Der Köln-Ehrenfelder Kiosk "Babylon" macht mit beim Expo2010-Projekt KIOSK / Xiaomaibu, wie ich in meinem Blogbeitrag gestern berichtete. Hier ein paar Informationen zum Umfeld:
Der Kiosk
Der Kiosk "Babylon" hieß schon so, bevor Mahira ihn übernahm. Wie lange er existiert, weiß ich nicht. Aus dem gegenüberliegenden Allerweltshaus, das vor etwa 15 Jahren dorthin gezogen ist, erzählte mal jemand, der Betreiber habe in dieser Zeit mehrfach gewechselt und erst Mahiras Vorgänger sei geschäftlich einigermaßen erfolgreich gewesen. Eine Goldgrube ist ein Kiosk allerdings nie; die Einkaufsbereitschaft des Publikums hängt zudem stark von der Witterung ab: je wärmer und trockener desto größer.
Das Publikum
In den Kiosk geht jedeR mal. Manche erledigen den Großteil ihrer Einkäufe hier, andere sieht man nur in Ausnahmefällen. Kinder gehören zu den treuesten Kunden. In der Körnerstraße selbst mit ihren eher kleinen Wohnungen leben nicht so viele, aber in der Nähe ist ein Spielplatz und das Allerweltshaus bietet Hausaufgabenhilfe.
Das Sortiment
Was es in einem Kiosk so gibt: Getränke, Zigaretten, Süßigkeiten, Knabberzeug, Zeitungen, Zeitschriften, in geringem Umfang Lebensmittel und Hygienebedarf. Mit dem Presse-Angebot hat Mahira am Anfang etwas herumexperimentiert. Sie muss sich letztlich aber danach richten, was die Kundschaft wünscht. Die "Missy" gibts immerhin nach wie vor. Und manch anderes, was man aber nur entdeckt, wenn man sich aufmerksam umschaut. Nicht alles ist verkäuflich.
Die Straße
Die Körnerstraße ist über die Grenzen des Stadtviertels hinweg berühmt für ihre Lädchen, in denen kreative junge Menschen Second-Hand-Waren, Selbstgebasteltes oder in Miniserien hergestellte Artikel feilbieten. Lange Jahre gab es auch ein Lebensmittelgeschäft. Inzwischen hat es sich zu einer türkischen Metzgerei gesundgeschrumpft; bei aller Qualität kam man irgendwann nicht mehr gegen die wachsende Konkurrenz der nahegelegenen Supermärkte an - deren lange Öffnungszeiten (in einem Fall inzwischen bis 24 Uhr) machen übrigens auch den Kiosken zu schaffen.
Die 1927 erbaute Synagoge diente den etwa 2000 Juden und Jüdinnen des Viertels gerade einmal elf Jahre als religiöser Versammlungsort, bevor sie im November 1938 zerstört wurde. Der während des Zweiten Weltkrieges an dieser Stelle errichtete Hochbunker wird hin und wieder als Ausstellungsort genutzt.
Das Nebeneinander einiger recht prunkvoller Gründerzeit-Fassaden und vieler fast schmuckloser Dreifensterhäuser belegt, dass die AnwohnerInnenschaft von den ersten Jahren an sozial recht gemischt war. Heute haust hier ein buntes Völkchen aus Alteingesessenen und ZuwandererInnen unterschiedlichen Bildungsgrads hauptsächlich aus anderen Teilen Deutschlands und der Türkei. Die einzelnen Gruppen leben eher nebeneinader her. Die rassistische Propaganda von "Pro Köln" im Zusammenhang mit dem Neubau der nahe gelegenen Moschee konnte weder Zwietracht schüren noch hat sie Deutsche und Türken zusammengeschweißt. Die Enge im Kiosk und Mahiras weltfrauischer Charme bewirken jedoch manch unerwarteten Kontakt.
Schräg gegenüber vom Kiosk liegt das Café Sehnsucht. Auf seiner Website gibt es eine Seite über die Körnerstraße.
Gegenüber
Durch Tür und Fenster des Kiosks fällt der Blick aufs Allerweltshaus: Sozialberatung, Deutschkurse, Räume für Gruppen sowie Veranstaltungen zu Menschenrechten und Migration. Dort haben Mahira und ich uns kennengelernt - tempi passati. Während ich mich hin und wieder zu einem Vortrag blicken lasse, hofft Mahira auf den Durst von Referent- und ZuhörerInnen.
Lückenlose Aufklärung
kann es hier natürlich nicht geben. Insbesondere werde ich vorher mit Mahira absprechen, was ich über sie schreibe. Auf www.worldkiosk.blog.com/ gibts inzwischen Videostream von gestern und Fotos von Fassaden-Renovierung am Shanghaier Kiosk.
Ausgabe 08/12
23.02.2012
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