fruehauf

Blog von fruehauf

20.09.2010 | 17:52

Vor zwei Jahren: "Eine Stadt stellt sich quer"

2008 dachten die Rechtsextremisten von Pro Köln, das Domstädtchen mit ihrem Protest gegen den Neubau der Ehrenfelder Moschee genügend aufgewirbelt zu haben, um nun auch noch mit einem Anti-Islamisierungs-Kongress für Stimmung zu sorgen. Was daraus wurde, ist bekannt: stundenlanges Umherirren der KongressteilnehmerInnen am ersten Tag - der Kapitän eines Rheinboots weigerte sich anzulegen, als er erfuhr, wen er an Bord hatte, und auch sonst mochte niemand dem rechten Trüppchen zu Diensten sein; am zweiten und letzten Tag Blockaden in der ganzen Stadt, mehr oder weniger in Kooperation mit der Polizei; ein Bürgermeister, über den die Republik sonst eher lachte, dem man ob seiner entschiedenen Stellungnahme nun aber tatsächlich Respekt entgegenbringen konnte; Tanz, Musik und Mummenschanz; ein armseliges Häuflein, das es irgendwie doch noch an den Ort der geplanten Abschlusskundgebung schaffte; am frühen Nachmittag dann das endgültige Aus der Narretei.

Auf SPON kann mans nachlesen, es gibt auch ein hübsches Video über die Ereignisse am Freitag.

Ich selbst war nicht fürs Blockieren. 1001 BauchtänzerInnen sollten sich auf dem Heinrich-Böll-Platz in der Nähe des Hauptbahnhofs treffen, um mit un-antiislamistischem (nicht gleichzusetzen mit islamistischem) Musizieren und Körperteileschwingen einen ganz eigenen Schwerpunkt in der Auseinandersetzung zu liefern. So viele waren es dann natürlich nicht, aber über hundert dürften in der ersten Stunde zusammengekommen sein. Einige richtig gute Musiker spielten auf, tanzen durfte man, wie man wollte bzw. konnte - eine ganze Reihe Leute konnte es recht gut, weil sie es in ihren Familien oder wo auch immer gelernt hatten, und war mit großer Freude bei der Sache. Ich war nicht die Einzige, die das Spektakel einfach nur genoss. Ein ältere Frau mit Kopftuch schlich sehr interessiert herum, vielleicht Mutter eines der Musiker, vielleicht ehemalige Tänzerin.

Ein paar Stunden später kehrte ich dorthin zurück, ein gutes Dutzend war immer noch übrig, versunken in Tanz und Musik, in diese seltsame, wahrscheinlich unwiederholbare Gelegenheit. Nichts an diesem Tag hat mich so glücklich gemacht wie die Viertelstunde, die ich dort stehenblieb.

Warum kann Widerstand nicht öfter so aussehen? Seufz...

Gegen Anti-Nazi-Blockaden bin ich immer noch, wenn auch nicht mehr so entschieden wie damals. Irgendwie muss man seinen Protest ja zum Ausdruck bringen, das sehe ich ein. Aber dass man Nazi- und RassistInnentum so wirksam bekämpfen kann, glaube ich einfach nicht, eher im Gegenteil. Vor allem wenn die BlockiererInnen zum Großteil von weiter her anreisen und der anderen Seite an Martialität nicht viel nachstehen.

Ein schwieriges Thema, über das ich gerne mit mir diskutieren lasse.

 
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