fruehauf

Blog von fruehauf

04.01.2010 | 16:52

Ist Küba gar kein "normales" Gecekondu?

Habe nun schon zweimal Leute sagen hören, Küba sei sozusagen als Projekt entstanden (das ländliche Idyll des Anfangs, die malerische Wildnis, die fünf oder zehn Hütten, die Mitglieder einer kurdischen Sippe beherbergten, die Schafe, Kühe, Ziegen, die dort weideten, das lassen wir mal beiseite und springen gleich in die Siebziger:) Linke hätten sich hier gezielt angesiedelt, ähnlich wie (mit anderem Verhältnis zu Gewalt) später im deutschen Verden. Ich glaube eigentlich eher, dass der Zuzug aus ideologischen Gründen sich auf Einzelfälle beschränkte.

Hatun, deren Begabung für entschiedenen Protest sie schon als Grundschülerin in die Presse gebracht hatte, stand stets auf Seiten ihrer politisch sehr aktiven Söhne und deren Freunde und half auch Neuankömmlingen mit (zumindest irgendwie) politischem Hintergrund (wenn sie z.B. als Kurden verfolgt wurden). Wobei die Hilfe natürlich nicht nur direkt war, sondern auch im Organisieren von Unterstützung, dem Aufrechterhalten und Einfordern von Solidarität, der Abwehr staatlicher Verfolgung bestand. Hatun ist in diesem Zusammenhang auf jeden Fall eine wichtige Person, die sehr prägend für diese Seite des Küba-Bildes wurde und immer wieder mit Dankbarkeit erwähnt wird.

Dogan, der von mehreren als Schlüsselfigur bei der Politisierung in den 1970ern genannt wird, sieht seine Rolle selbst auch so. Er sagt, dass die EinwohnerInnen von Küba Linke wurden, sei eine natürliche Folge ihrer Erfahrungen gewesen, der negativen von Hunger und Mangel wie der positiven bei der gemeinschaftlichen Verteidigung ihres Viertels. Doch derjenige, der, befähigt durch Lektüre und Reflexion, diese Erfahrungen in einen Zusammenhang gestellt und Möglichkeiten des Handelns aufgezeigt habe, sei er gewesen. Mit anderen Worten: er hat mit eigenen Augen gesehen, wie Küba zu einem linken Stadtteil wurde und sich kein bisschen darüber gewundert oder Außenstehende dafür verantwortlich gemacht.

Als diese Situation erst einmal entstanden war und das Viertel seinen Ruf einer geradezu uneinnehmbaren Festung der Linken weg hatte, muss es für viele Menschen natürlich sehr anziehend geworden sein und bestimmt kamen welche aus ebendiesem Grund. Aber das war dann eine Folge der internen Entwicklung - Hatun und ihr Sohn Dogan gehörten zu den ersten, die hier siedelten - und nicht von vornherein geplant.

So behaupte ich das jetzt einfach mal, mich auf nichts anderes als ein paar englisch untertitelte Videos stützen könnend, bzw. auf meine Interpretation dieses Materials. Vielleicht weiß es jemand besser?

 
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