Fro

Bürgeransichten

14.08.2011 | 04:05

Mauergedenken – Another Brick in the Wall

 

„Bundespräsident Wulff hat am 50. Jahrestag des Mauerbaus dazu aufgerufen, weltweit für Demokratie und Menschenrechte einzutreten.“
Tagesschau.de

Au ja, Kampf für Demokratie und Menschenrechte: Afghanistankrieg, Libyenintervention, Überwachung der Bürger (des Souveräns!!!!), Enteignung der Mehrheit zugunsten einer kleinen Minderheit, fast unbegrenztes Ausbeutungsrecht der Produktionsmittelbesitzer, lobbyhörige Politiker, 'obrigkeit'shörigen Journalisten... (alles von Wulff niemals beanstandet: „Ich erfahre täglich, was für ein großartiges Land Deutschland heute ist.“ )

Die Rede Wulffs: Another Brick in the Wall. Einer ideologischen „Mauer“, zur Abwehr des Begehrens nach Fairness, echter Demokratie und wahrer Freiheit...
We don´t need no education.. von Ihnen und Ihren Freunden jedenfalls nicht, Herr Wulff.

„The Wall“ von Pink Floyd, 1979

 
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Kommentare
claudia schrieb am 14.08.2011 um 07:43
„Ich erfahre täglich, was für ein großartiges Land Deutschland heute ist.“
Na ja, was soll er schon sagen, der Wulff.
Für einen Bundespräser ist das sicher alles ganz grossartig, sonst wär er ja nicht Bundespräser geworden.

Gerhard Gazprom hat ja neulich auch gesagt dass er hochzufrieden ist.
Ist doch schön für die, wenn sie sich einig sind.
Fro schrieb am 15.08.2011 um 02:37
Ich schlage auf diesem Wege schon mal Lafontaine und/oder Ströbele als Bundespräsidentenkandidaten für die nächste BP-Wahl vor.
Angelia schrieb am 14.08.2011 um 09:52
Hallo Fro

ich empfinde die gleiche Empörung über diese Janusköpfe. Was für eine Beleidigung der menschlichen Intelligenz und deren Fähigkeiten, aus retrospektiven Betrachtungen richtige Schlüsse zu ziehen.

Dass Werte wie Menschenrechte, Gerechtigkeit, Ideen wie die der Demokratie und Solidarität seit dem Fall der Mauer in eklatant frecher Weise desavouiert wurden, dass wir wieder brutal beim paläolithischen Recht des Stärkeren/Mächtigeren aufgeschlagen sind, das wäre m.E. das richtige Fazit. Und, dass die Montagsdemonstranten genau gegen die Diktatur der Mächtigen und nicht für deren Unterdrückungsmechanismen auf die Straße gegangen sind.
Das Einmauern von Menschen ist die eine empörende Sache, das Töten von nach Freiheit strebenden Menschen eine andere unerträgliche.
Doch dass Regierende die Chance für ein unabhängiges und demokratisches Europa nicht nutzten, sich statt dessen von Wirtschaftsmächtigen erpressen ließen, sich den republikanischen Amis, deren Koalition der Willigen anbiederten und deren, statt unsere Interessen vertraten, verschlägt einem doch fast die Sprache.

Aber eben nur fast.
Danke Fro.
Fro schrieb am 15.08.2011 um 02:14
„...dass wir wieder brutal beim paläolithischen Recht des Stärkeren/Mächtigeren aufgeschlagen sind, das wäre m.E. das richtige Fazit.“

Sehr richtig. Man beachte auch, dass Wulff zwar ausgiebig von Freiheit, wie er oder seine Berater/Schreiber (siehe meinen Kommentar an Magda) ) sie verstehen, spricht, aber keine, auch nur ansatzweise erkennbare, Vorstellung von Demokratie zum Besten gibt – obwohl die DDR-Bürgerbewegung genau das wollte...
Magda schrieb am 14.08.2011 um 12:18
Wulff im Ausschnitt - "Es läge nahe, nun metaphorisch von Mauern in unserer Gesellschaft und in den Köpfen heute zu reden. Ich will das nicht tun. Denn es hieße, das Schreckliche und Böse der wirklichen Mauer zu banalisieren. Keines der heutigen Probleme in unserem Land reicht auch nur entfernt an das Leid heran, dessen wir hier gedenken. Alle können wir sie lösen. Denn wir haben die Freiheit, das zu tun. Und darauf kommt es an. Unsere Zukunft liegt in unseren Händen."

