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„Auf der westlichen Seite eine tiefe Unlust, grundsätzliche Fragen von undankbaren Leuten aufgenötigt zu bekommen. Auf der anderen Seite die Unlust, sich für sein eigenes, angeblich falsches Leben von selbstgerechten und nicht wirklich zuhörenden Leuten immer wieder rechtfertigen zu sollen“, liest Daniela Dahn und im Publikum erhebt sich ein zustimmendes Gemurmel. Da ist sie schon wieder dieses deutsche Beleidigsein und die Selbsterhöhung über jene "auf der westlichen Seite" (die zum sterbenden und parasitären Kapitalismus Gehörenden). Der sowas Äußernden kann man nun wirklich nur schwer zuhören. Es ginge auch um Demokratiedefizite, um eine grundsätzliche Kritik des Kapitalismus und um eine Analyse der gegenwärtigen Banken- und Wirtschaftskrise, heißt es. Oh hätte die Autorin ihre grundsätzliche Kritikfähigkeit doch bloß schon entdeckt, als sie noch was kostete. Wie würde eine wirklich demokratische Marktwirtschaft aussehen? Wie müsste der ideale Staat beschaffen sein? Daniela Dahn gibt auf alle Fragen Antworten (okay, die Partei hat immer noch Recht...und der Marxismus ist allmächtig weil er wahr ist). Warum erwäge kaum jemand, die angeschlagenen Banken einfach pleite gehen zu lassen? (Schönen Dank auch dass sie mit meinen Ersparnissen so großzügig umgehen möchte...). Dass ihr Erhalt wirklich unbedingt notwendig ist, um das Finanzsystem zu stabilisieren, sei noch lange nicht erwiesen, sagt sie. Sie warnt vor der fortschreitenden Entmündigung der Bürger (am meisten beklagt wurde die Entmündigung in Deutschlands Geschichte noch immer von den DDR-Oppositionellen, und zwar mit gutem Gründen, schon vergessen wieviele Bücher, Filme und einfachste demokratische Gepflogenheiten dort verboten waren?) und fordert neue basisdemokratische Beteiligungen (auch sehr originell...). Und auf eine Frage aus dem Publikum nach der Zukunft der Marktwirtschaft antwortet sie, dass es künftig mehr gemischte Eigentumsformen geben müsse. Das bisherige System könne jedenfalls nicht mehr so weiterbestehen. „Sehen Sie, es geht auch darum, die Dinge, die man 50 Jahre lang gewohnt ist, einfach mal andes zu denken". Andersdenkende sperrte man ein - wo war das noch gleich?... Ins 3sat-Studio zum nächsten Termin kamen die jedenfalls nicht.
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[Zitat]Daniela Dahn gibt auf alle Fragen Antworten[/Zitatende]
1er Eindruck: PR in eigener Sache, nicht neutral der besprochenen Autorin gegenüber (wenn man durch Mitarbeit von jemandem abhängt ist das - rum wie num - nicht weit entfernt von bezahlt Werden). 2er Eindruck: Die Arbeit ihres Freundes im Rahmen der Stiftung scheint die besprochene Autorin recherchiert zu haben und plausibel wiedergeben zu können. Bis dahin erhellend. Aber welche Recherchen zu ihrem Buch stecken hinter ihren Antworten auf alle möglichen anderen Fragen - vom "weichen" B wie "Banken" bis zum "harten" wie "Parteien" ? Da schließe nun ich armer Tor mich so klug als wie zuvor meinem Vorredner an und sehe ganz betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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