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Die Freiheitsliebe

10.02.2012 | 00:54

Israel steht still – Die Macht der Einigkeit

In vielen internationalen Medien wurde über den gestrigen Generalstreik in Israel berichtet. Über eine halbe Million Menschen haben sich an diesem beteiligt. Auslöser für den Generalstreik war die miserable Bezahlung von Leiharbeitern im öffentlichen Dienst und Teilen der Privatwirtschaft. Aufgerufen zu diesem Streik hatten die verschiedenen Gewerkschaften. Der Streik an sich war ein wichtiges Ereignis bei dem die Arbeitnehmer ihren Einfluss zeigen konnten. Wichtiger war aber ein Aspekt den die meisten Medien übersehen haben.

Beim Streik standen sie alle nebeneinander christlische, muslimische, jüdische und atheistische Arbeiter, sie alle demonstrierten gegen die schlechte Bezahlung . In einer für Israel einmaligen Einigkeit demonstrierten sie nebeneinander und ließen sich nicht trennen.

Gemeinsam gegen die Ausbeutung 

Viel wird darüber gesprochen, wie man die Aussöhnung von Palästinensern und Israelis fördern kann, bis auf wenige Projekte wie “Ein Bustan” ist dabei aber nichts zählbares herausgekommen. Der gestrige Generalstreik war daher etwas besonders, denn er schaffte es die Spaltung der Gesellschaft zu überwinden und ließ die Arbeiter erkennen, dass sie einen gemeinsamen Feind haben, den Neoliberalismus. Die Ausbeutung von Leiharbeitern und die schlechten Löhne in der Privatwirtschaft betreffen sowohl israelische Juden als auch israelische Palästinenser, am gestrigen Tag scheinen sie erkannt zu haben, dass der Krieg nur ein Mittel ist um von den wahren Problemen im Namen Osten abzulenken.

Die Armut in der israelischen Gesellschaft schreitet immer weiter voran und die Regierung unternimmt nichts um diese Tendenzen zu stoppen, stattdessen werden Unsummen in Militär und in menschenrechtswidrige Siedlungen investiert. Die Arbeitnehmer, ob nun in Tel Aviv, Nazareth, Haifa oder Eilat profitieren nicht von diesen Ausgaben. Bis jetzt schien es so als schenkten sie Regierung und Medien glauben, wenn diese darüber berichteten, dass die Siedlungen ihnen nützen würde. Die Proteste im vergangenen Sommer, bei denen Hundertausende auf die Straßen gingen, waren  ein Vorzeichen das es ein Wandel geben kann und die Menschen erkennen, dass die Siedler nicht ihre Freunde sind.

Die Preise in Tel Aviv und den anderen großen Städten sind hoch und für die meisten Menschen fast nicht mehr zu bezahlen, der Staat kann diese nicht bezuschussen, da er Siedlungen baut, die viel Geld verschlingen. Die 500.000 Menschen, die am gestrigen Tag auf den Straßen waren, haben nicht nur für höhere Löhne demonstriert, sie haben auch ein Zeichen gesetzt für eine Einheit aller Arbeitnehmer in Israel gegen die unsoziale Politik des Staates und gegen die Bezuschussung des Siedlungsbaus.

Wenn man den Wandel im Nahen Osten wirklich vorantreiben will, dann ist es wichtig Generalstreiks und ähnliche Aktionen zu unterstützen, denn sie zeigen den Menschen, dass sie ausgebeutet werden  und ihre Religion dabei keine Rolle spielt. Israel stand gestern still, weil die Arbeitenden es wollten und einmal zu erkennen schienen, dass ihr Hass auf die andere Seite nur dazu geführt hat, dass die Rechte der Arbeitnehmer immer weiter zurückgedrängt wurden, im Namen des Staatshaushaltes und der Sicherheit.

Die Arbeitenden im Nahen Osten sind erwacht und wenn sie die Aktionen fortsetzen, dann haben sie die Kraft gegen soziale Ungerechtigkeiten vorzugehen und auf diesem Weg zu erkennen, dass sie alle benachteiligt werden. Vielleicht erkennen die israelischen Arbeiter irgendwann, dass die Entrechtung von Muslimen und Christen sie nicht stärkt, sondern ihre eigene Entrechtung schon geschehen ist.

 

 
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Kommentare
goedzak schrieb am 10.02.2012 um 11:39
Danke für diesen Artikel!
Eine solche Sichtweise kann nicht hoch genug geschätzt werden. Ich meine den Hinweis darauf, dass üblicherweise die Konflikte und Interessengegensätze in dieser Welt entlang von nationalen, religiösen und ethnischen Trennlinien dargestellt und interpretiert werden - und im Umkehrschluss dann Politik und Widerstand ebenfalls nach diesen Kriterien ausgerichtet werden, wie das ja inzwischen auch fast schon der größte Teil der Linken tut.
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Georg von Grote hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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