Frans-von-Hahn

Frans von Hahn

15.05.2009 | 14:02

Hamburg macht Pläne - Planen wir mit ?

Hamburg macht Pläne - Planen Sie mit !
So lautet der Titel einer Broschüre mit der die Senatorin für Stadtentwicklung und Umwelt der Freien und Hansestadt Hamburg Anja Hajduk (GAL) den Bürgern die Bauleitplanung in Hamburg nahe bringen möchte.

„Beteiligen Sie sich und bringen Sie Ihre Interessen und Kenntnisse in den Planungsprozess ein.“ so steht die Aufforderung im Vorwort der Broschüre.

Kirche St. MichaelIn unserer unmittelbaren Nachbarschaft gibt es einen alten Friedhof auf dem keine neuen Gräber mehr angelegt werden. Seit vielen Jahrzehnten ist es ein öffentlicher Park.[Grabsteine im ParkVereinzelte alte Grabsteine erinnern noch an die vorherige Nutzung.Spielplatz an der KircheIn der Mitte des Parks befindet sich eine evangelische Kirche, am nördlichen Rand ist ein Kinderspielplatz.

 

Dieser Park wird gerne von den Anwohnern genutzt. Die alten hohen Bäume spenden Schatten im Sommer und zusammen mit den stattlichen Rhododendronhecken lassen sich die Wechsel der Jahreszeiten erleben. Die Kinder aus dem Kindergarten der Kirche spielen im Park und auf dem Spielplatz neben der Kirche.

Ein selten gewordenes Idyll in der Großstadt.

Die Umgebung ist ein beliebtes Wohngebiet. Viele Häuser in der Straße sind erkannte Denkmäler nach § 7a des Hamburgischen Denkmalschutzgesetzes. Die Straße führt direkt auf die historische Hamburger Sternwarte zu, welche sich um die Aufnahme in das Weltkulturerbe der UNESCO als repräsentative Stätte der Astronomiegeschichte beworben hat.

Die Freie und Hansestadt Hamburg möchte jetzt direkt am Park ein Grundstück verkaufen. Ein viergeschossiger Neubau ist in der Planung, der von einem privaten Investor gebaut werden soll. Der Park wäre dann nicht mehr durch die Rhododendronhecken begrenzt. Hohe Mauern eines Mehrfamilienhauses mit hochwertigen Wohnungen würden diese ersetzen.

Für den 13.05.2009 hatte das Bezirksamt Hamburg-Bergedorf die Bürger zu einer öffentlichen Plandiskussion eingeladen. Hier sollte jeder Interessierte die Gelegenheit haben, mit den Vertretern des Stadtplanungsausschusses und der Verwaltung über die geplante Bebauung zu diskutieren.

PlanvorstellungIn der Aula der benachbarten Schule fanden sich viele Bürger ein, um ihre Meinungen zu dem geplanten Neubau in die Diskussion einfliessen zu lassen. Ein Vertreter der Stadtentwicklungsbehörde stellte die Pläne nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten zeitgemäß mittels einer PowerPoint Präsentation vor.

 

Zuvor wurde dem Publikum in einem längeren Referat ein Einblick in das Verwaltungsrecht gegeben. Die einzelnen Stufen des Planungsprozesses wurden erläutert und die Möglichkeiten der Mitsprache gezeigt. Diese Veranstaltung war ein Teil dieser Mitwirkungsmöglichkeiten der Bürger. Die nächste Möglichkeit ist eine schriftliche Eingabe von Änderungswünschen.

Durch Nachfragen aus dem Publikum, wie weit die Anliegen der Bürger bei der Entscheidung Berücksichtigung finden werden, kam ein zentrales Element des Planungsprozesses zu Tage.

Am Ende entscheidet der Bezirksamtsleiter, ob die Wünsche der Bürger berücksichtigt werden und ob die Bebauung wie geplant durchgeführt wird.

Diese Erkenntnis wäre ein guter Grund gewesen, die Veranstaltung zu verlassen und sich Gedanken über das Planungsrecht, unter besonderer Berücksichtigung der bürgerlichen Mitwirkungsmöglichkeiten, zu machen.
Dennoch blieb die Mehrzahl der Besucher und machte sich durch deutlich hörbares Entsetzen über die Ausmaße des geplanten Objektes bemerkbar.

Die anschließende Diskussion begann mit den mahnenden Worten eines Besuchers, sich daran zu erinnern, dass es sich bei dem Park um einen ehemals jüdischen Friedhof handelt.
Weiterhin kamen viele Fragen, warum es nicht möglich sei, auf einem wenige Meter entfernten ungenutzten Hubschrauberlandeplatz zu bauen. Dieses Gelände ist wesentlich größer und bietet daher mehr Platz für den Wohnungsbau.
Doch liegt es in der zweiten Reihe und kann deshalb nicht mit dem herausstechenden Merkmal eines Blickes vom Geesthang bis weit in die Harburger Berge glänzen.

Alle Fragen wurden durch den Referenten mit Hinweisen auf die Bevölkerungsentwicklung und das verwaltungsrechtliche Verfahren routiniert beantwortet.

Zwei Besucher der Veranstaltung hatten ein besonderes Interesse an der weiteren Verwendung des Grundstücks.
Sie haben vor wenigen Jahren ein altes Haus direkt an der Grenze zum Park gekauft und es für sich und ihre Kinder renoviert. Es war allen Besuchern schnell klar, dass das alte Haus durch einen Neubau, wie immer der auch gebaut wird, förmlich eingezwängt wird.
Nicht nur die Tatsache, dass dem Haus und Grundstück erheblich Sonnenlicht fehlen würde, sondern auch die Vorstellung, dass den Bewohnern des Neubaus ein Blick in den dann ungeschützten Garten ermöglicht wird, zeigten, dass das alte Haus erheblich an Attraktivität und damit auch an Wert verlieren würde.

In der folgenden Diskussion wurde klar, dass es bei dieser Veranstaltung nicht darum ging, ob das Grundstück überhaupt bebaut wird. Vielmehr sollten nur die unterschiedlichen Pläne vorgestellt werden, um den planungsrechtlichen Verfahren zu entsprechen.

Zu diesem Zeitpunkt haben wir entschieden, uns den vorzeitig Gehenden anzuschliessen. Nachdem wir eine Liste , die sich gegen die Bebauung ausspricht, unterschrieben haben, nahmen wir den Weg durch den Park. Der Rhododendron fing an zu blühen und die Abendsonne entschädigte uns für die verschwendete Zeit.

 
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