fruehauf

Blog von fruehauf

01.04.2010 | 18:39

Nachrichten aus einer untergehenden Welt

Im Jahr 1966 gingen die ersten zwei deutschen Atomkraftwerke ans Netz, das eine in Rheinsberg in der DDR, das andere in Gundremmingen, BRD. Das KKW im Osten wird seit 1990 rückgebaut, die Arbeiten sollen 2011 abgeschlossen sein.

Gut zwanzig Jahre dauert so was also. In Gundremmingen weiß man das, denn den Rückbau des 1977 havarierten Blocks A hat man dort schon hinter sich, er dauerte von 1983 bis 2006. Die später gebauten Blöcke B und C wären nach den derzeitigen politischen Vorgaben Mitte des nächsten Jahrzehnts dran. Man hätte also eine gewisse Galgenfrist, bis es wirklich vorbei wäre mit dem jahrzehntelangen Einkommens-Wohlstand und man ähnlich kleinen ländlichen Gemeinden in Bayern bzw. Schwaben nichts mehr voraus hätte. Das ist der Strohhalm, an den der Bürgermeister Wolfgang Mayer sich klammert, siehe www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/suedwild/talk-des-tages-atomkraft-gundremmingen-ID1269540589672.xml

"Südwild" ist eine Jugendsendung, mindestens dieser Teil ist jedoch lehrreiche Unterhaltung für jedes Alter.

Den Bürgermeister sieht man auf einer Dorfstraße, das KKW groß im Hintergrund, während sein Kontrahent Raimund Kamm und der Moderator auf dem Günzburger Marktplatz beisammensitzen. Herr Mayer war natürlich dazu eingeladen, zog eine Live-Zuschaltung aber vor, da Herr Kamm vor Jahren behauptet und diese Behauptung nie zurückgezogen habe, er, der Gundremminger Bürgermeister, sei vom KKW bezahlt.

Darüber, was der Atomkraftgegner mit diesem Vorwurf meinte, macht man sich im Fortlauf der Sendung der Ausführungen des Bürgermeisters schnell seine eigenen Gedanken.

Das Örtchen mit seinen 1600 EinwohnerInnen (von denen 300 im KKW arbeiten) führt übrigens das Atomsymbol im Wappen. Mehr dazu und vielen anderen Themen erfährt man auf der Internet-Seite www.gundremmingen.de/.

Wolfgang Mayer ist auch sonst recht rührig, wenn es um das Festhalten an dieser für seine Gemeinde so einträglichen Technologie geht, so ist er Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Standortgemeinden kerntechnischer Anlagen in Deutschland (ASKETA), deren Verlautbarungen denselben Einfallsreichtum erkennen lassen, hier Links zu Presseerklärungen anlässlich der letzten beiden Jahrestagungen:

www.kernenergie.de/r2/documentpool/de/2008_06_asketa.pdf

www.kernenergie.de/r2/documentpool/de/2009_05_asketa.pdf

Fazit der letzten, im Original fett gedruckt:

"Wo Bund und Länder mit milliardenschweren Garantien Geldinstitute und Unternehmen zu retten versuchen, die sich an windigen Finanzmärkten verzockt oder am Verbraucher vorbeiproduziert haben, darf eine funktionierende und für die Versorgung wirklich systemrelevante Industrie politisch nicht weiter abgewickelt werden."

 
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