fred

Quovadis Internet

13.02.2009 | 14:11

Einführung der Zensur mittels Geheimvertrag?

Wie gerade bekannt wurde, hat das Bundeskriminalamt im Auftrag des Innenministeriums den deutschen Internetprovidern einen Vertrag zukommen lassen, den diese unterschreiben und geheimhalten sollen. Wesentlicher Inhalt: Das BKA übermittelt den Providern Websites, für die sie den Zugang innerhalb einer Frist von maximal sechs Stunden sperren müssen. Die Beteiligten werden zur Geheimhaltung verpflichtet und damit ist für betroffene Betreiber der Rechtsweg fast ausgeschlossen.
Der Chaos Computer Club stellt hierzu heute in einer Stellungnahme fest: "Warum das BKA nicht sofort durch polizeiliche Ermittlungsarbeit gegen die auf der Zensurliste gelisteten Urheber derartiger Materialien vorgeht, bleibt völlig unklar. Der CCC sieht 
dadurch bestätigt, dass nicht die tatsächliche Bekämpfung der Kinderpornographie und der Schutz der Kinder, sondern die Schaffung einer Zensurinfrastruktur im Vordergrund stehen."
Das Verfahren soll ohne Schaffung einer echten Gesetzesgrundlage unter Umgehung des Parlaments mit Änderungen der zivilrechtlichen Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Internetserviceprovider installiert werden.   
 
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Kommentare
odradek schrieb am 13.02.2009 um 15:43
Stellungnahme und Vertag finden sich hier:
http://www.ccc.de/press/releases/2009/20090213/

Fefe kommentiert das natürlich auch:
http://blog.fefe.de/?ts=b76b9d7a
Ein seltsamer Vertrag, denn dem ISP wird ja gar keine Leistung angeboten aus der er einen Nutzen ziehen könnte. Er soll die Sperren implementieren, dies in die AGBs übernehmen und wird dafür nicht einmal bezahlt (Seine 'Vermögensschäden' werden ihm ersetzt). Diese einzige Notwendigkeit diesen Vertrag zu unterzeichnen bestünde darin, ihn zu solchen Sperrungen zu verpflichten.

Das ganze funktioniert so, daß die ISP ihre DNS Datenbanken mit der geheimen Liste abgleichen und alle gesperrten Anfragen auf eine vom BKA zur Verfügung gestellte Seite umlenken sollen. Die würde dann so aussehen:

Die technischen Details sind soweit ich das sehen kann, haarsträubend.
fred
Wenn ich im Fernsehen 10 Mal am Abend von Tagesschau über Kerner, Pocher und alle weiteren die Aufforderung erhalte, doch ihre Website zu besuchen, frage ich mich, ob ein kleiner Teilnehmer überhaupt noch eine Chance hat, in einem von Monopolen beherrschten Internet wirtschaftlich zu überleben.
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