fruehauf

Blog von fruehauf

08.11.2010 | 09:21

Drei Feiern, sieben Wochenenden und viele Gespräche

Nicht selten träumte ich in Köln davon, wie es wohl wäre, eine Lesung im Literaturhaus zu haben. Hätte ich gewusst, dass es dazu einen solchen Weg gibt, hätte ich meine Reise viel eher unternommen!

Am 31. Oktober fand die zweite Kölner Solidaritätsveranstaltung für den in der Türkei inhaftierten Schriftsteller Doğan Akhanlı statt, dem es auch diesmal gelungen war, ein Grußwort zu schicken. Das Literaturhaus hatte ins neue Forum der VHS eingeladen und auch diesmal kamen wieder mehr Menschen, als die Räumlichkeit fassen konnte. Sehr schön, bewegend und würdig unter der zurückhaltenden Moderation von Osman Okkan, dem Vorsitzenden des Kulturforums Türkei-Deutschland. Auf der Website dieses Vereins waren in den ersten Monaten nach Doğans Festnahme Informationen zu den Umständen des Falls und zu seiner Person zusammengetragen worden. Inzwischen hat die Kampagne einen eigenen Internet-Auftritt: gerechtigkeit-fuer-dogan-akhanli.de. Dort findet man auch einen Bericht über die Veranstaltung.

Zum Schluss wurden Unterschriftenlisten verteilt. Seitdem beginne ich, Stift und Aufruf in der Hand, überall Gespräche über Doğan, die Anklage, Redefreiheit und andere Menschenrechte, die Geschichte der türkischen Linken in den 1980ern, die Anerkennung des Völkermords an den Armeniern, Gedenkkultur in der Einwanderungsgesellschaft, die Wirkung von Unterschriftenlisten etc. Immer wieder anders, immer wieder interessant. Daher stört es mich gar nicht, wenn die Leute lange mit dem Unterschreiben zögern - manche tuns gar nicht - oder auch danach immer weiter Fragen stellen oder Bedenken äußern. Aber die Anzahl der Leute, die ich auf diese Weise erreiche, ist natürlich begrenzt. Drum ist es schon gut, dass es im allzeit verfügbaren www die Möglichkeit der Unterzeichnung, wenn schon nicht der lebendigen Diskussion gibt.

Die nächste Solidaritätsveranstaltung findet in Frankfurt statt, am 13. November um 18:30 Uhr im Türkischen Volkshaus in der Werrastr. 29.

Und das Kölner Projekt "Das Gedächtnis - Unsere(r) Zukunft" feiert am 20. November in der Alten Feuerwache öffentlich seinen Abschluss, obwohl es eigentlich erst zwei Wochen später zu Ende geht. Ab 20 Uhr gibt es Musik von PerSound, Mehmet Akbaş und Sakina sowie kurze Wortbeiträge zu Ziel und Verlauf des Projekts. Doğan hat es ins Leben gerufen, bis zum 10. August war er einer der drei Teamer, und ihm ist dieser Abend gewidmet. Worum es in Wochenend-Modulen und einer Woche im geschichtsträchtigen Berlin ging, kann man auf der Projekt-Website nachlesen. Da Doğan sie gepflegt hat, ist sie seit Juli nicht mehr aktualisiert worden und stellt so ihrerseits eine Art Mahnmal dar, allerdings nur für Eingeweihte;-)

Nochmal der Link zur Kampagnen-Seite, auf der man so ziemlich alle Informationen findet: gerechtigkeit-fuer-dogan-akhanli.de.

Und auf Türkisch: www.doganicinadalet.org.

 

 
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Kommentare
hibou schrieb am 08.11.2010 um 11:04
danke sehr fürs posten! leute, die sagen, was sache ist, leben gefaehrlich......
fruehauf
Fruehauf ist oft frueh auf, ansonsten: Jahrgang 1960, Wahlkoelnerin, vielseitig ungebildet
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