Das ist so eine Mischung aus Verdikt und Pre- dikt und dann auch noch Predigt. Aber es gibt den Takt komplett vor:

Moralisieren statt Zusammenhänge zeigen, Ossis tätscheln, die "anständig" geblieben sind. Dem Rest erklären, dass es nichts zu klagen gibt. Ach, es ist ein Jammer.
claudia schrieb am 14.08.2011 um 12:39
>>Denn wir haben die Freiheit, das zu tun.<<
Wollen wir uns mal die Freiheit nehmen, unsere Probleme zu lösen?
Neinnein, doch lieber nicht.
Denn am Ende würden die Wulffs, Gabriels, Trittins, Merkels, Westerwellen und wie sie noch alle heissen am Arbeitsamt landen.
Das ist nicht zumutbar.

Der Präsidentenredenschreiber weiss das. Sonst würde er nicht solchen Sermon übers Land wabern lassen...
Fro schrieb am 15.08.2011 um 01:55
@Magda

„Moralisieren statt Zusammenhänge zeigen, Ossis tätscheln, die "anständig" geblieben sind. Dem Rest erklären, dass es nichts zu klagen gibt.“

Genau – und Freiheit ist: die gesellschaftlichen Großakteure frei agieren zu lassen...

Freiheit ist: wenn sich Untertanen freien Herrschern fügen müssen – äh, dürfen.... und wenn sie es nicht tun, sind sie Freiheitsfeinde.
h.yuren schrieb am 14.08.2011 um 21:18
lieber fro, besten dank für deine antwort auf das wort vom sonntag. ach nee, vom gedenkenträgertag.
mir ging ähnliches durch den kopf, als der kommentar im fernsehen lief. der mann wird dafür bezahlt, und zwar nicht knauserig belohnt, dass er solche redenschreiber engagiert und das zeugs vorliest.
aber was können wir von der rückwärtsrepublik und ihren repräsentanten anderes erwarten?
yes, yes, yes, another brick in the wall...
Fro schrieb am 15.08.2011 um 01:40
Ja, Helder, da war mir grad´so (als nostalgischer Pink Floyd-Fan) – danke für das Feedback. Wulff kann man es noch nicht einmal persönlich übel nehmen, dass er Bundespräsident ist und derartige Reden hält. Der Skandal ist, dass er überhaupt gewählt wurde. - Und der Oberskandal ist, dass kein Journalist zu seiner Rede sagt/schreibt: „Mein Gott, was für ein Schwachsinn.“
;-)
claudia schrieb am 15.08.2011 um 08:00
Na ja.
Wir malen alle paar Jahre mal Kreuzlein zu irgendwelchen Parteien. Damit kommen irgendwelche Leute in irgendwelche Parlamente. Und die wählen sich irgendeinen Präsidenten.

Beim letzten machten sie ein gar gross Geschrei um die Frage, ob das der Wulff oder der Gauck sein soll. Und sie machten noch grösseres Geschrei um die paar Oppositionellen im Parlament, die sich nicht für Gulff oder Wauck entscheiden wollten.

War noch was?
Ach ja, es hat mal einer verplappert.
Das war schlimm. Nicht was er sagte, neinnein, das hat schon seine Richtigkeit. Aber dass er es öffentlich sagte, das war ein Skandal. Deswegen gab es ja dann den grossen Rummel um die Frage, wer künftig die Predigt halten soll:
„Ich erfahre täglich, was für ein großartiges Land Deutschland heute ist.“

---
>>Und der Oberskandal ist, dass kein Journalist zu seiner Rede sagt/schreibt: „Mein Gott, was für ein Schwachsinn.“<<
Dafür werden die wohl nicht bezahlt, oder?
GEBE schrieb am 15.08.2011 um 08:38
Frisch, fromm, fröhlich, frei!

