fruehauf

Blog von fruehauf

31.10.2010 | 09:47

Tag 14 - Ein Buch aus deiner Kindheit

Wird es Hanne gelingen, aus dem behüteten, aber engen Heimleben der Waisenkinder den Weg in die größere, freiere Welt zu finden, in der sie sich wirklich entfalten kann?

Wenn sie sich nur selbst etwas zutraute! Natürlich wählte der Arzt Dr. Heim an ihrer Stelle die forsche, selbstbewusste Brigitte als Haustochter, obwohl er immer freundlich zu Hanne gewesen ist. Schon scheint es, als müsse Hanne im Heim bleiben, da fällt ihr das Glück ganz unerwartet in den Schoß.

Aber Hanne – hat Angst. Wie soll sie der von allen bewunderten Journalisten Frau Müller eine Hilfe sein, die so hoch über ihr steht, unerreichbar hoch! Und alles ist so fremd in dem hübschen Haus, in das sie nun kommt, das Neue so schwer!

Doch Frau Müller sieht tiefer, sie erkennt, dass Hanne gute Anlagen hat. Geduldig führt sie Hanne in die neue Welt ein und hilft ihr heute mit Nachsicht, morgen auch mit Strenge über Scheu und Angst hinweg.

Und wirklich: nun erst kommt die wahre Hanne zum Vorschein, sie entdeckt sich selbst. Als dann eine große Erschütterung sie gänzlich verzweifeln lässt, da zeigt sich, dass sie in Frau Müller eine Mutter, dass sie eine Heimat gefunden hat.


So die auch im Ton recht treffende Zusammenfassung des Mädchenromans "Komm heim, Hanne" von Charlotte Prenzel auf www.auvito.de/komm-heim-hanne/artnr3018166/details.html. Wie oft habe ich dieses Buch, von einer Nachbarsfamilie auf mich gekommen, in meiner Kindheit gelesen! Als ich es mit siebzehn noch einmal hervorkramte, stieß mir das miefige Weltbild zum ersten Mal auf und ich konnte kaum glauben, dass diese Geschichte vom braven unterprivilegierten Mädchen, dem ein gewisser Aufstieg in sorgfältig kontrolliertem Rahmen gewährt wird, mal so etwas wie mein Lieblingsbuch gewesen war. 

Was mich als Kind so fasziniert hatte, war die Wurzellosigkeit des Waisenkindes, in meinen Augen eine beneidenswerte Freiheit, die ihm letztendlich die noch beneidenswertere Erfüllung einer Sehnsucht eintrug (die - wenn auch stark pädagogisch gefärbte - Liebe der Journalistin, das Gewählt- und Akzeptiertsein durch eine fremde, bewunderte Person über alle Schwächen hinweg).

So enthält halt auch und gerade noch das reaktionärste Machwerk Kerne utopischen Begehrens. Und vom Jahr 1968, als ich das Buch in unserem Angestellten-Mietshaus in der Vorstadt zum ersten Mal las, begriff ich damals eben auch noch rein gar nichts.

 
Senden Bookmarken Drucken
fruehauf
Fruehauf ist oft frueh auf, ansonsten: Jahrgang 1960, Wahlkoelnerin, vielseitig ungebildet
Mitglied seit:
2 Jahre 30 Wochen
Zuletzt aktiv:
05.06.2011
Status:
Bloggerin
Aktivität:
Beiträge: 106
Kommentare: 158
Mein Projekt:
Logbuch
03:14
archinaut hat gerade einen Kommentar geschrieben.
03:12
claudia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
02:49
weinsztein hat gerade einen Kommentar geschrieben.
02:42
Georg von Grote hat gerade einen Kommentar geschrieben.
02:35
Uwe Theel hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG