Friedland

Friedland fragt

02.11.2009 | 14:38

Die Mutti der Union

Merkel. Mal wieder. Doch es geht nicht anders, dies muss jetzt raus. Angela Merkels Spitzname in Unionskreisen lautet „Mutti“, das hatte bereits vor Monaten u. a. das Investigationsmedium RP-Online gemeldet:

„Merkel also wird in Unionskreisen gelegentlich "Mutti" gerufen. Seinen Ursprung findet Merkels Spitzname auf dem CDU-Parteitag Anfang Dezember in Stuttgart. Dort hatte die Partei- und Regierungschefin die schwäbische "Hausmutti" als Kronzeugin für den Umgang mit der Weltwirtschaftskrise angeführt.“

Doch was steckt dahinter? Eine Frau, die keine eigenen Kinder hat, wird gar nicht heimlich von ihren Parteikollegen (sind auch Kolleginnen darunter?) „Mutti“ genannt. Nicht etwa ehrfurchtsvoll „Mutter“, sondern despektierlich-verharmlosend „Mutti“. Dabei hängen die nicht mehr jungen, nicht mehr wilden Kerle doch alle an Frau Merkels Hosenanzugzipfeln und hoffen insgeheim auf einen Fehl(auf)tritt der Kanzlerin.

Von der Mutti der Union ist es dann nur noch ein kurzer Schritt zur Mutter der Nation. Dieser Titel war und ist gemeinhin aber Inge Meysel vorbehalten, die 2004 verstarb.

„Inge Meysel habe sich mit ihrem unverwechselbaren Stil in die Herzen der Menschen gespielt. Unvergessen bleibe ihr couragierter Einsatz für die Gesellschaft. "Ihr Mut und ihre Menschlichkeit war vielen ein Vorbild", sagte der Bundespräsident.“

Erkennt in diesen Sätzen irgendjemand Angela Merkel wieder? Ich nicht. Daher reicht es mir schon, dass Jürgen Rüttgers anscheinend die Dritten Zähne von Frau Meysel aufträgt. Eine Mutter der Nation hingegen sollte für uns alle da sein, sollte uns beschützen und ermuntern, uns verteidigen und trösten, uns an die Hand nehmen und unser Lieblingsessen zubereiten. Bei Frau Merkel ist mir aber bisher der Appetit vergangen.

Schmale politische Hausmanns- respektive Hausfrauenkost, die nicht für die Zukunft satt macht, sondern ein Loch im Bauch und im Kopf hinterlässt, das so schnell auch keine andere Partei ausfüllen kann, gekocht von einer Mutter, die nicht tadelt, nicht lobt, sondern einfach geschehen lässt. Die Bundesrepublik in der antiautoritären Erziehungs- und Politikfalle. Vielleicht steht M.U.T.T.I. aber auch für „Merkel umschifft tiefgreifende Themen immerzu“. Dann könnte ich den Spitznamen nachvollziehen...

 
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Kommentare
archinaut schrieb am 03.11.2009 um 00:20
"M.U.T.T.I." das ist ein schöner Gedanke, aber was bedeutet nur der "G.U.I.D.O"?
Friedland schrieb am 03.11.2009 um 03:20
Früher stand es wohl für "Ganz ungeduldig in der Opposition", heute wohl eher für "Guido, unser Idol der Oberschicht"...
archinaut schrieb am 03.11.2009 um 08:08
Vielen Dank für den Beweis, dass Sie keine Maschine sind, lieber Friedland ;-)))

Einerseits finde ich den Gedanken bestechend, dass hinter den Abkürzungen die Bedeutungen geheimnisvoll rotieren....

ANDERERSEITS
möchte ich endlich auf den schönen Artikel eingehen: Ein Spitzname verrät ja viel über beide Seiten (in diesem Fall z.B. über die geistige Reife von Fraktion/Partei?) - Herzliche Grüße von der Spree sendet nemo
Streifzug schrieb am 03.11.2009 um 16:46
Cassandra schrieb am 03.11.2009 um 17:01
Wer ist das Puppenkind?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 03.11.2009 um 20:11
Am schönsten war´s immer, wenn Mutti weg war.
Jedenfalls früher.
Und so nannte ich sie auch gar nicht.
Friedland
Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten. So hab' ich es in der Schule gelernt - inklusive der dummen Antworten. Ich frage, um überhaupt Antworten zu bekommen - richtige, falsche, schlaue, dumme. Z. B.: Wenn Staubsaugervertreter Staubsauger verkaufen, was verkaufen dann Volksvertreter?
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