Fro

Bürgeransichten

18.01.2010 | 13:52

Gedanken zum "Schwarmverhalten".

 

Eine menschliche Gemeinschaft, Partnerschaft, Familie, Betriebsgemeinschaft Bürgergemeinschaft usw kann sich ähnlich wie ein Schwarm verhalten.

Wir kommunizieren ständig über eine Art elektromagnetischer Felder – die man noch nicht messen kann – mit denen, an die wir denken oder denen wir uns verbunden fühlen. Und das weltweit. Es gibt viele die dieses Phänomen erfahren haben – Zwillinge berichten häufig davon.

Menschen und Tiere können eine subtile Verbindung unter-aber auch miteinander aufnehmen – es werden Informationen ausgetauscht.

Innerhalb einer Gemeinschaft, die locker drauf ist,  sich auch als eine Gemeinschaft fühlt und ein Ziel hat, findet eine intuitive Synchronisation statt. Es entsteht die Kollektive Intelligenz, die ich seinerzeit am eindrucksvollsten beim legendären Sieg des FC St. Pauli gegen Bayern München erlebt habe. Beide Mannschaften haben Spitzenfussball geboten. Mannschaften aus einem Guss - kollektive Intelligenz vom Feinsten. St.Pauli hat letztlich gewonnen, weil das Publikum mit der Mannschaft eine Einheit geworden ist. Und da ich mich St.Pauli verbunden fühle, war ich da auch drin – ein tolles Erlebnis.

Die Schattenseiten des "Schwarmverhaltens"

Es gibt aber auch die finstere  Seite des Schwarmverhaltens. Das geht vom Mobbing über Lynchjustiz bis zum Pogrom.

Wenn ich mich als Mitglied einer Gemeinschaft fühle - frei ohne den Filter des prüfenden Menschenverstandes – und den gegenseitigen Informationsfluss zulasse, bin ich auch empfänglich für Emotionen einzelner Mitglieder der Gemeinschaft. Und wenn etwas angerührt wird, was ich irgend wann einmal als Emotionsthema abgespeichert habe, bin ich emotionalisierbar.

Das geht so weit, dass jemand emotionalisierbar ist, nur weil er emotional aufbereitete Informationen aus den Medien abgespeichert hat, die er für wahr hält.

Das ist ein großes Problem, das noch gravierender wird, wenn eine Gemeinschaft eher aus passiven Mitgliedern besteht, die sich gerne einem Ansager bzw Führer anschließen, ihm die Entscheidung überlassen wo es lang gehen soll und zulassen, sich von ihm emotionalisieren zu lassen.

Kontrollorgan Menschenverstand

Führung und Ansage sind manchmal sinnvoll – wichtig ist dabei aber die Kontrolle durch den eigenen Menschenverstand und die persönliche Souveränität.

Ein temporäres Zusammenschließen, beim Fußball, zur Lösung eines Problems, für ein Projekt, ein Mondscheinspaziergang zu zweit, ist eine schöne Sache, aber man sollte auch immer wieder zu sich selbst zurückfinden.

Meine Vision: Jeder ist sein eigener Chef und jeder kann sich auch als gleichberechtigtes Mitglied einer Gemeinschaft verstehen und den anderen als Gleichberechtigten respektieren.

Und wenn man locker bleibt und es um eine gute Sache geht, wie z.B. einen Sieg über Bayern München, dann kann auch so etwas wie kollektive Intelligenz entstehen.

"Schwarmintelligenz" halte ich für einen unpassenden Begriff  dieses Phänomens. Menschen treten selten als Schwarm auf – wenn, dann z.B. beim Militär, wenn die Soldaten willensfrei im Gleichschritt marschieren und den Anweisungen eines Schwarmkommandeurs folgen.

 

Ob eine kollektive Intelligenz im Internet möglich ist, weiß ich nicht. Konnte ich noch nicht beobachten. Was aber m.E. möglich wäre, ist das Abrufen der Intelligenz und des Wissens der Vielen, was sehr viel zur Lösung von unbeantworteten Fragen beitragen könnte.
Das könnte auch neue Möglichkeiten einer zeitgemäßen demokratischen Kultur eröffnen.

