fritzoid

beiläufig ziellos

09.03.2011 | 12:38

Vaginoplasty oder Burka

 

Am Ende des gestrigen Frauentages – nachdem ich den erheiternden und zugleich deprimierenden Eintrag von Maike Hank Was? Keine Kapern? gelesen hatte (danke dafür), Dame Judi Dench und Daniel Craig gefragt hatten “Are we equals?”, und mir bewusst geworden war, dass Second-Wave Feministinnen meine Einstellung zur Frauenquote im besten Fall niedlich finden – viel mir meine vielleicht viel schlimmere Einstellung zur Burka ein.

Als Frankreich über ein Burkaverbot nachdachte, sagte ich jedem der nach meiner Meinung fragte, dass die Burka nur ein Symptom von einem viel größeren Problem sei und es darum ginge nicht von diesem Problem abzulenken in dem man oberflächliche Lösungen anbiete. Ausserdem sei ein Burkaverbot prinzipiell genauso schlecht wie ein Burkagebot, da die Freiheit des Individuums in beiden Fällen beschnitten werde.

Ich hatte gestern noch andere Videos gesehen: Das Islamlied und ein Video von den Universitätsprotesten in Puerto Rico. Beim zweiten Video blieb mir der Kommentar von TurtleHacker im Gedächtnis: “El avanze social de la mujer permite que un hombre le pegue y le jale el cabello. El mismo tratamiento tambien es visto al esta ser considerada inferior.” [Der soziale Fortschritt der Frau erlaubt es, dass ein Mann sie schlägt und sie an den Haaren zieht. Die selbe Behandlung kann man auch sehen, wenn sie als geringwertiger eingeschätzt wird.]

Beim Einschlafen viel mir also auf, dass meine Einstellungen zu Frauenquote und Burka garnicht so niedlich sein könnten. Das Islamlied fasste aber meine Einstellung ganz gut zusammen: ist es wirklich feministisch den Mini-Rock und die overknee-Stiefel als große Errungenschaft zu feiern? Edward Said hat bestimmt was dazu gesagt. Ich finds grad nicht. (Die Schminktutorials auf YouTube sollen nicht unerwähnt bleiben.)

Der Gedanke, mit dem ich heute morgen wach wurde, lautet: Was ist schlimmer, eine Burka tragen zu müssen, oder zu denken man müsse sich einer vaginal rejuvenation unterziehen? (Es ist der englische Artikel verlinkt, da sich der deutsche Artikel nur mit dem Anlegen einer künstlichen Vagina beschäftigt und nicht mit dem “kosmetischen” Eingriff der – wie übersetzt man das? – Vaginaverschönerung (?).) Mit anderen Worten: "Ist die Freiheit sich eine Vaginoplastie kaufen zu können genauso schützenswert wie die Freiheit der freiwilligen Burkaträgerinnen (egal wie wenige es sein mögen)? Und bin ich ein schlechter Mensch wenn ich da das Wort "Freiheit" benutze?

 

Meine Gedankengänge sind heute Mittag also noch nicht zu Ende gedacht und möglicherweise auch unausgegoren. Aber ich fühle mich an die Problematik mit den black feminists erinnert.

Abschließend also noch ein Link zu einem Video in dem Alice Walker die Rede von Sojourner Truth (1851) liest.

 

 
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fritzoid
ich könnte hier was geistreiches schreiben... es fällt mir aber nix ein.
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