

Karneval Global, im Untertitel Tanz der Welten, gibts in Köln, genauer Ehrenfeld, seit 2007 und hieß im ersten Jahr Karneval der Kulturen, wie das ursprüngliche Vorbild, der Berliner Karneval der Kulturen, dem die Namensgleichheit jedoch gegen den Strich ging. Seitdem also Karneval Global. Klingt eh besser, nicht so nach Völkerkundemuseum. Die Veranstalter sind gut in der (multi)kulturellen Szene der Stadt vernetzt, was sich in der einen oder anderen Darbietung widerspiegelt, aber der Tenor ist doch eher junge linke Szene ohne Ansehen der Herkunft (immerhin gemischter als sonst oft in politischen Zusammenhängen). Das Autonome Zentrum, das immer mal wieder in einem besetzten Gebäude aufblüht, derzeit seit mehreren Monaten im rechtsrheinischen Kalk, machte Musik, eine Theatergruppe versuchte, Verursacher von Umweltverschmutzung dingfest zu machen, ein Blasorchester gabs, Samba, einen Stelzenläufer, einen wandelnden Heuhaufen (?),

andere gingen einfach so mit, meist in phantasievoller Aufmachung, insgesamt etwa 200 Leute. Jahr für Jahr trifft man auf dieselben Gesichter. Seltsam, dass sich nicht mehr Leute von dem bunten Treiben ansprechen lassen - wann hat man hierzulande schon mal Karneval bei richtig schönem Wetter?
Technisch gesehen ist das Ganze eine Demo und wird von der Polizei begleitet. Dafür darf man auf der Straße gehen: Vom Neptunplatz aus auf die Vogelsanger Straße, rechts auf den Gürtel und von noch mal rechts - stadteinwärts - in die Venloer Straße mit ihren vielen Geschäften, in denen um diese Zeit (Samstagnachmittag) viel los ist. Auf den Bürgersteigen natürlich auch, tout Ehrenfeld, die ganze Bandbreite der Welten und Kulturen. Die Leute bleiben überrascht stehen, heben Kinder hoch, lachen. Wann hat man das sonst bei einer Demo?
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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