Aber das ist ein anderes Thema.

 

 

 

 
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Kommentare
merdeister schrieb am 18.01.2010 um 19:23
Was Du am Anfang beschreibst hört sich an wie Morphologische Felder.

Vielen Dank für die Gedanken.
Fro schrieb am 19.01.2010 um 10:49
Ja, vielleicht, die Forschung befindet sich aber wohl noch im Bereich der Spekulation.
Interessant im Zusammenhang mit dem Phänomen des subtilen Informationsaustausches sind die Spiegelneuronen, die auch dazu befähigen Mitgefühl zu entwickeln. Da steht die Wissenschaft aber auch noch am Anfang.
h.yuren schrieb am 18.01.2010 um 23:56
wahrscheinlich bin ich ein schlechter schwarmgeist, lieber fro. natürlich kenne ich gemeinschaftliche erlebnisse. z.b. nahm ich 1980 an der demonstration in bonn teil, angeblich eine million leute. das war ein so großer schwarm, dass ich die meisten teilnehmer wahrscheinlich gar nicht gesehen habe.

ich bin jedesmal gerührt, wenn ich sehe, dass ein tierpfleger z.b. mit den elefanten so kommuniziert, als wären es menschen. kann nicht jeder tierpfleger.

wenn ich eine am flügel verletzte, noch kaum flugfähige dohle in der stadt entdecke, die ich füttere, und sie mir nach drei tagen aus der hand frisst, führe ich das auf ihre notlage zurück und die intelligenz des rabenvogels.

im übrigen stehe ich der "schwarmintelligenz" doch eher skeptisch gegenüber. wenn mich mit mensch oder tier etwas verbindet, führe ich das auf 'passende' emotionen und gedanken zurück. ähnlich wie sympathie und antipathie.
dass die möglichkeiten des internet noch längst nicht ausgeschöpft sind, glaube ich auch.
Fro schrieb am 19.01.2010 um 11:03
Ja, h.yuren ich bin auch ein schlechter „Schwarmgeist“, weil ich meine individuelle Freiheit liebe. Daher würde ich auch lieber von kollektiver Intelligenz sprechen, die m.E. im Fußball am eindrucksvollsten zu beobachten ist.
Für die Phänomene, die du schilderst sind wohl die Spiegelneuronen mit verantwortlich – und die könnten auch eine Rolle beim Auftreten kollektiver Intelligenz spielen. Alles noch Spekulation – aber die Phänomene gibt es.
Fro schrieb am 19.01.2010 um 14:49
Das Problem ist, dass sich die Menschen auch wie ein kommandierter Schwarm verhalten können. Und das auch als bundesweiter Schwarm, der von den emotional geladenen Informationen aus den Medien gelenkt wird.
Ein großes Problem, dass aber gelöst ist, wenn jeder weiß, dass etwas kampagnenartig – also vorsätzlich inszeniert ist um eine Stimmung im Volk zu erzeugen.
Die Menschen sind m.E. zusehens weniger manipulierbar. Ich hoffe, dass ich da richtig liege. Aber der Individualismus hat zugenommen.
Niemand möchte sich lenken lassen. Da gibt es heute bei den meisten Menschen mehr denn je einen natürlichen inneren Widerstand dagegen.
Wir wollen kein Schwarm sein. Daher ja auch die Kirchen und Parteiaustritte. Der Trend geht da hin, dass man sich temporär zusammenschließt, um irgendein Projekt zu realisieren, oder eine Aufgabe zu lösen.
Fro schrieb am 19.01.2010 um 16:17
Hier zwei interessante Videos zum Thema Schwarmintelligenz kontra kollektiver Intelligenz. Wobei ich den Eindruck habe, dass er mit kollektiver Intelligenz meint, was ich Intelligenz der Vielen nennen würde.



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