Friedland

Friedland fragt

19.04.2010 | 16:59

Die Wolke - Aktualisierte Neuauflage

 

In wenigen Tagen steht sie in den Regalen gutsortierter Buchhandlungen: Die Neuauflage des Jugendbuch-Klassikers Die Wolke von Gudrun Pausewang, aktualisiert und auf die heutige Situation übertragen.

Die Wolke thematisiert nicht mehr die längst etablierte Kernenergie und die ohnehin bloß theoretischen Gefahren dieser sicheren, jahrzehntelang erprobten Technologie. Nein, das Jugendbuch beschreibt die wahre Gefahr für unser Land: die GAU, die Größte Aschewolke Ueberhaupt.

Die Story: Im Zentrum steht eine Wolke, die niemand zu Gesicht bekommt, die nahezu unsichtbar über Deutschland schwebt, aber dennoch das Leben aller Menschen trübt. Diese "aktualisierte" Wolke betrifft aber nicht mehr nur Jugendliche, sondern berührt jeden Menschen, besonders den mobilen. Denn was ist der Mensch, wenn er seiner natürlichsten Fortbewegungsmöglichkeit, dem Fliegen, beraubt wird? Kein Flieger, kein Flugzeug, nirgends.

Ehemals sich und den anderen fremde Menschen finden sich auf Flughäfen gestrandet, lernen sich kennen, bilden lose Kleingruppen, tauschen Informationen, Zeitungen und Bücher untereinander aus. Sie alle verbindet, dass ihre (Flug)Verbindungen nicht mehr bestehen. Durch äußere Umstände gezwungen, zur Ruhe zu kommen, kommen sie auch zur Besinnung: Fliegen ist kein Grundrecht, kein Muss, es sollte wieder zu dem werden, was es war, ein seltenes und teures Vorankommen, ohne sich dabei in engen Sitzen bewegen zu können.

Der Plot treibt dem Höhepunkt zu, als das ganze Land dazu gezwungen wird, sich aufzumachen, zu Fuß, im Auto, gar im Zug. Sie sind auf der Flucht: die einen fliehen vor der Arbeit, die anderen vorm Urlaub, aber alle fliehen vor der Wolke. Denn auf diese Wolke projizieren sie ihre Angst, sich beim Reisen selbst bewegen zu müssen. 

Am Ende der Geschichte bemerken mehr und mehr Personen jedoch, dass ihnen kaum etwas fehlt, wenn sie nicht fliegen können. Im Gegenteil, sie haben sogar mehr: Mehr Zeit, mehr Ruhe und mehr Geduld. Sie sehen mehr Details und denken mehr über den Alltag und seine Szenen nach. Und so stellen sie nicht nur fest, dass das Leben ohne Flugzeuge kein halbes, sondern ein ganzes ist. Sie besinnen sich auch auf das wirklich Wichtige: die Bekanntschaft mit Menschen und Mitreisenden, mit denen man über Stunden die Sitzreihe teilt und so ihre Geschichte(n) kennenlernt.

 
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Kommentare
Uwe Theel schrieb am 19.04.2010 um 17:54
sorry Meister friedland,

ist das jetzt Scherz, Satire, Ironie ohnen tiefere Bedeutung, oder willlst Du allen ernstes die sehr "deutsche" These, dass die Not die Menschen immer zusammenschweiße aufwärmen? Sollte Deine Geschichte mehr sein, als nur die Beschreibung individueller Erfahrung von "gestrandeten" (*) Bundesbürgern auf irgendwelchen Flughäfen, d.h. Methapher für eine wirklich gestrandete Gesellschaft mit Moralausfluß?

Pausewangs Geschichte jedenfalls sollte ein Gleichnis sein, aber warnen, keine falsche Hoffnung machen.

(*) Vielleicht sollte man dabei aber mal daran erinnern, was das Stranden von Seeleuten einst bedeutete.