Das gaaanz große Thema hat Wulff ja nun besetzt:

Die Kinderlein sollen wieder mehr wandern!

Will er damit Lübke toppen?

www.abendblatt.de/region/article1991267/Bundespraesident-will-Kinder-zum-Wandern-bewegen.html
Don Quijote schrieb am 15.08.2011 um 08:52
Kind geblieben, denke ich auch schon daran, ob ich nicht Wandern sollte.
Und zwar Aus.

Q.
tlacuache schrieb am 15.08.2011 um 08:59
Danke GEBE fuer den Link,
aber dass muss man sich mal reinziehen, weder der Wulff noch sein Redenschreiber hat den geschichtlichen Backround:

..."Die seit März 1939 gesetzlich geregelte „Jugenddienstpflicht“ war an zwei Tagen pro Woche abzuleisten. Im Mittelpunkt der nach dem „Führerprinzip“ geordneten Organisationen stand die körperliche und ideologische Schulung; sie umfasste rassistische und sozialdarwinistische Indoktrination und gemeinsame Wanderungen bzw. Märsche und körperliche Übungen im Freien. Diese sollten schon die zehnjährigen männlichen Jugendlichen abhärten und langfristig auf den Kriegsdienst vorbereiten: „Was sind wir? Pimpfe! Was wollen wir werden? Soldaten!...

de.wikipedia.org/wiki/Hitlerjugend

Nix Lübke
LG
tlacuache schrieb am 15.08.2011 um 09:04
Anhang:
Natuerlich ist Wandern Gesund, mache ich selber, aber als deutscher Bundespraesident, auch 2011, muss man ein bisschen aufpassen was man so rumschwafelt...
LG
tlacuache schrieb am 15.08.2011 um 09:12
"...ob ich nicht Wandern sollte.
Und zwar Aus..."
Vor 11 Jahren gemacht, aber gut drueber Nachdenken, jetzt gehen bei mir die Zipperlein los, da muss Deutschland nicht das schlechteste sein, wenn man nicht sein Geldköfferchen dabei hat...
claudia schrieb am 15.08.2011 um 09:51
>>Will er damit Lübke toppen?<<
Hm... ich kann mich nur erinnern, dass Carstens mal eine grosse Wanderschau abgezogen hat.

Aber egal, so ein Präsident blubbert auf vielen Veranstaltungen.
Beim Wanderverein fürs Wandern, beim Verband der Obstbauern kämpft er für den deutschen Apfel, beim Verband der Kleinaktionäre wird er sagen, dass der shareholder value das höchste Gut auf Erden ist...
Er muss halt nur aufpassen, dass ihm nicht mal ein Fakt rausrutscht: Sein Vorgänger dient da bestimmt als warnendes Beispiel.

---
aus dem Artikel des HA:
>>…das Wandern in der Schule fördern…<<
O tempora, o mores
Zu meiner Zeit musste man in der Schule still sitzen.

---
Wandern tu ich auch gerne, und ich hab das auch schon mit Kindern gemacht: Es gibt viel zu entdecken in Wald&Wiese.
Aber ich bin noch nie auf die Idee gekommen, einen Politclown um seine Meinung darüber zu fragen...
hadie schrieb am 15.08.2011 um 12:48
Und was war das Ergebnis? Sachsen-Anhalt im Würgegriff der Hartzparteien.

Ehemaliger Nutzer schrieb am 16.08.2011 um 22:22
Hahaha, das ist jetzt voll geil. Lieber Fro, danke für diesen Blog. Ich hätte sonst diese Rede vom Bundespräsidenten verpasst. Du hast mich jetzt mit Deinem Blog auf eine Idee gebracht. Wenn ich diese Idee durchziehe, erzähle ich darüber im Forum. Vielleicht. Oder ich schreibe Dir intern, was ich getan habe. Weiß noch nicht. Kommt drauf an. Wird aber eine Zeitweile dauern. ;)
Fro schrieb am 18.08.2011 um 01:20
Bin gespannt ;-)
Fro
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