
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Das Unterbewusstsein riegelt energisch ab.
"Geschichtsklitterung!", ruft es aus der Unionsfraktion, wenn man die rührselige Geschichtsklitterung des so genannten Mauergedenkens anspricht.
Sofort als Freund des Einmauerns wird verschrien, wer sanft daran erinnert, dass es keine Mauer gegeben hätte, wären 1939 und erst recht 1941 alle Deutschen schön zuhause geblieben.
Sie haben sich aber als teilbare Beute aufgedrängt.
Doch jede Buße ist ihnen unzumutbar.
Für Krieg und Gaskammer akzeptieren sie keinen Preis. Ihnen ist immer nur Unrecht geschehen. Die Opferrolle ist einfach zu schön.
Dieses Volk bleibt Verdrängungsweltmeister.
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Aus der Fairness heraus, nicht vorverurteilen zu wollen, eine Leseprobe der "Schoßgebete" der Charlotte Roch heruntergeladen (man möchte fast formulieren: "heruntergeholt").
Nun schreiben auch Viele gleich, es sei unfair, nach nur der Leseprobe probehalber zu verurteilen, aber ich hätte auch bei Vollkauf nach zwei Seiten abgebrochen und dafür meinen guten Grund.
Denn wahrhaft schrecklich ist diese mechanische Pornographie, und man sollte sie nicht in sein Leben lassen, wenn einem noch an Lust gelegen ist.
Wie ein Pianola, das Chopin spielt. Tot, klirrend, arm.
Mühelos hat die Pornographie nunmehr den "seriösen" Buchmarkt besetzt wie eine Schlammlawine, die bei Hochwasser aus dem Gully steigt. Allen Reiz des Körperlichen reißt sie fort und macht ihn banal.
Ich bin sehr froh, noch die Zeit erlebt und ausgelebt zu haben, da Sex trotz allerhand Aufklärung immer noch eine Grenzübertretung und Schamüberwindung und damit erst aufregend war.
Was tun mir alle Leid, die so brachial ernüchtert werden.
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Gleich noch einmal habe ich mich grantelnd wider den galoppierenden Zeitgeist gestellt und den Facebook-Account gekündigt.
Hatte in diesem trotz neugieriger, freundlicher Zuwendung keine menschgemäße Art und Weise der Kommunikation entdecken können.
Vor allem, dass manche Mitteilung durch die nicht überschaubare Vernetzung auch Unbekannten zugestellt wird, irritierte, ja blockierte mich.
Schon normale Internet-Foren erweisen sich mir oft als Potenziermaschinen der Missverständnisse.
Und was eigentlich sucht die Facebook-Kommunikation? Bestätigung, Anerkennung, doch nicht Widerwort?
Dazu wird alles Flüchtige sauer eingelegt, bis es rasch in Müll und Vergessen versinkt.
Die Entscheidung zwischen "Gefällt mir" und "Gefällt mir nicht" ist dann auch wirklich zu stumpfsinnig.
Menschen mit der umfangreichsten Netz-Kommunikation, beobachte ich, sind oft im wirklichen Leben verstummt oder kaum erreichbar, rufen zum Beispiel niemals mehr an, geschweige, dass es altmodische Einladungen gibt.
Mit der geschwätzigen Vernetzung hat sich das eigentliche Schweigen ausgebreitet.
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Sehr beruhigt gewesen, als "Bild", aber auch "Spiegel" vom großen globalen Bankrott titelten, dem Riesen-Börsen-Absturz. Was so beunkt wird, kommt nicht.
Katastrophen wurden noch nie von Headlinern vorherbestimmt.
Zeitungen handeln ja nicht mit Tatsachen, sondern mit Angst.
Daher darf man beruhigt sein, wenn sie den Welt-Untergang hinausposaunen und beängstigt, wenn sie die Ruhe preisen.
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Und noch einmal was aus dem Urlaub: warum nur laufen deutsche Senioren so gern in diesen khakifarbenen Patronenwesten herum, in welchen sie wie "Volkssturm im Golfkrieg" aussehen?
Hat wieder einmal das Wort "praktisch" jedes Stilempfinden erstickt oder ist es verbliebene preußische Restmilitanz?
Auf den ersten Blick wirken sie in Verbindung mit dem deutschen Standard-Miesepeterblick, als sollte man ihnen auf keinen Fall die nächste Rentenerhöhung streitig machen.
Aber die Schlaufen in der Kampf-Weste beherbergen höchstens einen Kugelschreiber für das Kreuzworträtsel. Oder Medikamente. Aus der Kampfweste wurde die Krampfweste.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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