??? ut
merdeister schrieb am 19.04.2010 um 21:13
"Vielleicht sollte man dabei aber mal daran erinnern, was das Stranden von Seeleuten einst bedeutete."

Das könnte doch Dein dritter Artikel hier in der Come Unity werden, ich bin schon gespannt.
Uwe Theel schrieb am 19.04.2010 um 22:22
Lieber Merdeister,

ich bin Segler, aber das war und ist hier nicht das Thema.

Dein Themenvorschlag ist nicht schlecht, obwohl ich es dann lieber als "Stranden in der Kommunikation im virtuellen Raum" angehen lassen würde. Die Strandenden hier, die kennen sich alle viel zu wenig real, als dass man im Blog je mehr als skin deep, wenn überhaupt an den anderen herankäme, d.h. ihn kennte, das Standen also sinnlich erfahrbar wäre, existenziell werden könnte; Ausnahmen bestätigen die Regel. Bloggen ist wie Raumspaziergang: Es ind immer mindestens zwei Schichten Raumanzug zwischen den sich Begegnenden und die Stimmen klingen immer leicht verzerrt und schnaufend, zwischendurch gibt es Funkabbrüche.. Der Wahrheit der in den Hüllen Steckenden kommt das nur selten nahe.

Wir sollten da alle verdammt mehr aufpassen, dass keinen Löcher in den Anzügen entstehen, durch die die letzte Kuft entweicht. Und dann: Dann schaltet man den Computer ab, oder macht einenen RESET mit RESTART. virtual time loop

Aber,danke, ich werde mir Deine Idee durch den Kopf gehen lassen. - Man sieht sich!

mfG

ut

P.S.: Ich hatte übrigens mit meinem Bild von en standenden Seelauten "einst" nur darauf hinweisen wollen, dass sich diese wohlversorgten Touristas nicht als Robison Crusoe zu fühlen brauchen, wenn sie mal, mindestens ausreichend versorgt - sie brauchen nicht einmal Ziegen im Gebirge jagen - drei Nächte im Feldbett auf einem Flughafen übernachten müssen. Niemand hat sich aufgeregt, dass Angela M. das auf Ihrer "Odyssee" - wie ich einmal las- nicht brauchte. Von wegen "Odyssee": Ach wär`s doch eine, dann wäre Angela jetzt zwanzig Jahre unterwegs und käme bis dahin nicht nach Hause ... Zeus wo bist du?
merdeister schrieb am 19.04.2010 um 22:53
Lieber Uwe,

auf der einen Seite kann ich Deinen Unmut nachvollziehen über die "Gestrandeten" auf den Flughäfen und die Berichte darüber. Auf der anderen Seite machen sich die Reisenden heute mit anderen Erwartungen auf den Weg als zur "Zeit der Strandungen".

Ich hatte das Glück den Raumanzug bereits ein paar mal abstreifen zu können, eine der Ausnahmen zu erleben, die die Regel bestätigen und so weiß ich mit etwas Glück manchmal wer mit mir des Nachts in einem Blog strandet :-)

Gruß

"merde"
merdeister schrieb am 19.04.2010 um 21:11
Ich fliege ohnehin nie raus.
archinaut schrieb am 19.04.2010 um 22:02
archie fliegt mit
derFreitagCommunity :-)))
archinaut schrieb am 19.04.2010 um 22:03
...und dankt natürlich:
Kapitän Friedland!
h.yuren schrieb am 20.04.2010 um 21:54
lieber friedland, danke und glückwunsch zu idee und umsetzung.
anfangs wollte ich der darstellung schon folgen, obschon es ein bisschen unwahrscheinlich wäre, dass gudrun pausewang ihren erfolgreichen roman umschreiben würde.

heute hat doch tatsächlich jemand im massenmedium tv gesagt, wieviele pkw wie lange stehen bleiben müssten, um den gleichen co2-abgaseinspareffekt zu erreichen wie die wolke. nicht zu fassen. und das mit spritverbilligung durch die regierenden aller länder.
Friedland
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