Dieses Blatt kenne ich aus einem Bio-Supermarkt, es liegt dort zur kostenlosen Mitnahme aus, kann aber auch abonniert werden, wobei es für den Ganzjahresbezug die Möglichkeit eines 56 % teureren Förderabos gibt, das wären dann 100 Euro für 51mal 16 Seiten. Wen oder was man mit dieser Förderung unterstützen würde, ist mir nicht klar, denn eine so billige Zeitung mit so wenigen Anzeigen, zudem nur von kleineren mittelständischen Betrieben, kann nicht wirklich auf dergleichen "Peanuts" angewiesen sein. Vielleicht versprechen sich die Macher von einer wachsenden Verbreitung ihrer Inhalte neue Anhänger für die zugrunde liegenden Ideen und möchten Abonnenten die Möglichkeit geben, durch einen höheren Preis einen Beitrag für diese gute Sache zu leisten. Oder ein Abo ist als Einstieg zu verstehen und sobald man seine Adresse preisgegeben hat, wird man immer wieder angeschrieben für Dinge, die in dieser "Zeitung für Mensch und Welt" gar nicht oder nur am Rand auftauchen, und irgendwann ist es dann ganz normal, dass man den Förderpreis bezahlt und sich wer weiß wie sonst noch engagiert.
Es ist die zweite oder dritte Ausgabe, die ich mir zu Gemüte geführt habe, die letzte Lektüre liegt schon eine Weile zurück. Falun Gong wurde in jeder Nummer erwähnt; anzunehmen also, dass die Zeitung ganz stark mit dieser Glaubensgemeinschaft in Verbindung steht. In China wird sie unterdrückt, das ist bekannt und wird in der Zeitung auch thematisiert, aber was ist Falun Gong eigentlich und was wollen die von uns - mehr, als dass wir uns gegen ihre Verfolgung aussprechen, uns missionieren vielleicht? "TETD" erweckt jedenfalls den Eindruck, als würde hier auch um unsere Seelen gekämpft. Da ist immer wieder die Rede von "ursprünglichen" und "traditionellen" Werten, an die man sich immer wieder erinnern sollte. Dann kann man auch den Versuchungen der modernen Welt viel besser widerstehen (z.B. Internet-Sucht) und Gutes für die Menschheit leisten wie etwa die Nobelpreisträgerin für Medizin 2009 oder der zweitreichsten Mann der Welt ("Warren Buffett: Ein Mann unter den Buben im Business"), auf dessen Anlage-Tipps so viele hören.
Das aus den verschiedensten Teilen der Welt scheinbar wahllos zusammengetragene Potpourri an Informationen, die oft unprofessionell wirkende Gedankenführung, die Schlichtheit des Weltbildes ("Eigentlich sind wir Menschen von Grund auf großzügig") machen die Lektüre zu einem kurzweiligen, von Boshaftigkeit nicht freien Vergnügen. Unverkennbar das Bemühen um einen guten Stil und die Vermeidung von Druckfehlern, das die Texte immerhin leicht konsumierbar macht. Außerdem erfährt man durchaus manch Wissenswertes, z.B. im Aufmacher vom 6. Januar "Können Migranten die Weltwirtschaft retten?". Natürlich nicht, ob Migranten die Weltwirtschaft retten, aber immerhin über einige aktuelle Hintergründe zu den Rücküberweisungen von Migranten in ihre Heimatländer. (Beim Googeln der dort erwähnten Organisation "La Liga Global" stieß ich eben auf den englischen Originaltext von Debayani Kar, der weit weniger hanebüchen wirkt. Stilempfinden ist beim Übersetzen eben nicht alles.)
Es ist schwer, sich einen ernsthaften Leser der Zeitung vorzustellen, jemanden, der das Fehlen orthografischer Schnitzer ebenso schätzt wie mangelnde Konsistenz von Texten. Aber vielleicht mag er oder sie ja das Bunte, das Beschwingt-Konservative, das dem Fortschritt bei aller gern geäußerten Liebe zum Traditionellen vorbehaltlos positiv gegenüberzustehen scheint, und der Stil ist Nebensache, eher ein Steckenpferd der Herausgeber. Laut Internet-Seite (www.epochtimes.de) ist das Ziel der Zeitung, "unabhängige, politisch unbeeinflusste und unverfälschte Informationen und eine Vielfalt von Perspektiven zu den Themen der Zeit zu liefern. Einen Schwerpunkt hat die Epoch Times in der Berichterstattung über China."
Man findet auf der Website auch "Neun Kommentare über die KPCH", von denen hier einer zitiert sei:
Der Vierte der Neun Kommentare
Die Kommunistische Partei Chinas ist eine gegen den Kosmos gerichtete Kraft
In den vergangenen hundert Jahren hat die schlagartige Invasion des Kommunismus eine Kraft gegen Natur und Menschlichkeit erzeugt, die grenzenloses Leid und endlose Tragödien über die Menschen gebracht hat. Sie hat die Zivilisation an den Rand der Zerstörung getrieben und ist zu einer außerordentlich bösartigen Kraft gegen die Gesetzmäßigkeiten des Universums geworden.
So deutliche Worte habe ich in der Print-Ausgabe noch nicht gefunden. Will auch gar nicht herausfinden, ob das Zufall (kenne wie gesagt nur wenige Ausgaben) oder Taktik ist, denn dazu müsste ich das Blatt öfter lesen und dazu ist mir bei allem Amüsement die Zeit doch zu schade.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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